Schlachtkonzern

Umstrittener Fleisch-Milliardär Tönnies hat Pläne für Baden-Württemberg - sie machen die Regierung stutzig

  • Anna-Lena Schüchtle
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Nach der Zwangspause bedingt durch die Corona-Krise bereitet sich der Schlachtkonzern Tönnies auf eine neue Gesetzeslage vor, die ab 2021 in Kraft tritt. Diese wirkt sich auf die Zusammenarbeit mit einem Betrieb in Baden-Württemberg aus.

  • Nach der Schlachtpause bedingt durch die hohen Corona-Infektionszahlen fährt der Schlachtkonzern Tönnies seinen Betrieb wieder hoch.
  • Eine neue Gesetzeslage ab 2021 erschwert für Tönnies die Zusammenarbeit mit einem Betrieb in Baden-Württemberg.
  • Der Schlachtbetrieb möchte das Unternehmen aus Crailsheim daher übernehmen.

Crailsheim/Schwäbisch Hall - Nach dem Corona-Ausbruch beim Stammsitz von Tönnies im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück erhielten der Betrieb und dessen umstrittener Miteigentümer, Milliardär Clemens Tönnies, viel öffentliche Kritik. Zudem musste die Arbeit des größten Schlachtbetriebs Deutschlands ab Mitte Juni für etwa einen Monat pausieren. Etwa 1.400 Männer und Frauen der Belegschaft hatten sich mit Covid-19 infiziert.

Nachdem die Hygienestandards zum Schutz vor dem Coronavirus bei Tönnies hochgesetzt und etwa eine neue Filtertechnik und Trennscheiben zwischen den Arbeitern verbaut worden waren, konnte der Betrieb mit bis zu 8.000 Schlachtungen am Tag ab Mitte Juli wieder aufgenommen werden - vor der Corona-Krise wurden am Tag bis zu 25.000 Schweine geschlachtet. Unterdessen sieht sich Tönnies ab 2021 mit einer neuen Gesetzeslage konfrontiert, die auch Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit einem Schlachtbetrieb in Baden-Württemberg haben könnte.

Neue Gesetzeslage ab 2021 erschwert Zusammenarbeit von Fleischkonzern Tönnies mit Unternehmen in Baden-Württemberg

Seit Verschärfung der Hygienebedingung darf Tönnies seinen Schlachtbetrieb allmählich wieder hochfahren.

Ab nächstem Jahr dürfen Schlachtungen in größeren Branchenbetrieben laut eines Gesetzesentwurfs von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) nur noch durch eigene Mitarbeiter ausgeführt werden. Das würde im Fall von Tönnies die Zusammenarbeit mit der Firma Lazar mit Sitz in Crailsheim in Baden-Württemberg betreffen. Wie die Deutsche Presseagentur in einer Mitteilung schreibt, arbeitet diese nach Angaben eines Konzernsprechers im Auftrag von Tönnes und ist an unterschiedlichen Standorten für die Schlachtung und Zerlegung von Rindern verantwortlich.

Da dies aufgrund der neuen Gesetzeslage ab 2021 nicht mehr möglich ist, meldete der Schlachtbetrieb Tönnies am 29. Juli an, die Crailsheimer Firma Lazar übernehmen zu wollen - der Zusammenschluss wurde vom Bundeskartellamt jedoch noch nicht freigegeben. Grund dafür ist, dass die Behörde zunächst die Auswirkungen auf den Wettbewerb durch die Fusion der beiden Unternehmen prüfen und bewerten muss. Unter bestimmten Voraussetzungen könnte der Zusammenschluss von Tönnies und Lazar durch das Bundeskartellamt abgelehnt werden.

Die neue Gesetzeslage sieht vor, dass ab 1. Januar 2021 keine Werksarbeiter in einem Betrieb mit dem Kerngeschäft Schlachtung, Zerlegung und Fleischverarbeitung angestellt sein dürfen, ab 1. April gilt dasselbe für Leiharbeiter. Unternehmen, die sich nicht an die Vorschriften halten, müssen mit Bußgeldern rechnen. Einzige Ausnahme sind Betriebe mit maximal 49 Mitarbeitern. Der Crailsheimer Schlachtbetrieb Lazar, den Tönnies nun übernehmen möchte, beschäftigt derzeit etwa 200 Mitarbeiter.

Nach Zwangpause fährt Tönnies den Betrieb wieder hoch - wegen des Coronavirus herrschen strenge Regeln in Schlachtbetrieben in Baden-Württemberg

Wie die Deutsche Presseagentur einen Konzernsprecher zitiert würde der Schlachtbetrieb von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück seit Freitag hochgefahren. Mittlerweile seien wieder mehr als 4.000 Mitarbeiter im Einsatz. Unter Aufsicht der Behörden setze das Unternehmen auch wieder eine zweite Schicht ein. Ziel sei es, im nächsten Schritt 15.000 Schweine pro Tag zu schlachten.

Nicht erst seit dem Massenausbruch von Covid-19 bei Tönnies stehen Schlachtbetriebe auch im Südwesten wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg unter besonderer Beobachtung. In den vergangenen Wochen waren diese besonders stark von Infektionen betroffen. Ende Juli kam es beispielsweise zu Masseninfektionen bei den Mitarbeitern eines Schlachtbetriebs in Birkenfeld. Eine neue Corona-Verordnung setzte den Unternehmen daher nun strenge Regeln auf. Der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim gab jedoch einem Eilantrag eines Schlachtbetriebs gegen die entsprechende Corona-Verordnung teilweise statt.

Rubriklistenbild: © Tönnies/dpa

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