Oberbürgermeister von Tübingen

„Geschmacklos“: Grünen-Politiker Boris Palmer provoziert in Talkshow mit Corona-Witz - und kassiert dafür Häme

  • Anna-Lena Schüchtle
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In einer Talkshow zum Thema Coronavirus trafen die beiden Politiker Boris Palmer und Karl Lauterbach aufeinander. Wie sich im Vorfeld bereits angedeutet hat, sind sich die beiden nur selten einer Meinung. Der grüne Oberbürgermeister von Tübingen provozierte zudem mit einem Corona-Witz und kassierte im Netz dafür Häme.

  • In einer Talkshow waren am Mittwochabend SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und der grüne Oberbürgermeister von Tübingen Boris Palmer eingeladen.
  • Die Politiker diskutierten in der Runde über die Maßnahmen gegen des Coronavirus und waren dabei nur selten einer Meinung.
  • Während des Talks provozierte Boris Palmer den SPD-Politiker und machte zudem einen Corona-Witz, für den er auch auf Social Media kritisiert wurde.

Tübingen - Um die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg einzuschränken, traten im Frühjahr diverse Maßnahmen gegen Covid-19 in Kraft, die das Leben der Bevölkerung stark einschränkten. Dies führte zu zum Teil massiver Kritik und zu vielen Protesten. Nach Ansicht des grünen Oberbürgermeisters Boris Palmer seien viele Corona-Skeptiker jedoch beiseite gedrängt worden. Seit den Lockerungen vom 1. Juli, ist jedoch nahezu alles wieder erlaubt. Die Folge: Die Zahlen der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigen seitdem wieder an - nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in ganz Deutschland. Vielen Experten gibt dies Anlass zur Sorge.

Einer von ihnen ist Epidemiologe und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der am Mittwochabend in der Talkrunde von Sandra Maischberger mehrmals betont: „Wir sind am Anfang der zweiten Welle“. Ebenfalls anwesend: Boris Palmer, der mithilfe von Antikörper-Tests in Tübingen versuchte, einen zweiten Corona-Ausbruch zu verhindern. Der Grünen-Politiker hatte sich bereits im Mai während einer Talkshow zur Corona-Pandemie von Maybrit Illner mit Lauterbach angelegt. Dieser war damals zwar selbst nicht anwesend gewesen, konterte später jedoch auf Twitter. Bei der Talkrunde von Maischberger trafen sie nun aufeinander.

Talkshow zum Coronavirus: Boris Palmer und Karl Lauterbach diskutieren und sind nur selten einer Meinung

Auch am Mittwochabend wurde deutlich, dass Boris Palmer und Karl Lauterbach in Bezug auf die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland nicht immer einer Meinung sind. So behauptet der Tübinger Oberbürgermeister beispielsweise, dass es noch nicht abschließend geklärt sei, inwieweit die Masken zum Schutz vor Covid-19 tatsächlich wirken und widerspricht damit Lauterbach, der kurz zuvor noch ein Plädoyer für den Einsatz von Schutzmasken gehalten hatte. „Wir hätten am Anfang klarer sagen müssen, die Masken bringen viel. Wir hätten von Anfang an sagen müssen: Masken sind ein Schlüsselelement“, so Lauterbach.

Des Weiteren spricht der Tübinger Oberbürgermeister im Talk davon, dass die Corona-Bekämpfung für arme Kinder auf dieser Welt schlimmer sei als die Krankheit selbst und beruft sich dabei auf einen Bericht des Kinderhilfswerks UNICEF. Es würden, so Boris Palmer, „mehr Kinder die Maßnahmen mit dem Leben bezahlen, als Corona unter ihnen Opfer fordert.

Es ist wichtig zu sehen, ob Kinder geopfert werden oder ob Menschen in Altenheimen in Deutschland sterben, die im Schnitt dort nicht mehr als ein Jahr leben [...].

Oberbürgermeister von Tübingen Boris Palmer bei „Maischberger. die woche“ am 05.08.2020

Auf die Aussagen von Boris Palmer reagiert Karl Lauterbach gereizt. „Ich finde es ein Stück weit geschmacklos, den Versuch, den wir hier unternehmen, die Menschen in Deutschland [...] vor dem Covid-Tod und den Folgeschäden zu retten, so darzustellen, als wenn wir dafür in Afrika Kinder sterben ließen“, erwidert der SPD-Politiker ungehalten.

Oberbürgermeister von Tübingen: In der Talkrunde versucht Boris Palmer einen Witz zu machen und wird im Netz dafür belächelt

Boris Palmer und Karl Lauterbach in der Talkrunde von Maischberger am 05.08.2020.

Auch zu der von Karl Lauterbach angesprochenen zweiten Welle, die laut dem Epidemiologe bereits begonnen habe, hat Boris Palmer eine klare Meinung. Es könne durchaus sein, dass man am Anfang einer zweiten Welle stehe, aber sicher sei es nicht. Die Aussagen Lauterbachs seien „Angst machend“ und „demoralisierend“. „Das ist mir zu apodiktisch“, erklärt der Grünen-Politiker und kann sich anschließend den Karlauer „apo-karl-yptisch“ mit einem Seitenblick auf Karl Lauterbach nicht verkneifen. Dieser scheint für den kleinen Scherz nicht viel übrig zu haben und moniert, dass Apokalypse ein abwertender Begriff sei, den er nicht bringen würde: „Lassen Sie doch einfach diese Begriffe“.

Auch auf Social Media findet das Wortspiel des ohnehin umstrittenen Oberbürgermeisters von Tübingen nicht viel Zuspruch, sondern wird eher belächelt. „Boris Palmer hat wie ein CDU-Vertreter argumentiert und lieferte sogar schlechte Wortwitze. Gab wohl im Backstage Freibier“, schreibt ein Kommentator auf Twitter. Ein anderer witzelt: „Wir hätten übrigens nicht den Corona-Talk gebraucht, um zu wissen, dass Boris Palmer nicht die hellste Kerze auf der Torte ist".

Wenn eine Diskussion mit Boris Palmer „kultiviert“ genannt wird, dann weißt du wie schlimm es um die Debattenkultur bestellt ist.

Tweet zur Talkrunde von Sandra Maischberger vom 05.08.2020

Viele andere Kommentatoren reagieren weniger amüsiert, sondern eher entsetzt auf den Auftritt des Grünen-Politikers: „Boris Palmer bietet hauptsächlich Anlass zum Kopfschütteln“, heißt es in einem Tweet zur Sendung. Auch ein anderer zeigt sich empört: „Einmal mehr unmöglich! Er behauptet, die Politiker hätten bei den Corona-Maßnahmen „Kinder geopfert“. Ich fass es nicht: dieser Mann ist Oberbürgermeister? Und: Was macht er bei den Grünen?“

Boris Palmer und Karl Lauterbach: Am Ende der Talkrunde waren sich die Politiker in einem Punkt einig

Zu guter Letzt finden Boris Palmer und Karl Lauterbach doch noch ein Thema, bei dem sie einer Meinung sind. Auf die Frage, was er von dem Konzept der DFL, Fußballspiele vor Zuschauern abhalten zu lassen, halte, kommentierte Lauterbach strikt: „Das finde ich voll kommen frivol und unangemessen“. Man habe Mühe, die Kinder wieder in die Schule zu bringen. Sie müssten zudem mit Masken unterrichtet werden „und da macht man sich darüber Gedanken vor 25.000 Leuten Fußball zu spielen“.

Wir müssen den Kindern diesmal mehr Priorität geben als bei der ersten Welle.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bei „Maischberger. die woche“ am 05.08.2020

Boris Palmer stimmt dem SPD-Politiker in diesem Fall voll und ganz zu: „Von Anfang an haben die Kinder und die Familien eine zu große Last bei der Pandemie-Bekämpfung getragen“. Daher müssten jetzt andere einen größeren Beitrag leisten, so Oberbürgermeister von Tübingen, der in diesem Zusammenhang Großveranstaltungen anspricht, die nicht stattfinden sollten, wenn der Preis dafür sei, „dass die Kinder nicht mehr zur Schule können“.

In den vergangenen Wochen geriet Boris Palmer bereits schon einmal in die Schlagzeilen. Nach den Ausschreitungen in Stuttgart von Mitte Juni schreib der Grünen-Politiker aus Tübingen gemeinsam mit zwei weiteren Amtskollegen aus Baden-Württemberg einen Brandbrief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann, in dem diese Konsequenzen forderten.

Rubriklistenbild: © Screenshot /ARD Mediathek

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