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Kino-Verwüstung durch „Gentleminions“ zeigt, wie respektlos Jugendliche heute sind

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Von: Sina Alonso Garcia

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Verwüstung am Filmpalast am ZKM Karlsruhe.
Eine Schneise der Verwüstung: Jugendliche hinterließen im Filmpalast am ZKM in Karlsruhe ein Bild des Schreckens. Der TikTok-Trend „Gentleminions“ war dafür verantwortlich. © Filmpalast am ZKM/TikTok

Eigentlich war „Gentleminions“ zunächst ein harmloser TikTok-Trend. Dann eskalierte in Karlsruhe die Situation. Dass Jugendliche sich so daneben benehmen, ist sehr bezeichnend für unsere heutige Zeit. Ein Kommentar.

Karlsruhe - Alles begann mit einem harmlosen TikTok-Trend: Jugendliche gingen mit Anzügen bekleidet ins Kino, sahen den neuen „Minions“-Film und filmten sich dabei. Dann nahm die Aktion eine erschreckende Wendung: In Karlsruhe verwüsteten die „Gentleminions“ ein ganzes Kino. Videos der Betreiber zeigen einen völlig zugemüllten Saal voller Popcorn und leeren Getränkeverpackungen. Einen Teil der Getränke schütteten die Jugendlichen auf den Boden, einer fremden Kundin schmierte jemand sogar Salsa-Soße in die Haare. Mein Eindruck: So respektlos wie die jungen Leute heutzutage waren ältere Generationen in diesem Alter lange nicht.

„Gentleminions“-Eskalation zeigt fehlenden Respekt vor anderen Menschen, der früher ein hohes Gut war

Wenn ich zurückdenke an meine Teenager-Zeit, dann stelle ich fest: Ja, es gab auch in meiner Klasse ein paar Querschläger, die sich ziemlich respektlos gegenüber bestimmten Lehrern oder Mitschülern verhalten haben. Und ja: Auch außerhalb meines kleinen Kosmos gab es Jugendliche, die wissend den Schaden von anderen in Kauf genommen haben. Zu sagen, „früher war alles besser“, wäre sicherlich vermessen. Aber: Eine mutwillige Verwüstung fremden Eigentums im Ausmaß, wie sie jetzt in Karlsruhe stattgefunden hat, ist in meinen Augen eine neue Dimension der Respektlosigkeit.

Ich kann hier nur von meiner eigenen Erziehung sprechen, doch der Respekt vor anderen Personen, Institutionen und fremdem Eigentum stand immer weit oben in der Prioritäten-Liste. Wenn ich heute beobachte, wie kleine Kinder mit Erziehungsberechtigten, Lehrern oder erwachsenen Personen in öffentlichen Ämtern sprechen, fällt mir regelmäßig die Kinnlade runter. Denn die Kleinen tun das häufig in einem Ton, der für diese Persönchen viel zu forsch scheint.

Kinder, die Respekt nicht von klein auf beigebracht bekommen, lernen ihn auch später nicht

Bereits in diesem Stadium vermisse ich oft ein Mindestmaß an gesunder Zurückhaltung und Höflichkeit. Wenig hilfreich scheint es mir, wenn die ohnehin schon vorlauten Kinder noch gestärkt werden, indem unverschämtes Verhalten als positiv deklariert wird. Kinder, die einen gesunden Respekt vor anderen Menschen nicht von klein auf beigebracht bekommen, lernen ihn auch später nicht mehr.

Und dann passiert genau das, was in Karlsruhe passiert ist: Teenager fühlen sich unantastbar und schmeißen im Kino mit Müll um sich, als wären sie gottgleiche Wesen und die Reinigungskräfte ihre Untertanen. Dass die Leidtragenden dieser miesen Aktion die Mitarbeiter des Kinos sind, die hart für ihr Geld schuften, interessiert die kleinen Tyrannen offenbar nicht im Geringsten. Ich hoffe für die Zukunft, dass in unsere Gesellschaft wieder mehr Respekt einkehrt und diejenigen, die sich nicht an Regeln halten, irgendwann dafür büßen.

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