Prämie für E-Bikes und ÖPNV

Gemeinde belohnt Einwohner mit 500 Euro, wenn sie ihr Auto abschaffen

Fahrradfahrer und Fußgänger.
+
Die Gemeinde Denzlingen gibt 500 Euro an Fördergeld für jeden aus, der seinen Verbrenner abschafft.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
    schließen

Eine ungewöhnliche Abwrackprämie gibt es in der baden-württembergischen Gemeinde Denzlingen. Dort erhält jeder Autobesitzer 500 Euro, wenn er seinen Verbrenner abmeldet.

Denzlingen - Die Gemeinde Denzlingen im Norden von Freiburg hat sich etwas ausgedacht, um Klimafreundlichkeit zu fördern. Wer von den insgesamt 14.000 Einwohnern seinen Verbrenner abgibt, bekommt bis zu 500 Euro als Fördergeld. Die einzige Verpflichtung: Wer die außergewöhnliche Abwrackprämie in Anspruch nimmt, muss seinen Verbrenner abmelden und darf sich in den nächsten drei Jahren keinen neuen anschaffen. Die Gemeinde will mit dem Projekt die Klimaneutralität fördern.

Beschlossen wurde die Prämie bereits im vergangenen Jahr im August vom örtlichen Gemeinderat, gültig ist sie seit September 2020. Die Förderung ist Teil des Klimaschutz-Förderprogramms von Denzlingen, das mehrere Projekte umfasst und insgesamt 50.000 Euro beinhaltet. Gegenüber BW24 sagte eine Sprecherin der Gemeinde, dass die 500-Euro-Prämie in den ersten drei Monaten gut angenommen worden sei. Etwa 20 Bürger hätten sie bis zum Jahresende in Anspruch genommen. Aktuelle Zahlen für 2021 lägen noch nicht vor. Nach wie vor gingen aber immer wieder Anträge ein.

Autobesitzer in Denzlingen erhalten die volle Prämie, wenn sie ein E-Bike kaufen

Wie hoch die Prämie ist, die Einwohner erhalten, hängt ganz davon ab: Die vollen 500 Euro gibt es nur als Zuschuss für eine Nahverkehrs-Jahreskarte, die rund 630 Euro kostet, oder für den Kauf eines E-Bikes. Mit 400 Euro werden E-Roller gefördert, nur noch 200 Euro gibt es für einen Einkaufsgutschein, das im Denzlinger Wirtschaftsnetzwerk eingelöst werden kann. Der Umstieg auf das E-Auto wird nicht unterstützt. Dafür gibt es bereits seit Längerem einen Bonus vom Bund. Seit es den Anreiz gibt, hat sich die Zahl der E-Autos in Baden-Württemberg fast verdreifacht. Auch die Industrie stellt um: Die Daimler AG, Porsche und andere deutsche Autobauer wollen in den nächsten mehr und mehr E-Autos auf die Straße bringen.

Den gleichen Effekt im Kleinen erhofft sich der Denzlinger Bürgermeister Markus Hollemann auf den Verkehr in seinem Ort. „Wir wollen mit den Prämien den Umstieg aufs Rad oder den ÖPNV fördern und den Verzicht aufs Auto etwas attraktiver machen. Darum ist der Wert des reinen Einkaufsgutscheins geringer“, sagte Hollemann im vergangenen Jahr im Interview mit der Zeit.

Bürgermeister von Denzlingen erhofft sich Nachahmer

Der 47-jährige Denzlinger ist Mitglied in der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) und seit elf Jahren im Amt. Er ist der einzige ÖDP-Bürgermeister in Baden-Württemberg - und hat mit seiner etwas anderen Abwrackprämie dem Ort in Südbaden bundesweit zum Alleinstellungsmerkmal verholfen. Den 500-Euro-Zuschuss gibt es sonst in keiner anderen Gemeinde.

Der Bürgermeister wünscht sich, dass sich die Idee auch in anderen Städten und Gemeinden etabliert. „Ich freue mich, wenn andere Kommunen ähnliche Förderungen anbieten oder unser Konzept einfach klauen. In diesem Fall ist Diebstahl sehr gern gesehen. Entscheidend ist jedoch das tatkräftige Handeln!“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare