Schädling breitet sich in Europa aus

Gefährlicher Japankäfer immer öfter in Baden-Württemberg - Finder sollen ihn melden

Maikäfer auf einem Baumast
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Zumindest von der Farbe her ähnelt der Japankäfer auch den Maikäfern (hier im Bild).
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Wie es schon sein Name sagt, ist der Japankäfer eigentlich nicht in Baden-Württemberg beheimatet. Der Schädling ist hierzulande allerdings auf dem Vormarsch. Pflanzenschützer schlagen jetzt Alarm.

Karlsruhe/Basel - Auf den ersten Blick könnte man ihn für einen Maikäfer halten. Doch seine weißen Haarbüschel an der Körperseite unterscheiden den Japankäfer von seinem Artgenossen aus Deutschland. Eigentlich ist das Insekt in Japan beheimatet. Seit einigen Jahren taucht der Käfer allerdings auch in Europa auf, wurde schon in Italien, der Schweiz und Österreich entdeckt. Nun wurde auch ein Exemplar in Basel nahe der deutschen Grenze gefunden. Eine Ausbreitung in Deutschland scheint also wahrscheinlich. Das versetzt Pflanzenschützer in Baden-Württemberg in Alarmbereitschaft.

Wie das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg mitteilt, richtet der gefräßige Japankäfer starke Fraßschäden an. Der Schädling hat es vor allem auf Blüten, Blätter und Früchte junger Pflanzen abgesehen. Vor ihnen ist nichts sicher: Egal ob Weinreben, Beerensträucher, Obstplantagen oder landwirtschaftliche Kulturen - der Japankäfer hat alles zum Fressen gern. Schon als Larven können Japankäfer so mancher Ernte gefährlich werden: Sie ernähren sich von Wurzeln, schädigen somit auch Gartenpflanzen oder Rasen. Treten die Käfer in großer Zahl auf, könnten sie Rasen, Wiesen und Weiden zerstören. 

Ein weiteres Problem: Der Schädling lässt sich nur sehr schwer bekämpfen. Mit Pheromonfallen können die Käfer angelockt und von Hand eingesammelt werden. Größerer Befall kann mit dieser Methode allerdings nicht behandelt werden. In den USA werden die Schädlinge mit Insektiziden bekämpft, in Europa und in der Schweiz sind solche Mittel aber teilweise nicht zugelassen, weil sie häufig Auswirkungen auf andere Insektenarten haben.

Japankäfer-Fund in Basel: Vermutlich als „blinder Passagier“ eingereist

Wie die Deutsche Presse Agentur schreibt, sei ein männliches Exemplar des Japankäfers Mitte Juli in einer sogenannten Pheromonfalle in der Nähe des Basler Güterbahnhofs gefangen worden. Der eidgenössische Pflanzenschutzdienst vermutet, dass er als „blinder Passagier“ aus einem Befallsgebiet um den Lago Maggiore in Italien in das rund 250 Kilometer entfernte Basel gelangte.

Ein in Basel entdeckter Japankäfer sorgt bei deutschen Pflanzenschützern für Panik.

Damit wird der Japankäfer auch für Baden-Württemberg gefährlich. Wie das Landwirtschaftliche Technologiezentrum mit Sitz in Karlsruhe mitteilt, habe sich die Gefährdungslage für Baden-Württemberg deutlich verschärft. Besonders fürchten Pflanzenschützer eine Einschleppung über den Reise- und Warenverkehr über die Verkehrsadern am Oberrhein oder die Autobahnen am Bodensee. „Momentan wird abgeklärt, ob es sich um einen Einzelfund oder tatsächlich um einen Befall mit dem Japankäfer handelt“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung.

Ein weiteres gefährliches Tier breitet sich währenddessen in Baden-Württemberg aus: Die asiatische Tigermücke wird hierzulande heimisch. Ursprünglich stammt das Insekt aus den Tropen und Subtropen.

Japankäfer in Baden-Württemberg: Die Bevölkerung wird aufgerufen, gefundene Käfer zu melden

Die Schützer setzen nun alles daran, eine Ausbreitung des Käfers in Baden-Württemberg zu verhindern. Maßnahmen könnten zum Beispiel Einschränkungen beim Pflanzentransport, engmaschige Netze oder Insektizide sein. „Die Chance auf eine vollständige Tilgung ist umso größer, je früher der Japankäfer gefunden wird.“

Dafür ist das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen. „Sollten Sie einen Japankäfer an Pflanzen, Fahrzeugen, an der Kleidung oder Gepäckstücken entdecken, fangen Sie den Käfer (tot oder lebendig) und bewahren ihn sicher auf“, ruft das Zentrum auf. Anschließend solle der Pflanzenschutzdienst informiert werden, etwa mit Foto und Fundort unter der Mailadresse pflanzenschutz-insekten@ltz.bwl.de. Erkennen kann man das etwa ein Zentimeter große Insekt an seiner grünlich metallischen Farbe. Seine fünf weißen Haarbüschel an der Körperseite unterscheiden ihn von einheimischen Junikäfern.

Ein weiteres Insekt aus China nistet sich im Herbst in deutschen Wohnungen ein: Stinkwanzen, auch marmorierte Baumwanzen genannt, tummeln sich in vielen Wohnungen. Doch die Natur hat einen Gegenspieler gefunden: Die Samuraiwespe könnte die Ausbreitung der Wanze in Schach halten.

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