Kriegsfolgen massiv spürbar

„Angst, dass Gäste auf Besuch verzichten“: Gastronomie im Land unter Kostendruck

Gastronomie in Schleswig-Holstein
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Keine Corona-Auflagen wie Maskenpflicht mehr, stattdessen teure Energie- und Lebensmittelpreise: Die Gastronomie in Baden-Württemberg steht vor gewaltigen Herausforderungen.
  • Jason Blaschke
    VonJason Blaschke
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Energie- und Lebensmittelpreise machen der Gastronomie in Baden-Württemberg zu schaffen. Zwei Betreiber berichten, wie schwer sie die Kriegsfolgen treffen.

Stuttgart – Lieferengpässe, Hamsterkäufe oder auch plötzliche Preissprünge – der seit Wochen andauernde Krieg in der Ukraine ist an vielen Stellen omnipräsent. Für viele Lebensmittel müssen Verbraucher tiefer in die Tasche greifen – egal, ob im Discounter oder Supermarkt. Ein Ende der Verteuerungen ist vorerst nicht in Sicht. Im Gegenteil: Auf Anfrage von BW24 teilte der Milchindustrie-Verband in Deutschland mit, dass speziell Milchprodukte noch teurer werden.

Teure Energie- und Lebensmittelpreise: immer mehr Branchen unter Kostendruck

Ebenfalls alarmiert mit Blick auf die Preise sind die Chips- und Pommes-Produzenten, denen ebenfalls die Kosten für Lebensmittel und Energie zu schaffen machen. Ein großes Problem ist für die Branche das teurere und rare Speiseöl, das zum Frittieren benötigt wird. Zwar gibt es Sonnenblumenöl-Alternativen, die sich auch zum Frittieren eignen, doch selbst die kosten mittlerweile deutlich mehr, als noch 2021.

Auch die Gastronomie in Baden-Württemberg kämpft mit den gestiegenen Lebensmittel- und Energiepreisen. In nahezu allen Bereichen würden die Einkaufspreise für die Gastronomie im Südwesten steigen, erzählt Daniel Ohl, Sprecher vom Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA in Baden-Württemberg, im Gespräch mit BW24. Genau beziffern könne er die Preissteigerungen für Energie- und Lebensmittel nicht.

BundeslandBaden-Württemberg
Fläche35.751 km²
Bevölkerung11,07 Millionen (2019)
HauptstadtStuttgart
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann

Gastronomen in Baden-Württemberg in großer Sorge – Preisanpassungen sind unvermeidbar

Klar sei für Ohl aber: „Faktoren wie eben Lebensmittel- oder Energiepreise sind ein Teil der Kostenkalkulation der Betriebe, was sich auch in den Preisen für die Gäste widerspiegeln wird.“ Dass solche Preisanpassungen aktuell schon unumgänglich sind, weiß Thorsten Brinkmann vom Rebstöckle in Reutlingen. Das Restaurant musste SWR-Berichten zufolge seine Preise zum Osterfest zwischen fünf bis 15 Prozent nach oben korrigieren.

Ein Schnitzel, das vorher 15,60 Euro gekostet hatte, steht nun mit 16,90 Euro in der Speisekarte. Und die 0,33-Flasche Cola kostet im Rebstöckle mit 3,80 Euro jetzt 20 Cent mehr, als noch vor Ostern. „Es läppert sich“, sagt Brinkmann, der befürchtet, dass Gäste mit Blick auf die Preiserhöhungen Restaurants meiden könnten. „Meine große Angst ist, dass Gäste auf den Restaurantbesuch verzichten“, so Brinkmann im SWR.

Gastronomie vor schwieriger Aufgabe: Prognosen kündigen weitere Verteuerungen an

Eine bittere Pille für die Gastronomie, die nach zwei Jahren Corona ohnehin schon gebeutelt ist. Vielen Gastro-Betrieben in Baden-Württemberg fehlen Mitarbeiter, auch das Rebstöckle sucht händeringend Unterstützung. Laut Ohl ein zusätzliches Problem, wenn die Betriebe nicht wettbewerbsfähig sind und hohe Ausgaben stemmen müssen. Und die können sie nicht zu 100 Prozent auf die Gäste umlegen.

Würde er das tun, wären die Gerichte so teuer, dass sie vermutlich kaum noch jemand bestellen würde, sagt Marco Garofalo vom Gasthaus Löwen in Villingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) im SWR. Genau wie Brinkmann muss nun auch er abwägen, wie viel er auf die Kunden abwälzen kann und welche Kosten er selbst tragen muss. Aktuelle Prognosen, dass gewisse Lebensmittel noch teurer werden sollen, ist für die Gastronomie eine zusätzliche unbekannte Variable.

Nicht nur Energie und Lebensmittel – diese Kosten belasten die Unternehmen

Ariane Amstutz vom LBV Baden-Württemberg machte kürzlich im Interview mit BW24 deutlich, dass es dabei nicht nur um teure Energie- und folglich Transportkosten gehe, sondern auch um Dinge wie Dünger oder Verpackungsmaterial. „Alles wird gerade teurer“, erklärte Amstutz und das spiegele sich dann auch in den Preisen wider, die der Verbraucher zahlen müsse. Mit Blick auf die Gastronomie ist es nicht anders – nur, dass hier in viel größeren Dimensionen gerechnet werden muss.

„Im Grunde sind es die drei Faktoren Corona-Folgen, Energiekosten und Einkauf der Lebensmittel, die aktuell durchschlagen“, sagte Ohl im BW24-Gespräch ergänzend dazu. Mit Verständnis, aber auch Ärger, reagieren die Nutzer auf Facebook auf die Tatsache, dass auch der Restaurantbesuch künftig mehr kostet. „Es ist schade, dass die Preise derart steigen. Doch man muss auch verstehen, dass in einem Schnitzel mit Beilagen nicht nur der Warenwert steckt“, schreibt ein User.

Facebook-Nutzer enttäuscht und sauer – „wird niemand mehr überleben können“

Eine Nutzerin, die laut eigener Aussage selbst in der Branche tätig ist, schreibt: „Ganz ehrlich, momentan gehe ich ungern zur Arbeit, weil über die Nacht die Kiste Tomaten gleich mal drei Euro teurer geworden ist.“ Auch ihre Kunden seien genervt und sauer. Sie ist sicher: „Wenn das so weitergeht, wird niemand mehr überleben können.“

Der Beitrag einer anderen Nutzerin zu der Thematik löst auf Facebook besonders viele Reaktionen aus. Sie schreibt: „Für viele wird es in Zukunft nicht mehr möglich sein, sich einen Restaurantbesuch zu leisten. Wenn man für zwei Personen circa 35 Euro oder mehr für ein normales Mittagessen hinlegen muss, dann werden sich das in Zukunft die Leute zweimal überlegen.“ Eine Aussage, der viele User zustimmen und die zeigt: Das Thema steigender Energie- und Lebensmittelpreise wird die Menschen noch eine Weile beschäftigen. Erst recht, wenn es immer mehr Lebensbereiche betrifft.

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