Träumen eine Chance geben

Milad Fathi kam als Flüchtling und ist jetzt mit eigenem Friseursalon erfolgreich

Milad Fathi bedient eine Kundin
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Milad Fathi liebt seinen Beruf über alles und sorgt dafür, dass sich jeder seiner Kunden rundum wohlfühlt.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Milad Fathi kam 2016 als Flüchtling aus dem Iran nach Deutschland. Vor wenigen Monaten hat er einen eigenen Friseursalon in Heilbronn eröffnet, der schon jetzt zahlreiche Stammkunden hat.

Heilbronn - Angenehme Musik, ansprechendes Interieur und ein herzlicher, an Menschen interessierter Inhaber: Das alles erwartet Kunden des Friseursalons von Milad Fathi, der vor wenigen Monaten in Heilbronn-Sontheim eröffnet hat. Der 29-Jährige lebt seinen Beruf mit Leidenschaft. Die perfekt abgestimmte Einrichtung seines Ladens offenbart seinen Blick fürs Detail.

Gäste in Fathis Salon sollen sich rundum wohlfühlen. Statt seine Kunden schnell abzufertigen, nimmt er sich Zeit für jeden einzelnen und bietet ihnen eine umfassende Beratung. Schon innerhalb kurzer Zeit nach seiner Eröffnung im November 2021 hat sich der Salon einen Bekanntheitsgrad in der Stadt aufgebaut - und weit darüber hinaus. „Wir haben schon jetzt Stammkunden und einige Neukunden, die über Empfehlungen zu uns kommen“, sagt Fathi im Gespräch mit BW24. Aktuell arbeitet er im Salon zu zweit mit einem Geschäftspartner, bald möchte er eine erste Auszubildende einstellen.

Aperol und M‘ & M‘s: Kunden erhalten bei Mirad Fathi das Gesamtpaket an Verwöhnung. Das Kunstwerk an der Wand stammt von einer befreundeten Künstlerin.

Milad Fathi: „Für mich war es die richtige Zeit, um einen Laden zu eröffnen“

Der Traum, sich selbständig zu machen, schwirrte Fathi schon lange im Kopf herum. Dass er den Laden in der Sontheimer Straße 57 gefunden hat, war für ihn Schicksal. „Ich wohne hier in der Nähe und lief an dem leerstehenden Laden vorbei, der zur Vermietung ausgeschrieben war“, sagt er. Sofort fand er Gefallen an der Idee, die Räumlichkeiten zu renovieren.

Da der Vermieter direkt gegenüber wohnt, konnte Fathi den Laden direkt besichtigen. Kurze Zeit später war die Sache geritzt und der Mietvertrag unterschrieben. „Die Corona-Lage hatte sich zu dem Zeitpunkt etwas beruhigt - für mich war es genau der richtige Moment, um einen Laden zu eröffnen.“ Innerhalb eins Monats renovierte Fathi gemeinsam mit Freunden den gesamten Laden. Wände mussten abgerissen, neue Strom- und Wasserleitungen verlegt und der Boden laminiert werden.

Wohlfühloase auf 110 Quadratmetern: Milad Fathis Friseursalon in der Sontheimer Straße 57.

Milad Fathi: „Meine Familie ist froh, dass ich in Sicherheit bin“

Angesichts seiner positiven Ausstrahlung würde man nicht vermuten, dass Fathi es vor ein paar Jahren, als er nach Deutschland kam, sehr schwer hatte. Aus Glaubensgründen flüchtete er 2015 aus dem Iran, wo seine Familie heute noch lebt. „Als ich noch in Teheran gelebt habe, habe ich mich politisch engagiert und an Demos teilgenommen.“ Seine Familie, mit der er täglich telefoniert, ist beruhigt, dass er mittlerweile aus dem Land geflohen ist. „Sie sind froh, dass ich in Sicherheit bin.“

Nachdem er in Teheran bereits eine Friseurausbildung absolviert hatte, engagierte sich Fathi in seiner Zeit in der Türkei sozial und schnitt Obdachlosen die Haare. Zudem kümmerte er sich in Izmir um Straßenhunde. „Ich nahm mir Zeit, zu entscheiden, wie es weitergeht.“ Freunde hätten ihn schließlich ermutigt, 2016 nach Deutschland zu gehen.

Milad Fathi: Ausbildung war die schwierigste Zeit seines Lebens

Zunächst kam Fathi in einem Flüchtlingsheim in Bretzfeld (Hohenlohekreis) unter. Bereits zwei Monate später begann er eine Friseurausbildung, bei der ihm Teile seiner Ausbildung im Iran angerechnet wurden. Ein halbes Jahr nach seiner Ankunft in Deutschland zog Fathi in eine eigene Wohnung. „Bei einem Ausbildungsgehalt von 350 Euro musste ich eine Wohnung von 300 Euro finanzieren“, sagt er. Am Wochenende ging er putzen und nutzte das Trinkgeld, um die Miete zu stemmen. „Es war die schwierigste Zeit meines Lebens.“

Milad Fathi betreibt seit Ende 2021 seinen Premium-Friseursalon - und fühlt sich im Sontheim, etwas abseits des Zentrums, sehr wohl.

Weil er keine Zeit für einen Deutschkurs hatte, brachte sich Fathi die Sprache komplett selbst bei. 2020, vier Jahre nach seiner Ankunft, absolvierte er seinen Friseur-Meister und arbeitete in verschiedenen Salons. Ganz ohne Risiko sei die Eröffnung seines eigenen Salons nicht gewesen, wie er erklärt: „Gewerbetreibende, die ihr Gewerbe nach April 2020 angemeldet haben, erhalten im Falle von erneuten Schließungen aufgrund von Corona keine Überbrückungshilfe.“ Umso mehr freut er sich, dass es seit seiner Eröffnung keinen Lockdown mehr gegeben hat.

Optimistischer Blick in die Zukunft: „Wenn der Weg einfach wäre, würde ihn jeder gehen“

Was Fathi von vielen seiner Berufskollegen unterscheidet: Er brennt für seinen Job. „Ich wollte nie etwas anderes machen“, sagt er. In seiner Arbeit hat er sich im Rahmen einiger Weiterbildungen auf Balayage, Babylights und andere Farbtechniken spezialisiert. Sein Konzept des Premium-Salons soll sich von denen der massig vorhandenen Discounterfriseuren abheben. Die Haarprodukte im Laden sind vegan und können auf Wunsch in mitgebrachten Flaschen abgefüllt werden. Auch Hunde sind im Salon immer willkommen.

Auf die Frage, wie er sein Herzensprojekt trotz schwieriger Umstände stemmen konnte, antwortet Fathi: „Wenn man nur an die Vergangenheit denkt, kommt man nicht weiter.“ Für ihn sei es stets wichtig gewesen, optimistisch in die Zukunft zu blicken und flexibel zu sein. Auch sein Glaube gibt ihm Halt im Leben. 2016 hat er sich in Deutschland taufen lassen und konvertierte zum Christentum. Inzwischen besucht er regelmäßig eine Freikirche. „Gott war in den vergangenen Jahren immer bei mir“, ist er sich sicher. Sein Erfolgsrezept: Ab und zu auch mal ein Risiko in Kauf nehmen und seinen Träumen eine Chance geben. „Wenn der Weg einfach wäre, würde ihn jeder gehen.“

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