Inakzeptabel und unwürdig

„Miese Hu...“: Freiburger Politiker beim Schwarzfahren erwischt - Facebook-Post löst Shitstorm aus

Ein Schaffner kontrolliert am 14.04.2010 in Düsseldorf die Fahrkarte eines Bahnkunden.
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Fahrkartenkontrolle bei der Deutschen Bahn
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Ein Politiker aus Freiburg im Breisgau fuhr ohne Ticket mit einer Tram und wurde erwischt. Auf Facebook beschwerte er sich drastisch über die Kontrolleure und löste damit einen Shitstorm aus.

Freiburg - Im Verkehr in Stuttgart und den anderen großen Städten in Baden-Württemberg gehören S-Bahnen und Trams zum Stadtbild. Die Verkehrsmittel werden täglich von Tausenden Menschen verwendet. In den vergangenen Jahren stiegen die Preise für die Fahrscheine kontinuierlich an - beispielsweise auch in der Landeshauptstadt Stuttgart.

Die Kontrolleure können in den großen Städten nicht in jeder Bahn kontrollieren, erwischen aber immer wieder Schwarzfahrer durch Stichproben. In Freiburg (Breisgau) wurde ein Politiker der Fraktionsgemeinschaft Jupi (Junges Freiburg, Urbanes Freiburg, Die Partei, Liste Teilhabe Inklusion) in einer Tram kontrolliert - er hatte kein gültiges Ticket.

Sergio Pax, einer der Stadträte von Freiburg, wollte die Kontrolle nicht einfach hinnehmen und machte seine Wut in einem Post auf Facebook deutlich. Der Beitrag mit drastischen Beleidigungen an die Kontrolleure löste in den Kommentaren einen Shitstorm aus. Pax löschte den Post wenig später. Kurz darauf entschuldigte sich der Politiker nach Angaben der BZ und trat als Aufsichtsrat der Stadtwerke Freiburg zurück.

Freiburg: Politiker wird beim Schwarzfahren erwischt und beschwert sich - „miese Hurensöhne“

Laut Angaben der BZ fuhr Stadtrat Sergio Pax am Freitag, dem 9. Oktober, in Freiburg mit einer Tram. Bei einer Kontrolle bemerkten die Kontrolleure, dass die Regiokarte des Politikers bereits am Vortag abgelaufen war. Pax wurde daraufhin ein Bußgeld auferlegt. In dem Facebook-Post kritisierte der Politiker die Kontrolle und nannte die Mitarbeiter der VAG (Freiburger Verkehrs-AG) „miese Hurensöhne“, wie die BZ berichtete. Die meisten Facebook-Nutzer fanden die Wortwahl inakzeptabel und eines Stadtrats unwürdig.

Auch Freiburgs Bürgermeister Stefan Breiter, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der VAG ist, kritisierte die Worte. „Ich schäme mich dafür und entschuldige mich für solche Entgleisungen“, sagte Breiter am Sonntag nach Angaben der BZ.

Inzwischen hat sich auch Pax selbst für den Post und die Wortwahl entschuldigt. „Ich hatte meine Emotionen nicht unter Kontrolle und habe damit Menschen verletzt“, schrieb er in einem weiteren Facebook-Beitrag. „Das sollte man als Mensch nicht tun und schon gar nicht als Person des öffentlichen Lebens“. Im selben Post kündigte der Politiker seinen Rücktritt an. „Ich werde von meinem Aufsichtsratsposten bei den Stadtwerken zurücktreten und hoffe, das wird als Zeichen der Entschuldigung verstanden“.

Facebook-Post nach Kontrolle in Freiburg: Partei distanziert sich von Politiker

Nach dem kontroversen Facebook-Post von Politiker Sergio Pax aus Freiburg distanzierte sich auch die Fraktionsgemeinschaft Jupi von den Aussagen. „Weder im Inhalt noch im Ton, weder auf Social-Media-Plattformen noch in Zeitungsartikeln ist ein solches Auftreten für uns akzeptabel“, hieß es laut der BZ in der Stellungnahme. „Wir erwarten von unseren Stadträten ein öffentliches Auftreten, das sich der Reichweite unserer Aussagen und der damit einhergehenden Verantwortung bewusst ist“.

Vor seiner Entschuldigung am Sonntag, den 11. Oktober, hatte Pax am Tag zuvor noch Kulanz gegenüber Schwarzfahrern gefordert, wie die BZ berichtete. „Mir erschließt sich der moralische Kompass eines Fahrkartenkontrolleurs nicht“, sagte der Politiker auf Anfrage der Zeitung. „Die meisten Leute, die sie erwischen, haben andere Probleme. Man kann auch ein bisschen kulant sein“.

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