Erzbistum Freiburg fordert

Umstrittene Büste eines Judenhassers in Freiburg sorgt für Streit - Behörde verweigert den Abbau

Büste von Alban Stolz vor der Konviktskirche in Freiburg
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Das Denkmal des Antisemiten Alban Stolz in Freiburg soll abgebaut werden - doch der Denkmalschutz verbietet das
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Seit der „Black Lives Matter“-Bewegung stehen viele Denkmäler historischer Persönlichkeiten mit zweifelhafter Vergangenheit in der Kritik. In Freiburg wird seit einiger Zeit ein ähnlicher Fall diskutiert. Es handelt sich um das Denkmal eines bekennenden Antisemiten.

  • Im Auftrag der Stadt Freiburg prüfte eine wissenschaftliche Komission alle Straßennamen auf den historisch belasteten Hintergrund ihrer Namensgeber. Die Alban-Stolz-Straße wird nun umbenannt.
  • Eine Bronzebüste des bekennenden Antisemiten Alban Stolz steht nun ebenfalls in der Kritik. Die Denkmalschutzbehörde lehnte einen Abbau jedoch ab.
  • Seit der Bewegung „Black Lives Matter" stehen Denkmäler von umstrittenen historischen Persönlichkeiten auf der ganzen Welt in der Kritik.

Bühl/Freiburg - Mehr als hundert Jahre ist es her, dass eine Bronzebüste zu Ehren von Alban Stolz vor der Konviktskirche in Freiburg aufgestellt wurde. Seitdem erhielten auch eine Straße, eine Kindertagesstätte und ein katholisches Studentenwohnheim den Namen des Theologen und Schriftstellers. Einige der Einrichtungen in Freiburg wurden inzwischen wieder umbenannt. Warum? Bei Alban Stolz handelte es sich um ein einen bekennenden Antisemiten.

Zahlreiche Schriftstücke und Volkskalender mit hetzerischem Inhalt gehen auf den Publizisten aus dem 19. Jahrhundert zurück. Mit abwertenden Begriffen wie „Ratten“, „Ungeziefer“ oder „Maden" betitelte Alban Stolz seine jüdischen Mitbürger und nährte damit den ohnehin weit verbreiteten Antisemitismus und Rassismus seiner Zeit. Damit erfüllte der Theologe aus Freiburg genügend Kriterien, die eine wissenschaftliche Kommission zur Überprüfung der Straßennamen in Freiburg mehr als ein Jahrhundert später für ihre Bewertung heranzog.

Freiburg: 12 Straßennamen werden geändert - Alban-Stolz-Straße ist eine davon

Als erste Stadt in Deutschland ließ Freiburg ab 2012 jede der rund 1.300 Straßennamen in Bezug auf die historische Vorbelastung ihrer Namensgeber überprüfen. In ihren 2016 veröffentlichten Ergebnissen empfahl die Kommission die Umbenennung von insgesamt 12 Straßennamen. Heute, fast vier Jahre später, haben bereits zehn davon einen neuen Namen erhalten - die Alba-Stolz-Straße in Freiburg soll nun folgen. In dem Gutachten der Kommission hieß es, dass die Veröffentlichungen des umstrittenen Theologen „Hunderttausende, wenn nicht sogar Millionen Leser“ anitsemitisch beeinflusst hätten.

Nachdem die Umbenennung der Alban-Stolz-Straße endgültig beschlossene Sache ist, gibt es eine weitere Diskussion um das Denkmal des umstrittenen Theologen vor der Konviktskirche in Freiburg. Laut Südwestrundfunk seien sich sowohl der Freiburger Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach als auch Michael Hertl vom Erzbistum Freiburg einig, dass die Büste weg müsse. Das Problem: Der Antrag des Erzbischöflichen Bauamts zum Abbau beziehungsweise zur Versetzung der Bronzebüste wurde von der Denkmalschutzbehörde abgelehnt.

Dies begründete die Behörde mit dem Denkmalschutzgesetz, wonach aus „wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse“ an der Büste bestehe. Die Büste stammt von dem Bildhauer Emil Stadelhofer. Wie das Konradsblatt berichtet, habe das Erzbistum gegen die Entscheidung der Denkmalschutzbehörde Einspruch erhoben. Die Stadt Freiburg habe zudem mitgeteilt, sie würde die Abbaupläne der Büste begrüßen. Der Streit um das Denkmal von Alba Stolz dürfte also noch nicht so bald beendet sein.

Diskussion um umstrittene Denkmäler: Auch in Stuttgart wird wegen eines rassistischen Symbols in einem Stadtwappen diskutiert

Die Diskussion um die Bronzebüste von Alban Stolz in Freiburg ist nur eine von vielen, wie sie zur Zeit auf der ganzen Welt aufkommen. Insbesondere in Folge der Bewegung „Black Lives Matter“ stehen viele Denkmäler von zweifelhaften beziehungsweise negativ vorbelasteten historischen Persönlichkeiten in der Kritik. Während einer Demonstration in Bristol in Groß-Britannien holten die Protestierenden die Statue von Edward Colston von ihrem Sockel und versenkten sie im Hafenbecken. Als Mitglied der Königlich-Afrikanischen Gesellschaft hatte Colston im 17. und 18. Jahrhundert Tausende Menschen in die Sklaverei geschickt.

In Baden-Württemberg kam es in Stuttgart erst kürzlich ebenfalls zu einem öffentliche Aufbegehren, infolgedessen eine Petition ins Leben gerufen wurde, die mittlerweile mehr als 10.000 Unterschriften gesammelt hat. Sie richtet sich gegen das Stadtwappen von Stuttgart-Möhringen, welches ein Symbol mit der klischeehaften Darstellung einer dunkelhäutigen Person enthält. Die Petition fordert, das rassistische Symbol aus dem Wappen zu entfernen.

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