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Freiburger Buchhandlung hängt „Maske auf, Nazis raus“-Schild auf - und wird heftig beschimpft

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Von: Julian Baumann

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Außenansicht der Buchhandlung „Jos Fritz“ in Freiburg.
Weil sich eine Freiburger Buchhandlung deutlich gegen Maskenverweigerer und Rechte positionierte, hagelte es auf Google schlechte Bewertungen. © Bernd Schumacher

Ein Buchladen in Freiburg positionierte sich deutlich gegen Nazis und Maskenverweigerer. Auf Google hagelte es daraufhin schlechte Bewertungen.

Freiburg - Die Lage spitzt sich aufgrund der Omikron-Variante des Coronavirus in Baden-Württemberg in diesem Winter wieder deutlich zu. Die Einzelhändler im Südwesten müssen sich seit einiger Zeit immer wieder mit Personen auseinandersetzen, die die geltenden Regeln nicht akzeptieren wollen. Zunächst galt im Einzelhandel die sogenannte 3G-Regelung, Besucher, die weder geimpft noch genesen waren, mussten einen negativen Corona-Test nachweisen. Inzwischen gilt in vielen Bereichen die 2G oder sogar 2G+-Regelung. Ungeimpfte erhalten demnach überhaupt keinen Zutritt mehr und auch Geimpfte müssen einen Test nachweisen, wenn sie die Boosterimpfung noch nicht haben. Händler wurden deshalb bereits von Impfgegnern attackiert.

Seit dem Beginn der Corona-Krise in Baden-Württemberg kommt es immer wieder zu Protesten gegen die Maßnahmen zum Infektionsschutz. In den vergangenen Monaten haben sich diese Demonstrationen zunehmend auf den Protest gegen das Impfen oder eine Impfpflicht verlagert. Am vergangenen Samstag fand in Freiburg im Breisgau ebenfalls eine solche Demonstration statt. Eine Buchhandlung in der Stadt positionierte sich mit einem Schild deutlich und wurde daraufhin im Netz heftig beschimpft, berichtet die Badische Zeitung. Der Shitstorm ging offenbar von einem rechten YouTuber aus.

Freiburg: Buchladen mit klarer Aussage - „Maske auf, Nazis raus“

In der seit beinahe zwei Jahren andauernden Corona-Krise kam es bei den Demonstrationen immer wieder zu fragwürdigen Vergleichen und rechtsextremen Parolen. Ein Politiker aus Baden-Württemberg verglich den Lockdown mit einem KZ. Die „Querdenken“-Bewegung, die für viele Demos im Land verantwortlich zeichnet, wird inzwischen bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtet. Da bei den Protestaktionen nicht selten Gegner der Corona-Maßnahmen und solche mit rechtem oder rechtsextremen Gedankengut nebeneinander marschieren, hatte Buchhändlerin Jana Kling von der Buchhandlung Jos Fritz in Freiburg eine spontane Idee.

Bei der Demonstration am vergangenen Samstag hängte sie ein Schild mit der Aufschrift „Maske auf, Nazis raus“ an ihr Ladenfenster. Damit wollte sie ein deutliches Zeichen setzen. „Das Statement war natürlich verkürzt, aber die Botschaft doch klar: Bei euch laufen Rechte mit, distanziert euch von denen“, erklärte Jana Kling der Badischen Zeitung. Ein Bild des Schaufensters inklusive des Schildes stellte die Freiburger Buchhandlung auch auf ihre Facebook-Seite. Daraufhin hagelte es auf Google schlechte Bewertungen, zu denen laut der Badischen Zeitung ein rechter YouTuber aufgerufen hatte. „Wir hatten über die Jahre eine zweistellige Zahl von Bewertungen gesammelt“, so Kling. „Und plötzlich hatten wir mehrere Hundert.“

Buchladen hängt Schild ab - „wollen nicht nur mit diesem Plakat in Verbindung gebracht werden“

Die vielen negativen Bewertungen für die Buchhandlung in Freiburg wurden laut der Badischen Zeitung vom rechtsextremen Verschwörungs-YouTuber „Aktivist Mann“ angestachelt. Er habe am Sonntagnachmittag auf der Plattform „Telegram“ geschrieben: „Menschenverachtender Laden könnte konstruktive Google Rezensionen gebrauchen.“ Auf Nachfrage der Zeitung, wie Google denn mit solchen falschen Bewertungen umginge, löschte der Konzern die Bewertungen innerhalb kürzester Zeit. „Wenn wir von Richtlinienverstößen erfahren, entfernen wir nicht nur Inhalte, die gegen Richtlinien verstoßen, von unserer Plattform, sondern sperren und löschen auch Konten, die mit Missbrauch verbunden sind“, erklärte eine Sprecherin.

Neben den schlechten Bewertungen auf Google habe es auch einige Scherzanrufe und telefonische Beschimpfungen in der Freiburger Buchhandlung gegeben. Das Schild hat der Laden inzwischen wieder abgehangen und bittet auch darum, Bilder des Schaufensters mit dem Schild nicht zu veröffentlichen. „Wir wollen nicht nur mit diesem Plakat in Verbindung gebracht werden“, sagte Buchhändlerin Tina Bolg auf Anfrage von BW24. „Aber wir stehen natürlich weiterhin hinter der Aussage.“

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