Verwirrende Regeln

8.000 Autos geblitzt: Tempo-30-Zonen in Freiburg bringen Fahrer zur Verzweiflung

  • Valentin Betz
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Immer mehr Städte haben Tempo-30-Zonen. Bei den Autofahrern sind sie nicht gerade beliebt - besonders, wenn dort geblitzt wird. In Freiburg ist eine Straße dafür berüchtigt.

Freiburg - Die Deutschen lieben es, schnell zu fahren. Auf der ganzen Welt ist Deutschland für seine Autobahnen ohne Tempolimit bekannt. Doch überall, wo die Geschwindigkeit begrenzt ist, sollten Autofahrer aufpassen. Wer geblitzt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen oder ist sogar den Führerschein los.

So erging es Mitte August einer 64-Jährigen auf der A8 Richtung Stuttgart. Die Mercedes-Fahrerin war zu schnell auf der Autobahn und kassierte 1.370 Euro Bußgeld. Dazu muss sie drei Monate ihren Führerschein abgeben und bekommt zwei Punkte in Flensburg. Ein anderer Fall aus Stuttgart hatte Anfang September gezeigt, wie kompliziert die Vergabe von Bußgeldern in Deutschland ist. In der Waiblinger Innenstadt war ein 22-Jähriger mit über 100 Kilometern pro Stunde unterwegs. Der Youtuber JP Kraemer hatte für eine noch höhere Geschwindigkeit innerorts allerdings dieselbe Strafe erhalten - eine Gesetzeslücke machte das möglich.

Auch in Freiburg mehrten sich zuletzt die Bußgeldbescheide aufgrund von überhöhter Geschwindigkeit innerorts. Das hat mit den zunehmenden Tempo-30-Zonen in der Stadt zu tun. Die gelten auf manchen Straßenabschnitten nämlich nicht durchgängig, wodurch Autofahrer aus Verwirrung wiederholt zu schnell unterwegs sind.

Tempo-30-Zonen in Freiburg: Regelungen sorgen dafür, dass massenhaft Autofahrer geblitzt werden

Mitte Juli bekamen etwa 100.000 Autofahrer in Baden-Württemberg eine gute Nachricht: Ihre Bußgelder und Fahrverbote wurden unrechtmäßig verhängt. Wegen eines Formfehlers wurde eine neue Verordnung mit strengeren Regeln ungültig, 1.000 Autofahrer bekamen deshalb sogar den Führerschein zurück. Temposünder in Freiburg können sich auf eine solche Ausnahme allerdings nicht verlassen. Fast 8.000 Autofahrer wurden innerhalb von vier Monaten in einer Straße geblitzt. Schuld daran sind verwirrende - aber gültige - Verkehrsregeln.

Denn auf der Hansjakobstraße gilt zwar Tempo 30. Allerdings weisen wiederholt Schilder auf den Zusatz „22-6 Uhr" hin, wie die Badische Zeitung berichtet. Wer abseits dieses Zeitraums schneller als 30 fährt, wird aber unter Umständen trotzdem geblitzt - auf der Straße kommen immer wieder Abschnitte, wo rund um die Uhr Tempo 30 gilt. Seitdem auf der Straße in Freiburg ein stationärer Blitzer installiert ist, überschritten 7.771 Fahrer das Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde. Davor wurden bereits 150 Autofahrer mit mobiler Überwachung geblitzt.

Freiburg plant weitere Tempo-30-Zonen: Lärmschutz und öffentliche Einrichtungen als Grund

Die Hansjakobstraße ist in Freiburg bei weitem kein Einzelfall. Die Stadt gibt laut Badischer Zeitung verschiedene Gründe für Tempo-30-Zonen an. In zehn Straßen gilt wegen Kitas, Schulen oder Seniorenheimen zu festgelegten Zeiten eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Weitere 26 Straßen erlauben zwischen 22 und 6 Uhr nur 30 Kilometer pro Stunde, um die Lärmbelastung für Anwohner zu minimieren.

Ein Ende der Tempo-30-Zonen ist indes nicht in Sicht. Die Stadt Freiburg zieht weitere Zonen in Betracht. Dabei dürfen Städte wie Freiburg solche Zonen nicht willkürlich einrichten: Generell gilt innerorts eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde. Eine Tempo-30-Zone braucht hingegen einen guten Grund - wie zum Beispiel Lärmschutz oder eine angrenzende Kita. Die Straßenverkehrsordnung verbietet sogar flächendeckend Tempo 30.

Rubriklistenbild: © Daniel Karmann/dpa

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