Gedenken an Reichspogromnacht

„Hätte nicht passieren dürfen“: Polizei in Freiburg entschuldigt sich nach Einsatz auf Platz der Synagoge

  • Valentin Betz
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In Freiburg kam bei einer Protestaktion auch eine Reiterstaffel zum Einsatz. Deren Pferde tranken aus einem Gedenkbrunnen - weshalb die Polizei sich entschuldigte.

Freiburg - Freiburg ist die viertgrößte Stadt in Baden-Württemberg - gilt aber trotzdem als beschaulich und ist vor allem für schönes Wetter bekannt. Zuletzt machte die Stadt im Breisgau allerdings aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg Schlagzeilen.

Eine Tanzparty mit 200 Menschen in Freiburg sorgte für Empörung - die Veranstalter hatten sie als Demo angemeldet. Im Zuge der Black-Lives-Matter-Bewegung rückte Freiburg zudem wegen eines seiner Denkmäler in den Fokus. Die Büste eines Judenhassers in Freiburg sorgte für Streit, weil die Behörde den Abbau verweigerte. Das Problem: das Abbild des Antisemiten Alban Stolz steht unter Denkmalschutz.

Kurz vor dem Gedenktag an die Reichspogromnacht erregte jetzt die Polizei unfreiwillig Aufsehen in Freiburg. Wie die Badische Zeitung (BZ) berichtet, hatten Pferde der Reiterstaffel aus einem Gedenkbrunnen getrunken.

Einsatz wegen Protestaktion in Freiburg: Polizei rückt mit Reiterstaffel an

Eigentlich war die Polizei in Freiburg wegen einer Protestaktion auf dem Platz der Alten Synagoge angerückt. Bereits am vergangenen Samstag hatten Klima-Aktivisten dort einen Baum mit hölzernen Plattformen besetzt. Damit demonstrierten sie gegen den Bau der A49 in Hessen.

Bei einem Einsatz in Freiburg tranken Pferde aus einem Gedenkbrunnen - die Polizei entschuldigte sich dafür (Symbolbild).

Bis Sonntagnacht harrten die Aktivisten auf dem Platz der Alten Synagoge in Freiburg aus, dann beendeten sie nach Gesprächen mit der Polizei die Aktion, so die BZ. Der Hauptgrund war wohl die Rücksichtnahme auf den Gedenktag an die Reichspogromnacht am 9. November, die Klima-Aktivisten kritisierten laut BZ aber auch den „unverhältnismäßigen Polizeieinsatz mit Hunden und Hamburger Gittern“.

Obwohl die Auflösung der Protestaktion ohne weitere Probleme verlief und die Polizei den Einsatz laut BZ als „nicht konfliktiv“ beschreibt, wurden die Beamten vor Ort aber von einer Reiterstaffel aus Mannheim unterstützt. Diese war tags darauf auch der Anlass, weshalb sich die Polizei zu einer Entschuldigung genötigt sah.

Einsatz in Freiburg vor dem Gedenktag an die Reichspogromnacht: Pferde trinken aus Gedenkbrunnen

Denn auf dem Platz der Alten Synagoge steht ein Gedenkbrunnen, den die Pferde der Reiterstaffel offenbar nutzten, um während des Einsatzes ihren Durst zu löschen. Zudem hatten Beamte der Polizei Flatterband zum Absperren an den Infotafeln der Gedenkstätte angebracht. In einem Facebook-Post entschuldigte sich die Freiburger Polizei dafür.

„Das hätte nicht passieren dürfen“, so der Freiburger Polizeivizepräsident Matthias Zeiser. „Zurecht darf die Gesellschaft die Erwartungshaltung an uns als Polizeipräsidium Freiburg haben, dass Respekt und Toleranz stets unser Handeln leiten. Dass dies in den dargestellten zwei Ereignissen nicht der Fall war, entspricht ausdrücklich nicht unserem Selbstverständnis und unseren Leitbildern.“ Es werde intern eine Nachsensibilisierung geben, damit sich das nicht wiederhole.

Auf Facebook erhält die Polizei indes viel Rückendeckung. „Auch wenn ich persönlich das Ganze, ehrlich gesagt, nicht so problematisch finde, ist es schön, dass die Polizei da sensibel reagiert und sowas offen adressiert“, schreibt ein Nutzer etwa. Viele verstehen die Aufregung über die Pferde der Reiterstaffel nicht. Ein Kommentar lautet: „Was ist daran respektlos, wenn ein Pferd aus einem Brunnen trinkt?“

Rubriklistenbild: © picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa

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