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Forstkammer: Wälder im Südwesten nicht auf Brandgefahr vorbereitet

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Ein Forstamtsmitarbeiter bewässert junge Bäume auf einer Waldlichtung bei Heidelberg. Foto: Uwe Anspach/dpa
Ein Forstamtsmitarbeiter bewässert junge Bäume auf einer Waldlichtung bei Heidelberg. Die Trockenheit und Hitze setzt den heimischen Wäldern zu. © Uwe Anspach

Brände in Spanien, in Frankreich, in der Sächsischen Schweiz und immer wieder auch vor allem in der Region rund um Karlsruhe. Der heiße und überaus trockene Sommer ist zur Feuersaison geworden. Aber ist Baden-Württemberg genug vorbereitet, um die Wälder zu schützen?

Karlsruhe (dpa/lsw) - Angesichts der anhaltenden Trockenheit und steigenden Waldbrandgefahren in den kommenden Jahren muss sich Baden-Württemberg aus Sicht der Forstkammer besser für mögliche Waldbrände wappnen. «Unsere Wälder sind nicht auf diese Gefahr vorbereitet», sagte Jerg Hilt, der Geschäftsführer der baden-württembergischen Forstkammer. Neben einer regionalen Risikoanalyse sei es wichtig, auch weiter verstärkt klimastabile Mischwälder anzubauen. «Wir müssen zusehen, dass wir die richtige Baumart an den richtigen Standort stellen», sagte Hilt der dpa. Es gelte zudem, die Feuerwehr besser für den Kampf gegen Waldbrände auszustatten, Abläufe bei der Brandbekämpfung einzuüben, Brunnen auszuheben und Löschteiche anzulegen.

«Das ist alles ein enormer Aufwand. Aufgrund der Historie gibt Baden-Württemberg bislang allerdings nicht viel Geld aus für die Brandbekämpfung im Forst», sagte Hilt weiter. «Das wird sich in den kommenden Jahren sicher ändern müssen.» Er setzt ebenso wie das Land auch auf neue Kooperationen und eine stärkere Zusammenarbeit von Forstbesitzern, Feuerwehr und Politik. Ein gutes Beispiel sei die Modellregion für das Waldbrandmanagement im Hardtwald in der nördlichen Rheinebene zwischen Ettlingen und Heidelberg. Dort werden in enger Zusammenarbeit von Praxis und Wissenschaft zwischen Feuerwehr, Forst und weiteren Akteuren Verfahren und Konzepte entwickelt, erprobt und eingeübt.

Baden-Württemberg trage zwar als Region mit viel Regen bislang ein vergleichsweise geringes Risiko, sagte Hilt weiter. «Aber es ist wichtig, dass wir die Waldgebiete rüsten für die Zeit, in der das Risiko für Brände durch den Klimawandel steigt.» Die Buchenrinde sei zum Beispiel zu dünn. «Da braucht es nicht lange und schon ist der Baum kaputt.»

Wegen der langanhaltenden Trockenheit sorgen sich vor allem Waldbesitzer. Im Großraum Karlsruhe war die Feuerwehr nach mehreren Bränden in den vergangenen Tagen alarmiert, auch in anderen Regionen hat die Zahl der Flächen- und der Waldbrände zuletzt deutlich zugenommen. Nach Angaben Hilts zählten die Waldbesitzer in den vergangenen zehn Jahren bislang rund 370 Feuer. Es wurden in dieser Zeit mehr als 90 Hektar Wald zerstört, das entspricht der Größe von ungefähr 126 Fußballfeldern.

Zur Frage des Waldbrandrisikos wollen sich am Dienstag (11.00 Uhr) in Stuttgart auch der Landeswaldverband und der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) äußern.

Baden-Württemberg zählt mit rund 1,4 Millionen Hektar zu den waldreichsten Ländern in Deutschland. Nahezu 38 Prozent der Landesfläche sind bewaldet, davon gehören rund 40 Prozent den Kommunen und Gemeinden. Weitere 36 Prozent sind in Besitz Privateigentümern, rund 24 Prozent gehören dem Land Baden-Württemberg.

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