Dort herrschen 500 Grad

Forscher entdecken schnellsten Asteroiden im Sonnensystem - er ist 500 Grad heiß

Ein Solar Orbiter kreist um die Sonne.
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Astronomen haben einen Asteroiden entdeckt, der die Sonne umkreist. Mit einer Breite von etwa einem Kilometer ist er relativ klein. (Symbolbild)
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Ein Team aus Astronomen hat einen bisher unbekannten Asteroiden entdeckt, der unsere Sonne in nur 113 Tagen umkreist.

Washington D.C. - Vor 52 Jahren betrat der erste Mensch den Mond. Seither kann die Wissenschaft auf viele Entdeckungen zurückblicken. So zeichnete etwa die NASA-Sonde „Voyager 1“ 23 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt ein unheimliches Brummen auf. Jede neue Erkenntnis gibt der Menschheit weitere Aufschlüsse über die Weiten der Galaxie. Nun haben Forscher eine neue Entdeckung gemacht: einen neuen Asteroiden namens 2021 PH27.

Scott S. Sheppard machte das Gestirn auf Aufnahmen von Ian Dell‘Antonio und Shenming Fu von der Brown University aus. Der Asteroid hat das kürzeste Jahr aller anderen bekannten Asteroiden. Er umkreist die Sonne in nur 113 Tagen. Das einzige bekannte Objekt auf einer schnelleren Umlaufbahn ist der innerste Planet, Merkur.

Wie IFLScience berichtet, befindet sich der Asteroid in einer exzentrischen Umlaufbahn, die näher an die Sonne herangeht als der Merkur, sich dann aber weiter entfernt als die Venus. Das Besondere an der Entdeckung des Gestirns: Aufgrund seiner Nähe zur Sonne und aufgrund deren Masse verschieben sich die Umlaufbahnen des Asteroiden nach den Gesetzen der Allgemeinen Relativitätstheorie. 2021 PH27 ist somit das Objekt des Sonnensystems, das die größten Beispiele für einen solchen relativistischen Effekt erfährt.

Leben ist auf dem Asteroiden nicht möglich

Leben ist auf dem Asteroiden nicht möglich. „2021 PH27 kommt der Sonne so nahe, dass seine Oberflächentemperatur bei nächster Annäherung etwa 500 Grad erreicht, heiß genug, um Blei zu schmelzen“, sagte Entdecker Scott S. Sheppard in einer Erklärung. Andere Forscher berechneten den Zeitpunkt, an dem die Sonne die Welt zerstört: Die Erde schmilzt bei 1.000 Grad Hitze.

Da er sich in einer instabilen Umlaufbahn befindet, schätzt das Team, dass der Asteroid innerhalb weniger Millionen Jahre zerstört wird. Das kann auf verschiedene Arten passieren: Eine Kollision mit Merkur oder Venus oder etwa durch die Nähe zur Sonne könnte der Asteroid zerfallen. Die Sonne soll laut Forschern immer heißer werden, auf der Erde geht uns dadurch die Lust aus. Eine weiteres mögliches Ende des Asteroiden könnte bevorstehen, wenn das Gestirn aus seiner Umlaufbahn herausgeschleudert wird.

Auch zur Entstehung des Asteroiden haben die Forscher bereits Theorien. „Höchstwahrscheinlich wurde 2021 PH27 aus dem Hauptasteroidengürtel zwischen Jupiter und Mars entfernt und die Schwerkraft der inneren Planeten formte seine Umlaufbahn in seine aktuelle Konfiguration“, so Scott S. Sheppard. Möglich wäre laut dem Wissenschaftler aber auch, dass der Asteroid ein ausgestorbener Komet aus dem äußeren Sonnensystem ist, der sich zu nahe an einen der Planeten wagte und so in die Nähe des inneren Sonnensystems gelangte. Um den genauen Ursprung von 2021 PH27 zu klären, werden weitere Forschungen nötig sein.

Forscher haben den Asteroiden nur mithilfe von enger Zusammenarbeit entdeckt

Den Asteroiden überhaupt zu entdecken war für die Forscher schon eine Herausforderung. Denn Objekte, die so nah an der Sonne sind, sind nur sichtbar, wenn die Sonne untergeht oder aufgeht. Dell‘Antonio und Fu verwendeten extra ein leistungsstarkes Teleskop der National Science Foundation in Chile, um zu sehen, was sich in der Nähe der Sonne bewegen könnte. Entdeckungen aus dem Weltraum sind auch für Vorgänge auf der Erde wichtig. Die NASA warnte jüngst, dass der Mond seinen Zyklus ändert und es dadurch bis 2035 vermehrte Überflutungen gibt.

Den ersten Hinweis auf das Gestirn entdeckte Scott S. Sheppard bereits am 13. August. Es wurde in den nächsten Nächten von den chilenischen Observatorien sowie von Observatorien in Südafrika verfolgt, als die Wetterbedingungen im südamerikanischen Raum nicht ideal waren. Die endgültigen Beobachtungen aus Südafrika ermöglichten es dem Team, die Umlaufbahn von PH27 2021 zu berechnen.

Die Entdeckung des Asteroiden ist dem Teamwork der Forscher zu verdanken. „Wir sind so dankbar für alle unsere Mitarbeiter, die es uns ermöglicht haben, schnell auf diese Entdeckung zu reagieren“, sagt Scott S. Sheppard.

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