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„Fangfrischer Fisch“ aus dem Automaten: Norddeutscher bringt Rarität in Südwest-Kleinstadt

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Von: Sina Alonso Garcia

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Tim Grötzner vor Hilbis Fischkiste
„Hilbis Fischkiste“ wird jeden Mittwoch von Tim Grötzner mit frischen Fisch-Leckereien befüllt. © Tim Grötzner/privat

Im Pfedelbacher Ortsteil Gleichen steht seit kurzem ein Fisch-Automat. Der Ansturm war in den ersten Tagen so groß, dass die Produkte rasend schnell ausverkauft waren.

Pfedelbach - Frisch von der See direkt nach Baden-Württemberg: In Pfedelbach (Hohenlohekreis) steht im Ortsteil Gleichen seit dem 4. Februar ein Fisch-Automat. Kaum aufgestellt, waren sämtliche Produkte bereits nach vier Tagen ausverkauft. Offenbar haben die Nordlichter Tim Grötzner und sein Geschäftspartner Timo Hilbert mit ihrer Innovation im Schwabenländle voll ins Schwarze getroffen. „Die Resonanz war bisher unglaublich“, sagen sie.

„Wir haben festgestellt, dass es hier in der Umgebung kaum Möglichkeiten gibt, frischen Fisch zu bekommen“, so Grötzner im Gespräch mit BW24. „Da es zwar vielerorts Fleisch-, aber keine Fisch-Automaten gibt, dachten wir, wir versuchen es mal damit.“ Vor zwölf Jahren verschlug es den gebürtigen Schleswig-Holsteiner aus dem hohen Norden der Liebe wegen nach Pfedelbach. Der Fisch-Automat steht direkt vor seiner Haustüre - so kann er auch immer direkt sehen, ob gerade viel Nachfrage herrscht.

Fisch-Express-Lieferung aus dem Norden: „36 Stunden nach dem Fang ist der Fisch bei uns“

Die Lieferkette läuft bei Hilbis Fischkiste wie am Schnürchen: „Unser Fisch wird in Island gefangen und kommt wöchentlich in der Nacht auf Dienstag bei meinen Geschäftspartnern Timo und Jo-Anne Hilbert in Norddeutschland an“, so Grötzner. „Die beiden räuchern die Ware, verpacken sie luftdicht und schicken sie per Express-Post an mich.“ Bereits am Mittwoch trifft der Fisch bei Grötzner in Pfedelbach ein. „36 Stunden nach dem Fang ist der Fisch bei uns“, sagt er - und will sich damit von Supermärkten abheben, in denen es häufig nur Tiefkühl-Ware gibt, die, wie er sagt, „lange durch die Welt gekarrt wurde.“

Bereits nach einer Woche im Betrieb ist Hilbis Fischkiste allem Anschein nach schon jetzt kein Geheimtipp mehr. „Unsere Nachbarin sagte, sie habe in den vergangenen Tagen Autos mit sämtlichen unterschiedlichen Kennzeichnen beobachtet, die vor dem Automaten parkten“, so Grötzner. „Heilbronn, Schwäbisch Hall, Karlsruhe - da war alles dabei.“ Auch ein LKW-Fahrer aus Welzheim, dessen Stamm-Route an Pfedelbach vorbeiführt, habe den Fisch-Automaten ab sofort als regelmäßigen Stopp auf seiner Route eingeplant.

Wer jetzt Lust bekommen hat, den Fisch-Automaten auszuprobieren: Preislich starten die Produkte bei 1,80 Euro für einen 100-Gramm-Becher Salat und steigen bis zum Premium-Kabeljau für 12,30 Euro. Ein ganzer Räucherlachs kann bis zu 19 Euro kosten. Im Angebot sind auch eigene Kreationen von Hobby-Koch Grötzner - wie beispielsweise Chilikrabbensalat.

Fisch-Automat in Pfedelbach: „Ob es ein ähnliches Konzept in Deutschland noch einmal gibt, wissen wir nicht“

„Ob es ein ähnliches Konzept so noch einmal in Deutschland gibt, wissen wir nicht“, sagt Grötzner. „Das konnte uns auch der Lieferant des Automaten nicht sagen.“ Grötzner selbst arbeitet hauptberuflich als Serviceberater in einem Autohaus und stieg vor eineinhalb Jahren nebenberuflich in den Fisch-Online-Shop seiner Bekannten Timo und Jo-Anne Hilbert ein.

Der Fisch-Automat ist derweil nicht der einzige kuriose Automat, der im Ländle für Aufsehen sorgt. In Betzingen steht seit vergangenem Jahr ein Pommes-Automat, der seiner Kundschaft rund um die Uhr Fritten zubereitet. Auch in Kirchheim am Neckar erfreut sich ein Pizza-Automat seit einiger Zeit großer Beliebtheit. Nicht nur Lebensmittelhändler haben das Potenzial von Automaten erkannt: In Heidelberg gibt seit kurzem ein Tampon-Automat gratis Menstruations-Produkte aus.

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