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19-Jähriger kassiert mit fiktiven Corona-Tests 5,7 Millionen Euro - „es war viel zu einfach“

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Von: Sina Alonso Garcia

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In Freiburg hat ein 19-Jähriger bei der Kassenärztlichen Vereinigung 5,7 Millionen Euro für ein fiktives Corona-Testzentrum angefordert. Nur wenige Tage später wurde das Geld auf sein Konto überwiesen.

Freiburg - Es klingt schier unglaublich, ist in Freiburg aber genauso passiert: Ein 19-Jähriger überlistete die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Baden-Württemberg mit nur wenigen Klicks und erbeutete dabei 5,7 Millionen Euro. Da sein Vater selbst Corona-Testzentren betreibt, wusste er, wie leicht man große Geldsummen dafür bei der KV in Rechnung stellen kann. Wie er gegenüber der Badischen Zeitung berichtet, sei die Idee für den Betrug während eines feucht-fröhlichen Abends in einer Freiburger Kneipe mit seinen Freunden im Sommer 2021 entstanden. Diese glaubten ihm nicht, dass man die KV wirklich so einfach überlisten kann.

Direkt am Folgetag des Kneipentreffens setzte sich der 19-Jährige, offenbar angestachelt durch die Ungläubigkeit seiner Freunde, an den PC und machte sich ans Werk. Innerhalb von gerade einmal zwei Minuten meldete der junge Mann ein angebliches Testzentrum auf der Homepage der KV an und stellte ihr 492.000 Tests in Rechnung. Als Adresse gab er einfach die Adresse der Bar in Freiburg an, wo er sich mit seinen Freunden am Vorabend getroffen hatte. Und siehe da: Nur wenige Tage später lagen die angeforderten 5,7 Millionen Euro auf seinem Konto.

Kriminalbeamter schockiert über leicht umsetzbaren Betrug: „Es fand keinerlei Kontrolle statt“

Dass der junge Mann ohne jegliche Kontrolle agieren konnte, macht selbst den Richter des Prozesses am Freiburger Amtsgericht, der am Montag verhandelt wurde, „fassungslos“. Aufgeflogen ist der Betrug überhaupt erst, weil sich eine Mitarbeiterin der Volksbank über den plötzlichen Millioneneingang auf dem Konto des Azubis wunderte. Wegen Verdacht auf Geldwäsche meldete sie den Vorgang der Kriminalpolizei.

Im Prozess fragte der Vorsitzende Richter die anwesenden Kriminalbeamten, ob es irgendetwas gab, was es dem Angeklagten schwerer gemacht habe, an das Geld zu kommen. „Nein, es war meiner Meinung nach viel zu einfach“, antwortete ein Kriminalpolizist. „Es fand keinerlei Kontrolle statt.“ Nicht einmal eine Unterschrift unter einem Formular sei nötig gewesen. So habe der Angeklagte lediglich online die Zahl der Tests eingetragen und die dafür anfallende Geldsumme in Rechnung gestellt.

Dank aufmerksamer Bank-Mitarbeiterin: Kriminalpolizei untersucht Millionensumme auf Konto des 19-Jährigen

Nachdem die Bank-Mitarbeiterin den dubiosen Millioneneingang auf dem Konto des 19-Jährigen gemeldet hatte, dauerte es nicht lange, bis die Polizei herausfand, dass das Testzentrum nicht existierte. Die Volksbank war indessen bereits tätig geworden und hatte das Geld auf dem Konto eingefroren. Wenige Tage später überwies sie es an die KV zurück.

Angesichts der Fahrlässigkeit, mit der die KV ungeprüft derart hohe Geldsummen an Antragsteller verschickt, beschlossen die Richter folgendes Urteil: Der inzwischen 20-jährige Betrüger erhält eine Jugendstrafe auf Bewährung. Zudem muss er aus erzieherischen Gründen -in Jugendsachen eher unüblich - 1.500 Euro Bewährungsauflage sowie die Kosten des Verfahrens selbst bezahlen. Laut der Badischen Zeitung will der junge Mann nach seiner Ausbildung studieren.

Netz diskutiert über Fall in Freiburg: „Will gar nicht wissen, wie viele Leute damit durchgekommen sind“

Der Bericht über den Millionenbetrug in Freiburg löste im Netz zahlreiche Reaktionen aus. So diskutierten etwa Nutzer auf der Plattform Reddit darüber. „Wenn er nicht einen so hohen Betrag gefordert und so viele Tests auf einmal angegeben hätte, wäre es eventuell gar nicht aufgefallen“, kommentiert ein Nutzer. „Will gar nicht wissen, wie viele Leute damit wirklich durchgekommen sind in den letzten zwei Jahren, nur weil sie nicht so übertrieben haben.“ Dem stimmen auch andere Nutzer zu. „Ich schätze mal, dass er selbst mit 50.000 Euro noch davongekommen wäre“, sagt jemand.

Tatsächlich eröffnete die Corona-Pandemie Betrügern offenbar zahlreiche neue Möglichkeiten, den Staat übers Ohr zu hauen. So verkauften etwa in Albstadt Betrüger Corona-Schutzausrüstung, die es gar nicht gab und auch gefälschte Corona-Tests machten die Runde. Auch Drogendealer in der Region Stuttgart entdeckten in der Pandemie einen neuen Betrugszweig und vertickten gefälschte Impfpässe in Stuttgart und Umgebung.

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