Einstiger Hochschullehrer

Ex-AfD-Chef Meuthen könnte wieder an Hochschule zurückkehren

Jörg Meuthen
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Jörg Meuthen spricht bei einem Interview.

Die berufliche Zukunft des Ex-AfD-Chefs Meuthen liegt womöglich im badischen Kehl. Dort hat der Wirtschaftswissenschaftler vor seinem Einzug in die Politik gelehrt.

Karlsruhe/Berlin (dpa) - Der aus der AfD ausgetretene langjährige Vorsitzende Jörg Meuthen könnte bei einem Ausscheiden aus dem EU-Parlament möglicherweise wieder an seine frühere Hochschule in Baden-Württemberg zurückkehren. «Ich bin beurlaubter Hochschullehrer, insofern würde ich dann meine Tätigkeit an der Verwaltungshochschule Kehl wieder aufnehmen», sagte der Wirtschaftswissenschaftler den «Badischen Neuesten Nachrichten» (Dienstag).

Die Wochenzeitung «Junge Freiheit» berichtete später, Meuthen habe sich ihr gegenüber überzeugt gezeigt, wieder ein Mandat für das EU-Parlament zu erringen. Er gehe fest von einem Erfolg aus und wolle politisch aktiv bleiben. Er plane daher auch nicht, an die Universität zurückzukehren. Bei Twitter reagierte Meuthen auf Berichte über eine mögliche Rückkehr an die Hochschule mit den Worten: «Das hättet Ihr wohl gern! Ich bleibe selbstverständlich in der Politik.»

Meuthen hatte nach seinem AfD-Austritt angedeutet, dass er sich künftig in einer anderen Partei engagieren könnte. Er führe derzeit viele Gespräche. «Es wird etwas Neues kommen», sagte er dem Magazin «Cicero». Sowohl eine Neugründung als auch der Beitritt in eine Partei werde von ihm derzeit erwogen, zitierten ihn die «Badischen Neuesten Nachrichten».

Meuthen sitzt seit Ende 2017 für die AfD im EU-Parlament. Im Frühjahr 2024 wird das Parlament neu gewählt. Der 60-Jährige war Ende Januar aus der AfD mit der Begründung ausgetreten, dass große Teile der Partei sich für einen immer radikaleren Kurs entschieden hätten.

Der Leiter der Kehler Hochschule, Joachim Beck, verwies auf das Europaabgeordnetengesetz, wonach Meuthen wieder in seine frühere Stellung zurückkehren kann, sofern er dies innerhalb von drei Monaten nach dem Ende seines Mandats beantragt. «Da haben wir keinen Ermessensspielaum», sagte Beck. Solange dieser Antrag nicht vorliegt, könne er sich als Behördenleiter nicht an Spekulationen über die berufliche Zukunft Meuthens beteiligen. «Es gibt ja noch gar keinen Vorgang.» Seit Meuthens Einzug in die Politik habe es keinen Kontakt mehr zwischen ihm und der Hochschule gegeben.

Auch ein Sprecher von Baden-Württembergs Landeswissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) sagte dem Blatt, die Hochschule Kehl sei verpflichtet, Meuthen wieder auf seiner früheren Professur einzusetzen.

Hingegen sagte der Grünen-Landtagsabgeordnete Alexander Salomon dem Blatt, Meuthen habe einer Partei vorgestanden, in der rassistische und rechtsextreme Positionen fest dazugehörten. «Beamte haben eine Treuepflicht, sich zu unserer freiheitlichen und demokratischen Grundordnung zu bekennen. Diesen Grundsatz kann ich nicht mit der Aufgabe und den Aussagen von Herrn Meuthen vereinbaren.» Es sei fraglich, ob Jörg Meuthen für die Tätigkeit als Professor und somit als Vertreter des Landes geeignet sei.

Auch aus der SPD kam Kritik. Für die Hochschulexpertin der Landtagsfraktion Gabi Rolland ist die Rückkehr Meuthens an die Verwaltungshochschule Kehl unvorstellbar. Sie würde dem Ansehen der ganzen Hochschule schaden. «Was sollen denn die Studierenden antworten, wenn man ihnen an ihren zukünftigen Arbeitsstätten in einer kommunalen oder staatlichen Verwaltung vorhält, bei einem Mann studiert zu haben, der jahrelang aktiv an der Beschädigung der Demokratie gearbeitet hat?»

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