Dschungelfloßfahrt

Europapark baut komplette Attraktion um - wegen Riesen-Skandal: „Hat hier nichts zu suchen“

  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
    schließen

Die Vorwürfe gegen den Europapark sind schwer: Eine zentrale Attraktion sei rassistisch. Die Verantwortlichen haben jetzt reagiert - und bauen sie komplett um.

Rust - Der Europapark in Rust ist eine der Sehenswürdigkeiten in Baden-Württemberg. Die Besucher schätzen ihn für die vielfältige Auswahl an traditionellen und modernen Fahrgeschäften. Unter anderem deshalb wurde der Europapark gerade zum besten Freizeitpark der Welt gekürt.

Das spricht den Europapark und deren Verantwortliche allerdings nicht von jeglicher Form der Kritik frei. Immer wieder gibt es nämlich auch Beschlüsse und Entscheidungen des Europaparks, die auf Gegenwind stoßen. Beispielsweise der Bau eines neuen Multimedia-Entwicklungszentrums. Gegen das Europapark-Projekt gibt es wütenden Protest wegen möglicher Umweltschäden. Seit geraumer Zeit sieht sich der Europapark zudem mit einer Rassismus-Debatte konfrontiert. Die hat jetzt zur Folge, dass eine komplette Attraktion umgebaut wird.

Rassismus-Debatte im Europapark: Seminararbeit über Dschungelfloßfahrt deckt Probleme auf

Die sogenannte Dschungelfloßfahrt ist eines der ältesten Fahrgeschäfte im Europapark. Die etwa achtminütige Bootsfahrt auf einem See entstand bereits 1979 und führt durch eine afrikanisch anmutende Flusslandschaft. Neben der klischeehaften Flora und Fauna spielen in der Attraktion aber auch Menschen eine Rolle.

Wie die Badische Zeitung berichtet, machten zwei Freiburger Studierende die Dschungelfloßfahrt 2019 zum Thema einer Seminararbeit - und kritisierten darin vor allem klare Bezüge zur Kolonialgeschichte. Auf der einen Seite gäbe es da dunkelhäutige Menschen, die traditionell gekleidet dargestellt würden. Im Gegensatz dazu Weiße in Safari-Kluft, beigen Anzügen und Hut. Die Studierenden sahen darin das kolonialgeschichtliche Narrativ aus unterlegenen Ureinwohnern und überlegenen Weißen.

Laut Europapark seien die beiden Studierenden tatsächlich nicht die ersten, die sich an den rassistischen Darstellungen der Dschungelfloßfahrt stören. Besonders im vergangenen Jahr wurde die Kritik dann immer lauter. „Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst“, erklärte ein Sprecher des Europaparks deshalb der Badischen Zeitung. Offenbar so ernst, dass die gesamte Attraktion im kommenden Jahr komplett umgebaut wird.

Attraktion im Europapark wird wegen Rassismus-Debatte komplett umgebaut

Wie parkerlebnis.de schreibt, wollte Europapark-Geschäftsführer Michael Mack die Dschungelfloßfahrt bereits 2017 ändern. Bislang war offenbar nichts passiert, aber jetzt drückt der Europapark aufs Tempo - offenbar forciert durch die Rassismus-Debatte. Im kommenden Jahr wird die Attraktion komplett umgebaut. Mindestens ein Jahr sollen die Bauarbeiten dauern. „Das ist ein Riesenbereich, der da umgebaut wird“, erklärt der Sprecher die lange Zeit.

Tatsächlich hat der Europapark aber auf einige Kritikpunkte der Studierenden bereits unverzüglich reagiert. Im Rahmen der Dschungelfloßfahrt fuhr eine dunkelhäutige Figur entlang einer Seilbahn. Die Person hängt dabei an einem Bastkorb, in dem ein Affe sitzt. Der Europapark hat die dunkelhäutige Person inzwischen durch eine weiße Figur ersetzt. Zudem gab es passend zu der Attraktion eine „Colonial Food Station“, die in „Adventure Food Station“ umbenannt wurde.

Gegenüber der Badischen Zeitung betonte der Sprecher des Europaparks, dass man Rassismus nicht toleriere. Die Studierenden hoffen indes, dass der Freizeitpark beim Umbau auch wirklich den gesamten Kontext anpasst - und nicht nur einzelne Szenen austauscht. „Eine Zeit wie der Kolonialismus hat in einem Freizeitpark nichts zu suchen“, erklärt die an der Seminararbeit beteiligte Studentin.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Petra Schneider

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare