Dschungelfloßfahrt

Europapark: Studentin bekommt Hassbotschaften, weil Attraktion ihretwegen umgebaut wird

Europapark: Die Dschungelfloßfahrt löste eine Debatte um Rassismus aus
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Europapark: Die Dschungelfloßfahrt löste eine Debatte um Rassismus aus
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Die „Dschungelfloßfahrt“ im Europapark soll nach einer Rassismus-Debatte umgebaut werden. Eine Studentin, deren Seminararbeit alles in Gang setzte, wird nun angefeindet.

Rust - Der Europapark in Rust zieht jedes Jahr zahlreiche Besucher an und ist eine beliebte Sehenswürdigkeit in Baden-Württemberg. Doch in den letzten Monaten schaffte es der Freizeitpark immer wieder in die Negativschlagzeilen. So führte der Park Armbänder ein, welche die Besucher in Geimpfte und Ungeimpfte unterscheiden sollten. Im Netz sorgte dieses Vorgehen für heftige Diskussionen. Nur wenig später schaffte der Europapark die Bändchen wieder ab.

Kürzlich sorgte der Erlebnispark erneut für Furore, dieses Mal allerdings mit einer Attraktion. Die Dschungelfloßfahrt gibt es seit 1978 und ist eines der ältesten Fahrgeschäfte im Europapark. Die etwa achtminütige Bootsfahrt führt durch eine afrikanisch inspirierte Flusslandschaft. Neben der afrikanischen Natur werden auch Menschen abgebildet. So werden etwa Ranger als weiße Menschen dargestellt, während schwarze Menschen in traditioneller Kleidung gezeigt werden. Durch diese Darstellung sah sich der Park mit einer Rassismus-Debatte konfrontiert. Ausgelöst wurde diese von einer Seminararbeit zweier Freiburger Studenten, welche die Darstellung der Attraktion thematisierte.

Die beiden Studierenden kritisierten in ihrer Arbeit die klaren Bezüge der „Dschungelfloßfahrt“ zur Kolonialgeschichte. Das Thema reichten sie bei der Badischen Zeitung ein - und lösten damit eine hitzige Debatte aus, unter welcher besonders die 21-jährige Studentin zu leiden hatte.

Studentin löste Debatte um Europapark-Attraktion aus - böser Leserbrief und Hassnachrichten

Wie der Stern berichtet, sorgte der Artikel in der Badischen Zeitung für ordentlich Furore. Leser griffen die Studentin aus Baden-Württemberg persönlich an, schickten ihr sogar Hassnachrichten. Auch ein Leserbrief richtete sich direkt gegen die junge Frau. „Das war ziemlich verletzend, weil ich mich nicht ins Rampenlicht stellen, sondern auf das Thema aufmerksam machen wollte“, sagt die Studentin gegenüber Stern.

Auf Social-Media musste sie ebenfalls einiges einstecken. Etwa auf Facebook bekam die 21-Jährige zahlreiche Hassnachrichten, ihr wurde unter anderem vorgeworfen, arrogant zu sein. „Es hat mich sehr getroffen, dass sich viele an mich persönlich wenden und nicht über das Thema diskutieren. Das hätte ich so nicht erwartet“, sagt sie weiter.

Europapark gegen Rassismus: Dschungelfloßfahrt wird komplett umgebaut

Der Europapark stellte sich in der Diskussion auf die Seite der Studenten. Die komplette Dschungelfloßfahrt-Attraktion soll nun umgebaut werden. Laut Europapark waren die beiden Studierenden auch nicht die ersten Besucher, welche die Attraktion kritisierten. Im vergangenen Jahr sei die Kritik daran immer lauter geworden. „Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst“, erklärte ein Sprecher des Europaparks vor wenigen Wochen.

Die Autorin der Seminararbeit begrüßt die Umbauten, betont aber: „Ich hatte aber nie die Forderung, dass direkt etwas geändert werden sollte. Ich hatte keinen aktivistischen Hintergrund.“

Rund ein Jahr werden die Umbauten an der Dschungelfloßfahrt wohl dauern. Schon jetzt wurde eine „Colonial Food Station“ in „Adventure Food Station“ umbenannt und die dunkelhäutige Figur durch eine weiße ersetzt. Neben der Neugestaltung der „Dschungel-Floßfahrt“ wird laut Stern-Informationen auch der Themenbereich Abenteuerland umgestaltet.

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