Schnell ist nicht immer gut

Europapark-Chef: Achterbahnen mit „200 km/h technisch kein Problem“ - warum er trotzdem keine bauen will

Silver Star im Europapark
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Der Europapark Rust ist über Deutschlands Grenzen hinaus für seine Fahrgeschäfte bekannt.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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An nur einem Tag durch ganz Europa reisen? Das geht wohl nur im Europapark bei Rust. Doch künftig will Geschäftsführer Roland Mack die Besucher nicht vorrangig mit schnellen Achterbahnen anlocken.

Rust - Lange war ein Besuch im Europapark wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg nicht möglich. Seit 21. Mai hat der Freizeitpark in Rust seine Tore wieder geöffnet. Besucher lockt der Europapark weit über Deutschlands Grenzen hinaus mit seinen beeindruckenden Fahrgeschäften. Der „Silver Star“ etwa ist die höchste Achterbahn Deutschlands und die vierthöchste in Europa.

Aktuell plant der Europapark eine neue spektakuläre Achterbahn. Laut den Planern sollen die Züge Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern pro Stunde erreichen können. Eine schnellere will der Europapark-Chef Roland Mack allerdings nicht bauen, wie er im Interview mit WirtschaftsWoche verrät.

Geschäftsführer Roland Mack: „Nur auf Tempo zu gehen, ergibt keinen Sinn“

In Sachen Geschwindigkeit wäre eigentlich noch mehr drin: „Mehr als 200 Kilometer pro Stunde sind an sich technisch kein Problem“, sagt Roland Mack. Doch warum gibt es dann solch eine Attraktion im Europapark noch nicht? „Es geht uns nicht um neue Rekorde. Wir müssen alle Zielgruppen bedienen, nicht nur die Jugendlichen, die den Geschwindigkeitsrausch suchen“, erklärt er. „Nur auf Tempo zu gehen, ergibt keinen Sinn.“ Aus diesem Grund seien vor allem Fahrgeschäfte erfolgreich, welche die gesamte Familie mit einbeziehen würden, wie etwa das „Flying Theatre“ ‚ das „Voletarium“ oder die Themenfahrt „Arthur“.

Roland Mack spricht in dem Interview auch über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie. „Normalerweise leben wir im Juni von Klassenfahrten und Gruppentouren, die mit Bussen zu uns kommen“, erzählt der Unternehmer. Wegen der strengen Coronabeschränkungen seien diese aber zum Großteil ausgefallen. Im Normalbetrieb kann der Park bis zu 30.000 Besucher ab Tag aufnehmen. Nach der Wiedereröffnung seien es aber selten mehr als 10.000 Besucher gewesen, so Roland Mack.

Für die Besucher galten nach der Wiedereröffnung bestimmte Schutzmaßnahmen: Sie mussten nachweisen, dass sie entweder geimpft, genesen oder negativ getestet sind. Auch die Besucherzahl war bis zuletzt auf 20.000 Gäste am Tag beschränkt worden. Mit den sinkenden Inzidenzen und weitgehenden Lockerungen fielen im Europapark Ende Juni auch die letzten Kapazitätsbeschränkungen weg. Inzwischen spüre man, dass die Nachfrage wieder anziehe.

Schwere Zeiten: Europapark hatte mit großen finanziellen Einbußen zu kämpfen

Die coronabedingten Ausfälle bekam der Europapark finanziell stark zu spüren: Rund 300 Millionen Euro verlor das Unternehmen im vergangenen Jahr durch den Lockdown im Frühjahr und die anschließenden Einschränkungen. „Ich erwarte auch in diesem Jahr noch einmal 100 Millionen Euro weniger Umsatz“, sagt Roland Mack. Und auch an den Besuchern ging die Krise nicht spurlos vorbei: Wegen der langen Ausfälle erhöhte der Europapark für bestimmte Zeiträume die Ticketpreise.

Ein harter Schlag war die Coronapandemie auch für die Fortentwicklung des Parks. Zwar bekam der Europapark staatliche Hilfen und die Kosten wurden angepasst, um die Ausfälle zu mindern, trotzdem konnten wegen der Krise viele Projekte nicht wie geplant umgesetzt werden.

„Wir haben Baustellen dicht gemacht, andere geöffnet“, erzählt Roland Mack. Kurz vor der Coronakrise hatte der Park zum Beispiel 250 Millionen Euro in die Wasserwelt „Rulantica“ investiert. Kurz nach der Eröffnung musste die Themenwelt wegen Beschränkungen wieder schließen. Seit dem 3. Juni hat der Wasserpark wieder geöffnet.

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