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Wassermangel wegen Rulantica? Europa-Park-Betreiber nehmen Stellung: „Ein Tropfen auf den heißen Stein“

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Von: Sina Alonso Garcia

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Nimmt die Wasserwelt Rulantica der Region rund um den Europa-Park das Wasser weg? Nach entsprechenden Vorwürfen in der Bürgerschaft äußern sich jetzt erstmals Betreiber und Gemeinde.

Rust - 2019 eröffneten die Inhaber des Europa-Parks nur wenige Kilometer vom Park entfernt die Wasserwelt Rulantica. Auf einer Fläche von 40.000 Quadratmetern erstreckt sich seither ein riesiges Spaßbad mit verschiedenen Themenbereichen, Rutschen und Pools. Langfristig planen die Betreiber mit 8.000 Besuchern pro Tag. Während Rulantica von Besuchern gut angenommen wird, stehen die Bewohner der angrenzenden Region dem Mega-Bad kritisch gegenüber.

Wie die Lahrer Zeitung berichtet, habe es zuletzt vermehrt Vorwürfe gegeben, Rulantica nehme der Region das Wasser weg. Nun bezogen die Betreiber und die Gemeinde Rust Stellung - und legten offen, wie viel Wasser Rulantica tatsächlich zieht.

Rulantica ein Wasserfresser? Bürgermeister von Rust und Ringsheim widerlegen Vorwürfe

Die Angst der Bürger, Rulantica könnte langfristig den Grundwasserspiegel senken, ist laut eines Hydrogeologen komplett unbegründet. Eugen Funk, der den Europa-Park freiberuflich berät, erklärt: „Mit seinen 80 Milliarden Kubikmeter Wasser ist der Oberrheingraben, aus dem die südliche Ortenau ihr Wasser bezieht, der größte Grundwasserspeicher Mitteleuropas.“ Das, was Rulantica - und die ganze Region - daraus verbrauche, sei selbst in trockenen Jahren „wie ein Tropfen auf den heißen Stein“.

Wöchentliche Pegelmessungen von 2006 bis 2021 haben gezeigt: Auch nach der Eröffnung der Wasserwelt hat sich der Mittelwert nicht geändert - und das, obwohl es aufgrund des teils zu trockenen, teils regnerischen Wetters deutliche Ausschläge nach oben oder unten gab. „Wir haben noch 100 bis 150 Meter Puffer, bevor wir auf die Grundwasser-Reserven des Oberrheingrabens stoßen“, sagt Funk. Die derzeitigen Schwankungen des Pegels pro Jahr würden sich lediglich in einer Größenordnung von zwei Metern bewegen.

Auch Pascal Weber, Bürgermeister von Ringsheim, und Kai-Achim Klare, Bürgermeister von Rust, können den Vorwurf, Rulantica sei ein Wasserfresser, widerlegen: So fördere das Spaßbad sein Wasser zu einem Großteil aus einem eigenen Tiefbrunnen. Von 150.000 Kubikmetern, die erlaubt gewesen wären, hat Rulantica im Jahr 2021 „nur“ 80.000, also nur gut die Hälfte, verbraucht. Lediglich das Trinkwasser, das in Rulantica und in den Gebäuden des Europa-Parks aus den Hähnen kommt, werde vom Wasserversorgungsverband Südliche Ortenau bezogen.

Der Schriftzug „Rulantica“ steht vor dem neuen Wasserpark im Europa-Park.
Die Wasserwelt Rulantica erstreckt sich auf einer Fläche von 40.000 Quadratmetern. © Patrick Seeger/dpa

Wasserverbrauch in Rulantica: Im Vergleich zum Europa-Park verschwindend gering

Im Vergleich zu Rulantica ist der Europa-Park ein viel größerer Wasserfresser. So verbrauchte der Park 2021 rund 350.000 Kubikmeter. Die Gemeinden Ettenheim, Kappel-Grafenhausen, Ringsheim, Rust und Mahlberg verbrauchten im selben Zeitraum - inklusive Park und Wasserwelt - 1,9 Millionen Kubikmeter. Aktuell liegt die erlaubte Fördermenge in der Region bei 2 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Ab 2023 erhält der Wasserverband der Gemeinden rund um den Europa-Park außerdem zu seinen bislang vier Tiefwasserbrunnen einen fünften dazu. Dieser erlaubt es, 2,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser in der Region zu fördern. Wenn der Wasserverbrauch bleibt, wie bisher, entsteht ein Puffer von 500.000 Kubikmetern Wasser - eine ordentliche Menge.

Laut Hydrogeologe Eugen Funk würde sich auch der Klimawandel zunächst nicht auf das vorhandene Wasser in der Region auswirken. So seien die Elzwiesen, auf denen der Großteil der Tiefbrunnen in der Region steht, sehr wasserreich. Erst ab 2050 könne der Klimawandel womöglich ein Problem werden, so der Experte.

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