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Traumatica-Darsteller im Europa-Park: „Jemand anderes sein und seine dunkle Seite nach außen kehren“

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Von: Sina Alonso Garcia

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Marco Sorrentino: Der Traumatica-Darsteller ohne und mit Schminke
Erstaunliche Verwandlung: Marco Sorrentino vor und während seines Auftritts bei Traumatica. © Privat/Calvin Hollywood (Fotomontage BW24)

Seit mehr als zehn Jahren ist Marco Sorrentino fester Bestandteil der Horror-Nights im Europa-Park. Als Darsteller jagt er den Besuchern Angst und Schrecken ein - und hat dabei einen Heidenspaß.

Rust - Er ist groß, gut gebaut und hat eine markante, raue Stimme: Marco Sorrentino aus Freiburg ist jemand, der im Gedächtnis bleibt. Auch auf Sänger Marc Terenzi machte der 1,86 Meter große Hüne Eindruck, als dieser vor elf Jahren in einem Musikgeschäft auf ihn traf. „Wir hatten beruflich miteinander zu tun“, erinnert sich Sorrentino im Gespräch mit BW24. Terenzi, damals einer der Initiatoren der Horror-Nights im Europa-Park, sah in Sorrentino sofort Potenzial. „Komm zum Casting“, sagte er. Sorrentino antwortete: „Auf gar keinen Fall.“

Nach anfänglicher Skepsis ließ sich Sorrentino schließlich doch überzeugen und stellte sich bei den Organisatoren des Grusel-Events vor. „Ich habe im Casting einen Satz gesagt - das hat offenbar gereicht“, lacht er. Seit jenem Tag ist er fester Bestandteil des Gruselkabinetts, das jährlich im Herbst über den Europa-Park herfällt. Dafür schlüpfte er bereits in zahlreiche Rollen - und versetzte als Totengräber, Grusel-Clown oder Zirkusdirektor Besucher in Angst und Schrecken.

Europa-Park: Traumatica-Darsteller Marco Sorrentino - Rolle ist „wie ein Schalter, den man umlegt“

„Am meisten Spaß macht es, mal jemand anderes zu sein und seine dunkle Seite nach außen zu kehren“, sagt Sorrentino. Sobald er in sein Kostüm geschlüpft ist, sei es „wie ein Schalter, den man umlegt“. Von einer auf die andere Sekunde mutiert er zu einer schaurigen Gestalt, die mit dem Privatmenschen Sorrentino nichts mehr zu tun hat. Professionelle Make-up-Artists verwandeln die Darsteller in Kreaturen mit wirren Augen, denen das Blut von der Schläfe tropft. Ausgestattet mit Kettensägen, Schaufeln und Schlagstöcken wandeln sie über das Traumatica-Gelände.

Sobald ich in Kostüm und Make-up rausgehe, bin ich einfach dieser Typ.

Traumatica-Darsteller Marco Sorrentino

In mehr als zehn Jahren Horror-Show hat Sorrentino ganz unterschiedliche Besucher erschreckt. „Manche sind wirklich extrem schreckhaft“, sagt er. Einer Frau habe er vor ein paar Jahren so viel Angst eingejagt, dass sie die zwei Bier, die sie in der Hand hielt, verschüttete. „Sobald ich in Kostüm und Make-up rausgehe, bin ich einfach dieser Typ“, sagt er. Lampenfieber gehöre natürlich dazu. „Die erste halbe Stunde am Abend ist man immer aufgeregt. Man weiß nie, wie viele Leute kommen und wie sie drauf sind.“

Traumatica-Darsteller: Vorbereitung der Rollen in der Schule des Schreckens

Als Darsteller bei Traumatica sollte man laut Sorrentino vor allem ein Kriterium erfüllen: „Man muss Spaß an der Sache haben.“ Zudem helfe die Fähigkeit, sich in verschiedene Rollen hineinzuversetzen. Eine professionelle Schauspielausbildung brauche es aber nicht. Von den rund 150 Darstellern sind die meisten Laien. Wer es in den Cast schafft, durchläuft innerhalb von zwei Wochen die sogenannte „Scare School“. In der Schule des Schreckens erproben die Darsteller gemeinsam ihre Charaktere. Insbesondere Neulinge können hier einiges mitnehmen.

Inspiration für seine Rollen bezieht Sorrentino mitunter aus Horrorfilmen und Psychothrillern. Wer ihn aus dem Berufsleben kennt, würde aber wohl nicht erwarten, dass er privat Menschen erschreckt und bei Traumatica sein Unwesen treibt. Als technischer Assistent der Geschäftsleitung in einem Zentrum für Strahlentherapie hat er viel mit Kunden zu tun, wobei ein seriöses Auftreten vorausgesetzt wird.

Marco Sorrentino über Traumatica: „Jeder kann sich auf seine Art und Weise entfalten“

Von Ende September bis Mitte November ist Sorrentino an insgesamt 28 Abenden für Traumatica im Einsatz. Dafür musste er sich einige Urlaubstage nehmen. Das Engagement ist aber auch ein Nebenjob, der entsprechend entlohnt wird. Wer bei Traumatica 2022 nach Sorrentino Ausschau halten möchte: Er ist in diesem Jahr als Direktor unterwegs. „Ich habe die ganzen Freaks nach Traumatica gebracht und bin quasi der Chef“, erklärt er. Sein Kostüm falle dieses Jahr allerdings etwas weniger erschreckend aus als in den Vorjahren. Neben vier Themenhäusern, einem Zirkus und einem Außen-Labyrinth, in denen Horrorgestalten warten, ist wie immer auch ein Erschreckerteam auf der Straße unterwegs - dem Sorrentino angehört.

Heute ist Sorrentino froh, dass ihn Marc Terenzi damals im Musikladen angesprochen hat. „Man muss sich natürlich schon in die Rolle reinfinden. Aber jeder kann sich auf seine Art und Weise selber entfalten.“ Über das Horror-Event hat er inzwischen zahlreiche Bekanntschaften geschlossen, die ihn nun schon länger begleiten.

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