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9-Euro-Ticket: Überlastungen in Tourismusgebieten erwartet

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Eine Regionalbahn der Deutschen Bahn steht am Hauptbahnhof.
Die Politik möchte mit dem 9-Euro-Ticket mehr Menschen für die Bahn begeistern. © Moritz Frankenberg/dpa

Volle Busse, volle Bahnen: Mit dem 9-Euro-Ticket könnte es sich im Südwesten an Wochenenden mit schönem Wetter knubbeln, prognostizieren Verkehrsverbünde. Einer rät dazu, antizyklisch zu fahren.

Stuttgart (dpa/lsw) - Verkehrsverbünde und Verkehrsunternehmen erwarten im Südwesten durch das geplante 9-Euro-Ticket eine erhöhte Nachfrage und Überlastungen auf Strecken zu touristischen Zielen. «Wir rechnen mit Überlastungen, insbesondere im Ausflugsverkehr an Wochenenden mit schönem Wetter», teilte der Landesgruppen-Geschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Ulrich Weber, mit. Auf stark nachgefragten Strecken sei auch mit Problemen bei der Fahrradmitnahme zu rechnen. Der VDV empfiehlt deshalb, auf Randzeiten auszuweichen.

Der Verband rechnet mit einem erhöhten Fahrgastaufkommen, eine konkrete Vorhersage sei jedoch schwierig. Coronabedingt gebe es noch Kapazitäten in den Fahrzeugen, diese seien im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten etwa zu 75 bis 80 Prozent ausgelastet. Die bestehenden ÖPNV-Angebote könnten deshalb den Zuwachs überwiegend aufnehmen. Kapazitäten ließen sich aber nur bedingt erhöhen, weil kurzfristig keine zusätzlichen Fahrzeuge gekauft oder neue Fahrer eingestellt werden könnten.

Beim Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart rechnete ein Sprecher weniger in der Region Stuttgart mit Auslastungsproblemen als vielmehr in Tourismusregionen wie dem Schwarzwald oder Bodensee, wo die Züge teilweise nur im Stundentakt fahren könnten. Er verwies zudem darauf, dass die Aktion auf die Sommermonate falle, «in denen Bahnen und Busse üblicherweise nicht so stark ausgelastet sind wie im Winter».

Laut Thilo Ganter, Geschäftsstellenleiter des Regio-Verkehrsverbunds Freiburg (RVF), drohen Überlastungen besonders auf touristischen Linien bei Sonnenschein am Wochenende, etwa bei der Anreise zum Bodensee, Schwarzwald oder Kaiserstuhl. Der RVF rät Fahrgästen dazu, antizyklisch zu fahren.

Ein Sprecher des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) gab sich optimistisch, die zu erwartende steigende Nachfrage auffangen zu können, da die Fahrzeuge derzeit noch nicht voll ausgelastet seien. Voll werden könnte es in der morgendlichen Stoßzeit, wenn Schüler und Pendler unterwegs seien. Auch entlang der landschaftlich schönen Murgtalbahn nach Freudenstadt könnte am Wochenende mehr los sein.

Der Donau-Iller-Nahverkehrsverbund rechnet vor allem im Stadtverkehr in Ulm und Neu-Ulm mit einer erhöhten Nachfrage sowie im Schienenverkehr in Richtung Bodensee und der Strecke entlang der Donau.

Der Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund weist auf seiner Website darauf hin, dass auf den Linienschiffen, den Autofähren und dem Katamaran auf dem Bodensee das 9-Euro-Ticket nicht gültig ist.

Die Tickets sollen im Juni, Juli und August bundesweit Fahrten im Nah- und Regionalverkehr ermöglichen - für jeweils 9 Euro im Monat, also deutlich günstiger als normale Monatskarten. Dies ist Teil des Entlastungspakets der Ampel-Koalition wegen der hohen Energiepreise. Voraussetzung ist jedoch, dass der Bundestag am Donnerstag und der Bundesrat am Freitag dem Vorhaben zustimmen.

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