Umweltschonend

„Windel-Prämie“ soll Eltern in Esslingen zum Umdenken bewegen

Ein Baby liegt auf einem Wickeltisch und spielt mit einem Stofftier.
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Die Einwegwindel hat die Stoffwindel einst verdrängt: Mit einer Windel-Prämie könnte sich das in Esslingen ändern.
  • Sabrina Kreuzer
    VonSabrina Kreuzer
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Mehrmals täglich müssen Eltern ihre Kinder wickeln. Das geht nicht nur ins Geld, sondern schadet auch der Umwelt. Im Kreis Esslingen gibt es deshalb jetzt einen ungewöhnlichen Zuschuss.

Esslingen - Alle Eltern kennen es, das Problem mit den Windeln. Kaum ist der Windelmülleimer geleert, ist er auch schon wieder voll. Bringt man ihn nicht gleich nach draußen, müffelt die ganze Wohnung danach. Windeln verursachen dabei viel Müll: etwa 1.000 Kilogramm pro Kind so lange es Windeln trägt. Alleine im Kreis Esslingen sind es im Jahr 25 Millionen Einwegwindeln, die entsorgt werden müssen. Eine ganz schön teure Angelegenheit, die dazu noch der Umwelt schadet.

Damit mehr Eltern auf die umweltfreundlichere Stoffwindel umschwenken, hat sich ein frisch gebackener Vater aus Ostfildern (Kreis Esslingen) etwas überlegt: Warum nicht beim Kreis nachfragen, ob es einen Zuschuss für den Wechsel gibt?

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, wurde der junge Vater von seiner Schwägerin aus Konstanz auf die Idee gebracht, selbst Initiative zu ergreifen: „Werdende Eltern kommen zwangsläufig auf das Thema Umweltschutz und die Einsparung von Müll. Es gibt viele Landkreise und Kommunen in Baden-Württemberg, die den Wechsel auf Stoffwindeln bezuschussen.“ Esslingen war bisher keiner davon.

Junger Vater bekommt Unterstützung von Politiker beim Zuschuss für Stoffwindeln im Kreis Esslingen

Begeistert von der Idee wandte sich der junge Vater im Januar an den Oberbürgermeister von Ostfildern - zu seiner Überraschung meldete sich Christof Bolay kurz darauf persönlich bei ihm. Das Problem: Der OB unterstütze die Initiative, Eltern finanziell zu unterstützen, die auf Stoffwindeln umsteigen wollen, aber die Abfallbewirtschaftung sei Angelegenheit des Kreises.

„In der Folge habe ich die Fraktionsvorsitzenden der vier größten Parteien angeschrieben und bekam von den Politikern viel Zustimmung“, so der motivierte Vater eines Sohnes. Auf Zustimmung, Eltern im Kreis Esslingen bei der Anschaffung von Stoffwindeln zu unterstützen, stieß der Initiator aus Ostfildern unter anderem bei Bernhard Richter.

Der Fraktionschef der freien Wähler im Kreistag ist Bürgermeister von Reichenbach und benutzt selbst Stoffwindeln bei seinen Kindern. Deswegen kontaktierte er Manfred Kopp, den Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsbetriebs im Kreis Esslingen (AWB). Wie die Stuttgarter Zeitung schreibt, sagte ihm dieser zu, den Vorschlag in einer Ausschusssitzung im Kreistag zu unterstützen. Der Reichenbacher Bürgermeister berichtet, dass der AWB derzeit dabei sei, die Bezuschussung zu realisieren.

Der Zuschuss für die Stoffwindeln im Kreis Esslingen kann ganz einfach beantragt werden

Für Eltern ist es einfach, den Zuschuss für Stoffwindeln zu beantragen: Sie müssen den Nachweis erbringen, dass sie Kinder haben und den Kaufbeleg der Stoffwindeln einreichen. „Danach gibt es einen einmaligen Zuschuss“, so Bernhard Richter. Eine Sprecherin des Landkreises Esslingen erklärt: „Wer ein Mehrweg-Windelsystem erworben hat, kann beim Abfallwirtschaftsbetrieb einen Antrag auf den einmaligen Zuschuss in Höhe von 50 Euro stellen, vorausgesetzt, das Kind wohnt im Landkreis Esslingen und ist nicht älter als zwei Jahre.“ Der Antrag kann auf der Internetseite des Abfallwirtschaftsbetriebs heruntergeladen oder telefonisch angefordert werden.

Zuschuss für Stoffwindeln im Kreis Esslingen: Mehr Aufwand, aber besser für die Umwelt

Natürlich zählt für Eltern bei der Wahl der Windel nicht nur der Umweltschutz. Vor allem das Wohl des eigenen Kindes spielen eine große Rolle. Immerhin wollen Eltern nur das Beste für ihren Nachwuchs: Deswegen protestierten an einer Schule in Stetten die Eltern gegen die Maskenpflicht der Schüler. Die Kinder würden unter dem Coronavirus schon genug leiden, da sollten sie nicht auch noch eine Mund-Nasen-Maske im Unterricht tragen müssen, war die Argumentation der Beteiligten.

Viele junge Eltern müssen zudem bei der Erziehung ihrer Kinder auf das Geld achten. Während Einwegwindeln im Drogeriemarkt recht günstig zu bekommen sind, lohnt sich bei Stoffwindeln deshalb die Recherche. „Pro Windel zahlt man im günstigsten Fall zwischen zwölf und 20 Euro. Da lohnen sich Preisvergleiche“, rät der junge Vater aus Ostfildern. Ein großer Batzen Geld, wenn man berücksichtigt, dass mindestens zehn Stoffwindeln vorgehalten werden sollten, heißt es in der Stuttgarter Zeitung. Aber, das lohnt sich: Auf Dauer sind die Mehrwegwindeln günstiger.

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