Lidl, Aldi und Co.

„Verlogenheit der Gesellschaft“: Landwirte blockieren aus Protest Lidl, Aldi und Edeka

Landwirte demonstrieren und haben mit ihren Traktoren eine Blockade errichtet.
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Immer wieder protestieren Landwirte gegen die Zustände in der Agrarwirtschaft und errichten Blockaden mit Traktoren. (Symbolbild)
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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In der Nacht von Sonntag auf Montag demonstrierten Landwirte vor dem Zentrallager einer Supermarktkette in Esslingen- es war Teil einer bundesweiten Protest-Aktion. 

Esslingen - Wer am Montagmorgen vorhatte, in einem Laden einer großen Supermarktkette im Landkreis Esslingen und Umgebung einzukaufen, bekam es unter Umständen mit einem ungewohnt ausgedünnten Produktangebot zu tun. Eine Gruppe von Landwirten hatte am späten Sonntagabend versucht, die Zufahrten eines Zentrallagers des Discounter-Unternehmens in Aichtal zu behindern.

Zu diesem Zweck waren etwa 50 Traktoren vorgefahren und hatten eine Blockade gebildet. Dadurch erhofften sich die Landwirte, dass es die Produkte nicht rechtzeitig in die Supermärkte schaffen würden. Wie die Deutsche Presseagentur (dpa) mitteilt, handelte es sich dabei um eine bundesweite Protest-Aktion. Aus dem bayrischen Eggolsheim berichten Medien von ähnlichen Szenen vor einem Zentrallager von Lidl, wo etwa 60 bis 70 Bauern demonstrierten.

Esslingen: Landwirte blockieren bei Protest-Aktion Zufahrten von Supermarkt-Zentrallager

Die Blockaden waren Teil einer Demonstration der Landwirte, die versuchten, die Bevölkerung auf Missstände in der Agrarwirtschaft aufmerksam zu machen. Erst im Mai waren in ganz Deutschland mehrere hundert Traktoren durch die Städte gerollt - vielerorts hatten sich Bauern zu Demonstrationen versammelt.

Anlass war der damalige Bericht zur Lage der Natur in Deutschland des Umweltministeriums, in welchem die Landwirtschaft als Hauptverursacherin von Naturschutzproblemen verurteilt wurde - beispielsweise wegen des Einsatzes von Pestiziden. Die Landwirte warfen dem Ministerium aufgrund solcher Aussagen „Bauernbashing“ und fehlende Wertschätzung vor.

Ein weiterer großer Anklagepunkt der Bauern: Billigpreise, mit denen Discounter wie Lidl aus Neckarsulm ihre Kunden anlocken, viele Bauern aber gleichzeitig in enorme Existenznöte stürzen. Denn: Aufgrund von Preisdumping müssen diese oft draufzahlen, so der Vorwurf.

Protest der Landwirte: Traktoren verhindern, dass Produkte in Supermärkte wie Lidl kommen

Nach Angaben des Bundeskartellamts bestimmen die fünf großen Supermarkt-Ketten Aldi, Edeka, Rewe und die Schwarz-Gruppe mit Kaufland und Lidl mehr als 85 Prozent des deutschen Lebensmittelmarkts. Schon seit Jahren begehren Landwirte in ganz Deutschland gegen diese Zustände auf. So auch in der Nacht von Sonntag auf Montag.

„Wir erwarten uns von dieser Demonstration, dass die Bevölkerung und die Politik auf uns aufmerksam werden, da ja wir eigentlich diejenigen sind, die die Bevölkerung mit Nahrung versorgen“, wird Josef Taschner von NEWS5 zitiert - der Landwirt hatte sich an der Protest-Aktion vor dem Zentrallager von Lidl im bayrischen Eggolsheim beteiligt.Wenn wir das nicht machen, wird keiner verhungern. Aber die Lebensmittel kommen dann aus Südamerika oder Asien - aber zu welchem Preis? Der CO2-Austoß wird steigen, die Regenwälder werden abgeholzt. Da muss ich jetzt fragen: Will die Bevölkerung das?“

Kritisiert werden von den Landwirten nicht nur die Billigpreise, sondern auch die zusätzlichen Ansprüche, die an die Lebensmittel von Politik und Gesellschaft gestellt werden. Nachhaltigkeit und eine artgerechte Tierhaltung haben ihren Preis. Viele Verbraucher kaufen dennoch billig: „Das ist die Verlogenheit der Gesellschaft“, so Taschner. 

Supermarktketten in der Kritik: Landwirte protestieren gegen Billigpreise und Preisvorgaben

In Ludwigsburg hatte eine Lidl-Filiale aufgrund eines neuen Konzepts mit dem Protest einiger Anwohner zu tun: Über dem Laden sollten Wohnungen gebaut werden. Positive Berichte gab es für die Discounter aus der Schwarz Gruppe jüngst jedoch ebenfalls: Lidl und Kaufland zahlen ihren Mitarbeitern eine Corona-Prämie. Trotz der Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg hätten sie „Außergewöhnliches geleistet“.

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