Empörung wegen Pliensaubrücke

„Blamage“: Esslingen investiert 2,9 Millionen Euro in Fahrradbrücke - die unbenutzbar ist

Ein Radfahren-verboten-Verkehrsschild
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Auf der Pliensaubrücke ist das Radfahrern nach kostspieliger Sanierung verboten.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Seit 2011 wird die Pliensaubrücke in Esslingen von Radfahrern genutzt. Nachdem sie jetzt frisch saniert wurde, sprach die Stadt jedoch ein Verbot aus. Der Grund: Wegen zu niedriger Mauern soll Radfahren zu gefährlich sein. Kritiker sprechen von Fehlplanung.

  • Die Stadt Esslingen investierte Millionen in die Sanierung der Pliensaubrücke. Die Arbeiten wurden im April beendet.
  • Jetzt sprach die Stadt ein Verbot für Radfahrer auf dem Bauwerk aus - dabei durften die zuvor jahrelang über die Brücke fahren.
  • Nach einer rechtlichen Prüfung wurde festgestellt, dass die Mauern der Pliensaubrücke zu niedrig sind.

Esslingen - Das Thema Radfahren in Innenstädten sorgt in Baden-Württemberg immer wieder für Diskussionen. In vielen Städten sind die Bürger nicht zufrieden mit dem Ausbau des Radverkehrsnetzes und sehen sich im Vergleich zu Autofahrern im Nachteil. Das gilt auch für Esslingen. Die Infrastruktur der Stadt, die sich in der Metropolregion Stuttgart befindet, kann bei großem Verkehrsaufkommen eine Gefahr für Radfahrer darstellen, da sie schnell in einen Unfall verwickelt werden können.

Aktuell erhitzt der Fall Pliensaubrücke die Gemüter von Radfahrern im wirtschaftsstarken Esslingen. Das mittelalterliche Bauwerk nimmt bereits seit dem 13. Jahrhundert eine wichtige Funktion in der Stadtgeschichte ein, indem es den Stadtteil Pliensauvorstadt auf der linken Seite des Neckars mit der Innenstadt verbindet. Zwar wurden große Teile der Brücke im Krieg und durch den Bau des Neckarkanals zerstört, sie wurde jedoch erneuert und von Fußgängern sowie seit 2011 von Radfahrern genutzt. Vom historischen Bauwerk erhalten sind heute noch fünf Bögen sowie der nördliche Torturm.

Trotz Millionen Euro für die Sanierung: Esslingen verbietet Radfahren auf Fahrrad-Brücke

Aufgrund ihres Alters musste die Pliensaubrücke ab März 2019 saniert werden, wofür nach Angaben der Stadt Esslingen etwa 2,9 Millionen Euro investiert wurden. Im April dieses Jahres - 13 Monate später - waren Risse und Schäden repariert, das Bauwerk abgedichtet, Spritzbetonarbeiten an den unteren Schichten durchgeführt.

Auch einen neuen Belag hat es für die frisch sanierte Brücke gegeben. Er soll Radfahrern zukünftig das ruckelfreie Überqueren des Neckars ermöglichen - oder zumindest könnte er das tun. Mittlerweile darf man mit dem Fahrrad nämlich nicht mehr über die Brücke fahren. Der Grund: Die Stadt Esslingen hat nach einer rechtlichen Prüfung Anfang des Jahres festgestellt, dass die Brüstung der Pliensaubrücke nach DIN-Norm für Radfahrer eigentlich zu niedrig und deshalb viel zu gefährlich ist. Besonders ärgerlich: Da das Bauwerk unter Denkmalschutz steht, kann laut Informationen der BILD aktuell auch kein Geländer angebracht werden, um ein sicheres Radfahren zu ermöglichen.

„Diese Nachricht macht fassungs- und sprachlos“, wird die SPD im Gemeinderat von Esslingen von der Esslinger Zeitung zitiert. Der sich dahinter verbergende Vorgang sei ein Schildbürgerstreich und für die zuständigen Stellen der Stadtverwaltung eine Blamage. „Als ob man nicht schon vor der aufwendigen Sanierung der Pliensaubrücke von der Sensibilität der Brüstungsfrage hätte wissen müssen und können!“ Angaben der Stadt zufolge soll ein zusätzliches Geländer zwar noch kommen - wann, ist jedoch unklar. Bis dahin kann die Brücke nur auf eine Weise überquert werden: zu Fuß.

Esslingen verbietet Radfahren auf frisch sanierter Fahrrad-Brücke - die Arbeiten kosteten Millionen

Besonders in der Landeshauptstadt Stuttgart, wo die Luftqualität stark vom Autoverkehr beeinflusst wird, sehen viele im Ausbau der Infrastruktur für Radfahrer eine Möglichkeit, um für Entlastung zu sorgen. Die Stadt will dies zwar mit passenden Maßnahmen fördern, nach Ansicht der meisten Radfahrer geht das jedoch nicht schnell genug. Vor allem auf Social Media wie Twitter oder Facebook verleihen diese immer wieder ihrem Frust Ausdruck.

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