Steigende Zahlen

Corona-Alarm in Esslingen: Reiserückkehrer aus Türkei und Balkan schleppten Virus ein - DHL als Infektionsherd

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    vonValentin Betz
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Esslingen ist Baden-Württembergs erster Corona-Hotspot. Immer mehr infizieren sich dort mit dem Virus. Die Menschen sind besorgt. Vor dem Testzentrum stauen sich die Autos.

Esslingen (dpa/lsw) - Das Coronavirus ist eigentlich unsichtbar. Aber wenn man die lange Schlange vor der Abstrich-Station in Nürtingen beobachtet, zeigt sich der Ausnahmezustand, den der Erreger anrichtet, hier im Kreis Esslingen. Eine Mutter und ihre Tochter warten mit Fieber und schweißnassen Gesichtern zwei Stunden im Auto. Zwei Mitarbeiter eines großen Konzerns lassen sich testen, damit sie Zutritt in ein Hotel in Sachsen bekommen. Der Kreis Esslingen ist nun der erste Corona-“Hotspot“ in Baden-Württemberg.

Der Landkreis hat als erste Region im Südwesten die Grenze von 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschritten. Deshalb wird das öffentliche Leben eingeschränkt: Am Donnerstag verkündete Landrat Heinz Eininger eine ab Freitag geltende Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen wie Fußgängerzonen und Wochenmärkten. Die erlaubte Anzahl der Menschen bei privaten und öffentlichen Feiern wird stark eingeschränkt - wer öffentlich mit mehr als 25 Besuchern und zu Hause mit mehr als zehn Menschen feiert, muss mit Bußgeldern rechnen.

Corona-Hotspot Esslingen: Landrat vermutet, dass Reiserückkehrer die Neuinfektionen beschleunigt haben

Den meisten Autofahrern im Testzentrum ist nicht nach Feiern zumute. Ein Mann wartet im Auto mit starken Kopfschmerzen und Schüttelfrost. Der Familienvater weiß nicht wirklich, wo er sich angesteckt haben könnte. Aber er vermutet, dass die hohe Zahl an Neuinfektionen auch an dem dicht besiedelten Ballungsraum in Esslingen liegen könnte. Diese Auffassung teilt auch Landrat Eininger. Bei einer extra dafür anberaumten Pressekonferenz führt er die steigenden Corona-Zahlen allerdings vor allem auf Reiserückkehrer aus den Balkanstaaten und der Türkei zurück, die das Virus nach ihrer Rückkehr in ihre Familien tragen. Ein Infektionsherd im Kreis Esslingen ist ein Frachtzentrum der DHL in der Gemeinde Köngen.

Testzentren und Ärzte im Kreis Esslingen überlastet - lange Wartezeiten für Menschen mit Corona-Symptomen

Mehr als zwei, teilweise bis zu dreieinhalb Stunden mussten die Autofahrer in den vergangenen Tagen auf das Stäbchen im Rachen in der Abstrichstelle in Nürtingen warten, wie Christian Knapp sagt. Er arbeitet als stellvertretender Rettungsdienstleiter in Esslingen und Nürtingen. „Die Anfragen beim Kassenärztlichen Notdienst über die Rufnummer 116 117 sind um 500 Prozent innerhalb der letzten drei Tage gestiegen“, sagt Knapp. Die Mitarbeiter seien am Limit.

Corona-Hotspot Esslingen: Das DHL-Frachtzentrum in Köngen gilt als Ausgangspunkt für die vielen Neuinfektionen.

Auch die Hausärzte sind laut Knapp überlastet. Aber die Menschen mit Verdacht auf Corona wollten eben Informationen und seien auch an Details zum Erkrankungsbild interessiert. Problematisch werde es aber, wenn die Wartezeit für die Informationsnummer vielen zu lang werde und sie anschließend den Notruf wählten. „Das ist kontraproduktiv, wenn es sich nicht um einen Notfall handelt.“

Steigende Corona-Fallzahlen in Esslingen: Testzentrum bei der Messe Stuttgart wird reaktiviert

Neben dem Testzentrum in Nürtingen soll eine weitere Abstrichstelle bei der Messe Stuttgart wiedereröffnen, die bereits im Frühjahr genutzt worden war. Aktuell gibt es Gespräche zwischen dem Kreis, der Malteser-Hilfsorganisation und niedergelassenen Ärzten. „Im Laufe der nächsten Woche soll das Zentrum eröffnet werden“, teilte Landrat Eininger mit.

Nach Ansicht von Rettungsdienstleiter Knapp ist es nun wichtig, wenn sich die Menschen über die Stadt und Medien informieren. Nicht jedes kleine körperliche Wehwehchen solle zu einem Anruf und Besuch der Abstrichstellen führen. „Sonst kommen wir irgendwann an Kapazitätsgrenzen nur um jemanden zu testen, der eigentlich keine Symptome hat“, sagt Knapp.

Rubriklistenbild: © Markus Scholz

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