Esslingens Weg zur Ingenieursstadt

Esslingen und seine Geschichte: Von der Reichsstadt im Mittelalter zur Ingenieursstadt

Die Stadtkirche St. Dionys in Esslingen am Neckar.
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Geschichte ist auch heute noch greifbar: Die Stadtkirche St. Dionys erzählen ebenso wie die Fachwerkhäuser von der Entwicklung der Stadt Esslingen.
  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
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Die Geschichte Esslingens ist lang. Der Aufstieg begann bereits im Mittelalter. Letztlich brachte die Industrialisierung die Stadt ins moderne Zeitalter.  

  • Die Geschichte Esslingens geht bis in die Jungsteinzeit zurück, Funde belegen die Besiedlung des späteren Stadtgebiets.
  • Die Beziehung zwischen Esslingen und Württemberg war lange von Streit und Rivalität geprägt.
  • Nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte sich Esslingen zur "Ingenieursstadt".

Esslingen -  Die Geschichte der Stadt Esslingen reicht weit zurück. Archäologen haben durch Funde belegt, dass die Gegend des heutigen Esslinger Stadtgebiets seit der Jungsteinzeit besiedelt war. Zur Zeit der römischen Herrschaft im ersten Jahrhundert nach Christus, wurde das Esslinger Gebiet Teil des römischen Reiches. Aus späterer Zeit fehlen eindeutige Funde, die aber in näherer Umgebung vorhanden sind und auf eine frühalemannische Besiedlung hindeuten.

Im 6. Jahrhundert prägten die Merowinger die Geschichte von Esslingen. Sie unterwarfen unter Chlodwig I. die Alemannen. Allerdings behielten die Alemannen wichtige Schlüsselpositionen. Dies ermutigte sie, die Herrschaft in Esslingen wieder zurückzuerlangen. Der Versuch scheiterte jedoch im Jahr 746: Beim „Blutgericht zu Cannstatt“ wurden Tausende Alemannen - fast die gesamte Herrscherkaste - hingerichtet.

Geschichte von Esslingen: Streit mit Württemberg, der Dreißigjährige Krieg und die Erbfolgekriege

Die erste Erwähnung Esslingens stammt von 777. In einer Urkunde wird Esslingen 866 als „Hetsilinga“ erstmals im Zusammenhang mit dem Marktrecht genannt, das aber vermutlich schon um das Jahr 800 verliehen wurde. Die Geschichte von „Hetsilinga“ ist die eines aufstrebenden Ortes, nicht nur wegen des Marktrechtes. Besonders das ansässige Kloster und die Lage spielten eine Rolle. Noch heute prägen sie die Kultur in Esslingen. Dass die Stadt schon im 10. Und 11. Jahrhundert bedeutend war, beweist der Betrieb einer Münzprägestätte zwischen 950 und 1050.

Auch der von Rudolf von Rheinfelden abgehaltene Fürstentag des Jahres 1077 in Esslingen bekräftige die Bedeutung des Ortes. Das Jahr war auch darüber hinaus prägend für die Geschichte der Stadt. Denn 1077 zog Heinrich IV. gegen seinen Widersacher Rudolf in die Schlacht bei Esslingen. Am Ende fiel die Stadt an die Staufer. Für die Entwicklung Esslingens war das allerdings nicht von Nachteil. Im 13. Jahrhundert setzte in Esslingen ein Bauboom ein. Klöster und Brücken wurden errichtet, die Kirche St. Vitalis ausgebaut. 1229 wird erstmals das Esslinger Stadtrecht erwähnt.

Geschichte von Esslingen ist geprägt von Streit und Schlachten

Die Geschichte von Esslingen und Württemberg ist geprägt von Streit und Rivalität. 1246 begann die Auseinandersetzung mit Württemberg, die jahrhundertelang andauern sollte. Esslingen entschied sich nämlich in einer Schlacht, nicht an der Seite des Grafen von Württemberg zu kämpfen, sondern auf Seiten der Staufer. Im Laufe mehrerer Jahrhunderte änderten sich die Herrschaftsverhältnisse, eine Folge der Streitereien war die Gründung des schwäbischen Bundes.
Auch die Lehren von Martin Luther gingen an Esslingen nicht spurlos vorbei. Ab 1522 gab es in der Stadt auch evangelische Predigten. Esslingen zeigte Flagge und trat 1531 dem Schmalkaldischen Bund bei, einem Bündnis protestantischer Fürsten und Städte.

Eine weiteres, bedeutendes Datum in der Geschichte von Esslingen war das Jahr 1618: Der Dreißigjährige Krieg begann. Esslingen litt stark unter den Folgen. Nach der Schlacht bei Nördlingen, suchten 12.000 Flüchtlinge Schutz in der Stadt. Die Folge: Die Pest brach aus. Mehr als die Hälfte der Einwohner kam ums Leben. Am Ende des Krieges war Esslingen ruiniert. Der Westfälische Frieden 1648 erhielt der Stadt allerdings ihre Selbstständigkeit. Schon 1688 folgte der Pfälzische Erbfolgekrieg, die Franzosen besetzten Esslingen. 1701 wurde die Stadt bei einem Brand teilweise stark verwüstet. Doch die Esslinger begannen mit dem Wiederaufbau. Aber schon 1707 erfolgte eine erneute Besetzung infolge des Spanischen Erbfolgekrieges.

NS-Zeit, Eisenbahn-Tragödie, Ingenieursstadt Esslingen

Nach dem ersten Weltkrieg war Esslingen während der Weimarer Republik Schauplatz von Unruhen. 1919 übernahmen Kommunisten die Führung der Stadt. 1922 gründete sich auch in Esslingen eine Gruppe einer noch kleinen Splitterpartei: Die NSDAP. Die Geschichte ist bekannt, auch in Esslingen wurden Juden schikaniert, deportiert und in Konzentrationslagern ermordet. Erst am 22. April 1945 fand die Judenverfolgung und der Krieg ein Ende, die Amerikaner besetzten Esslingen.

Die größte Tragödie in der jüngeren Geschichte Esslingens war der Eisenbahnunfall 1961: Zwischen den Bahnhöfen Esslingen und Mettingen prallten zwei Züge frontal zusammen, 35 Menschen kamen dabei ums Leben. Eine Herausforderung der Ingenieursstadt Esslingen in der Gegenwart ist die Entstehung der neuen Weststadt. Dabei werden der ehemalige Güterbahnhof und das angrenzende, ehemalige Gelände des Nahrungsmittelherstellers Hengstenberg zu einem Wohn- und Gewerbegebiet umgewandelt. Bislang wurden davon allerdings nur ein Studentenwohnheim sowie kleinere Umnutzungen bestehender Gebäude verwirklicht.

Von Andreas Gaubatz

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