300 Mitarbeiter vor dem Aus

Daimler-Zulieferer schließt Werk in Esslingen - trotz verzweifeltem Kampf der Mitarbeiter

Fotomontage: links: der Daimler-Stern vor einem dunklen wolkigen Hintergrund, rechts: Der Firmensitz von Eberspächer in Esslingen
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Der Daimler-Zulieferer Eberspächer schließt sein Produktionswerk am Stammsitz in Esslingen.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Die Daimler AG steckt in der Krise. Nun gibt ein weiterer Zulieferer bekannt, eines seiner Werke zu schließen. 300 Mitarbeitern in Esslingen droht das Aus.

Esslingen - In den ersten beiden Quartalen des Jahres 2020 musste die Daimler AG schwere Verluste hinnehmen, die sich im Milliardenbereich bewegen. Schon vor der Corona-Pandemie hatte Vorstandsvorsitzender Ola Källenius dem Fahrzeughersteller einen strengen Sparkurs auferlegt - Kritiker hatten dem Vorstand des Autobauers in einer gnadenlosen Abrechnung bereits das Versagen der Daimler AG vorgeworfen. Unter anderem macht dem Fahrzeughersteller der Abgas-Skandal schwer zu schaffen.

Schuld an der aktuell schlechten Situation des Fahrzeugherstellers aus Stuttgart hatten jedoch auch die Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg, die der Wirtschaft im Südwesten stark zusetzen. Die Autobranche wird von den negativen Folgen der Pandemie mit voller Wucht getroffen. Zudem befindet sich die Daimler AG derzeit ohnehin in einer kostspieligen Phase der Umstrukturierung - zukünftig soll verstärkt in die Elektromobilität investiert werden. Arbeitsplätze, die am Verbrenner hängen, sind daher stark gefährdet. Fachleute warnten aus diesem Grund vor dem großen Erwachen.

Daimler AG: Zulieferer des Fahrzeugherstellers schließt sein Werk in Esslingen - 300 Mitarbeiter betroffen

Auch branchennahe Unternehmen sind von Massensterben und Job-Vernichtung betroffen, was durch die Fahrzeughersteller begünstigt wird. Mehrere Daimler-Zulieferer stehen vor massivem Stellenabbau - für tausende Mitarbeiter könnte dies das Aus bedeuten. Dazu gehören unter anderem 300 Angestellte von Eberspächer.

Wie die Deutsche Presseagentur (dpa) am Freitagmorgen berichtet, plant das Unternehmen, das auf die Herstellung von Abgastechnik, Fahrzeugelektronik sowie Klimaanlagen und Heizungen in Autos spezialisiert ist, bis Ende 2021 sein Produktionswerk am Stammsitz in Esslingen zu schließen. Schon im Mai hatte der Zulieferer der Daimler AG angekündigt, die Produktion von Fahrzeugheizungen nach Polen verlagern zu wollen.

Die Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg sollen jedoch nur teilweise der Grund für die Werksschließung von Eberspächer sein - den Prozess hätten sie lediglich beschleunigt. Vor allem strukturelle Probleme sollen laut dpa zu der Entscheidung geführt haben. Das Unternehmen, das neben der Daimler AG viele weitere Fahrzeughersteller beliefert, beschäftigt deutschlandweit etwa 10.000 Mitarbeiter an elf Standorten.

Noch am Mittwoch demonstrierten laut Esslinger Zeitung etwa 100 Angestellte des Daimler-Zulieferers in Stuttgart-Vaihingen vor dem Pullman-Hotel, während im Hausinneren über ihr Schicksal entschieden wurde. Ändern konnten sie an der Werksschließung nichts mehr. Nach Angaben der dpa sei für sie jedoch ein Sozialplan sowie die Gründung einer Transfergesellschaft vereinbart worden. Nach Schließung des Werks Ende 2021 konzertiert sich Eberspächer am Unternehmensstandort in Esslingen mit 1.000 Mitarbeiter weiterhin auf Bereiche wie Forschung und Entwicklung, Verwaltung und Vertrieb.

300 Mitarbeiter vor dem Aus: Daimler-Zulieferer Eberspächer schließt Ende 2021 Werk in Esslingen

Die deutsche Autobranche steckt in der Krise. Der Strukturwandel in Richtung Elektromobilität kostet viele Hersteller Milliarden. Dennoch stieß der Konzern sein Werk in Hambach ab und hinterließ Verzweiflung bei den Mitarbeitern - bis dato wurde dort der vollelektrische Smart produziert. Eine Studie zeigte zudem jüngst ein erstaunliches Ergebnis: E-Mobilität könnte Daimler und Co. weniger schaden als gedacht.

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