Persiflage mit ernstem Hintergrund

„Wir arbeiten uns den Arsch auf“: Klinikum kontert mit Video „Wir halten zusammen“-Spot der Regierung

  • Julian Baumann
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Das Klinikum Esslingen konterte mit einem Video den umstrittenen Corona-Spot der Bundesregierung und bewies darin eine Menge Humor. 

Esslingen - Das Coronavirus hält Baden-Württemberg nun schon seit mehr als zehn Monaten in Atem. Der Landkreis Esslingen war bereits in der ersten Hochphase im Frühjahr besonders betroffen und wurde vor wenigen Wochen als einer der ersten Kreise zum Hotspot erklärt.

Esslingen führte Corona-Beschränkungen ein. Immer mehr Landkreise in Baden-Württemberg zogen nach. Die anhaltende Pandemie stellt besonders die Mitarbeiter der medizinischen Einrichtungen vor Herausforderungen. Neben den Mitarbeitern der Krankenhäuser in Stuttgart kämpft auch das Personal an den Kliniken in Esslingen täglich gegen Covid-19.

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Weil sich das Coronavirus immer weiter in Baden-Württemberg ausbreitete, beschloss die Landesregierung einen Teil-Lockdown, der am Montag vor zwei Wochen in Kraft trat. Für viele Menschen waren die neuen Beschränkungen ein Schock. Mit einem Video auf der Plattform YouTube rief die Bundesregierung deshalb die Bevölkerung zu mehr Zusammenhalt in der Corona-Krise auf.

Doch der Spot der Regierung stieß auf Kritik. Faulenzer seien die neuen Helden, so die Botschaft des ironischen Videos. Vielen erschien das unpassend angesichts der wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Probleme, die das Coronavirus schafft. Mit einem eigenen Video reagierte nun das Klinikum Esslingen auf den Spot und lenkte den Blick mit Humor auf die „richtigen Helden“.

Coronavirus: Klinikum Esslingen reagiert auf Spot der Bundesregierung

In den auf YouTube veröffentlichten Videos der Bundesregierung geht es theoretisch nur um eine Sache: Nichts zu tun, zu Hause zu bleiben und so das Coronavirus zu bekämpfen. Zu sehen ist ein älteres Paar, dass sich nostalgisch an das Jahr 2020 erinnert, als die beiden noch jung waren und sich gerade erst kennengelernt hatten. „Wir waren neugierig: Auf das Leben, auf unsere gemeinsame Zukunft“, sagt die Frau in dem Spot. „Aber dann änderte sich plötzlich alles und das ganze Land schaute voller Hoffnung auf uns junge Leute“. Die jungen Leute hätten im Jahr 2020 „das einzig Richtige“ getan. „Wir taten nichts“.

In dem Video der Regierung heißt es weiter: „Unsere Couch war die Front. Und unsere Geduld unsere Waffe“. Am Ende des Clips ernennt die Bundesregierung jeden, der zuhause bleibt zum Helden. Für die Mitarbeiter und Ärzte am Klinikum Esslingen sei „das einzig Richtige“ etwas völlig anderes gewesen, heißt es in dem Clip, das eine Persiflage auf das Regierungsvideo ist. „Wir arbeiten uns den Arsch auf“, sagte Christian von Schnakenburg, der Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik in Esslingen.

Während der Krise durch das Coronavirus in Baden-Württemberg sei die Notaufnahme ihre Front und ihre Ausbildung die Waffe gewesen, sagt der Mediziner in dem Video der Esslinger Klinik weiter. „Wir kämpften um das Überleben unserer Patienten und für die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung – zusammen mit unseren niedergelassenen Kollegen“.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Spontane Idee mit ernstem Hintergrund

Laut Informationen der Stuttgarter Nachrichten kam den Medizinern am Montagmorgen spontan die Idee, eine Reaktion auf das Regierungsvideo zu drehen. Kurze Zeit später hätten auch schon die Dreharbeiten begonnen. Das Video des Klinikums Esslingen soll zwar amüsieren, hat jedoch auch einen ernsten Hintergrund.

„Uns ist schon klar, was die Bundesregierung mit diesem Video aussagen wollte“, sagte Pressesprecherin Anja Dietze den StN. Es sei jedoch wichtig, den Blick auf die richtigen Helden in der Krise durch das Coronavirus in Baden-Württemberg zu lenken. „Wir haben hier im Klinikum Massen an Helden. Das wurde in dem Video der Bundesregierung vergessen“, sagte Dietze.

Das Video des Klinikums sei jedoch nicht als Kritik zu verstehen, sagte die Pressesprecherin des Klinikums Esslingen. Dem Gesundheitssystem sei es natürlich ebenso wichtig, dass sich die Bevölkerung lieber zu Hause aufhält und nichts macht, statt sich gegenseitig mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg anzustecken.

Rubriklistenbild: © Screenshot/Klinikum Esslingen/Youtube

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