Spezielles Farm-Konzept

„In Deutschland einzigartig“: Familie Schaber hält 190 Alpakas in Nürtingen

  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
    schließen

Bei Familie Schaber in Nürtingen lebt eine riesige Horde Alpakas. Neben Trekking-Touren mit den Tieren bietet die Farm einen großen Hofladen sowie Seminarräume für Firmen. Das Konzept ist in Deutschland einmalig.

Nürtingen - Flauschiges Fell, große Knopfaugen und kleiner Kopf: Der Anblick von Alpakas löst bei vielen Menschen ein wohliges Gefühl aus. In den vergangenen Jahren hat sich das Alpaka zum regelrechten Trend-Tier entwickelt, Touren mit den kuschligen Paarhufern boomen. Auf der Alpaka-Farm Schaber in Nürtingen (Kreis Esslingen) leben gleich 190 der sympathischen Tiere. Nachdem Inhaber Ulrich Schaber sich 2003 seine ersten drei Alpakas auf dem landwirtschaftlichen Hauptfest in Stuttgart gekauft hat, kann er sich den netten Wesen nicht mehr entziehen.

„In den Anfängen haben wir den Schwerpunkt noch auf die Zucht gelegt - jetzt nicht mehr“, sagt Schaber im Gespräch mit BW24. „2010 haben wir angefangen mit den Trekking-Touren. Inzwischen empfangen wir jedes Wochenende mehrere Besuchergruppen und betreiben nebenher einen Hofladen, in dem wir Produkte aus Alpaka-Wolle verkaufen - zum Beispiel Mützen, Schals, Bettwäsche, Strickjacken und Socken.“ Auf dem 13 Hektar großen Hof gibt es zudem Seminar- und Eventräume für Firmen.

Alpaka-Farm Schaber in Nürtingen: Das Wohl der Tiere wird großgeschrieben

Wer mit Ulrich Schaber spricht, merkt sofort, wie sehr ihm seine Tiere am Herzen liegen. „Alpakas sind unglaublich liebevolle, friedliche Tiere. Sie sind anmutig und stolz und so sollte man sie auch behandeln.“ Anstatt die Fellnasen zu überfordern, achtet Schaber darauf, die Tiere nur jeweils zwei bis drei Stunden pro Woche auf Spaziergänge mit Besuchern zu schicken. „Wenn sie zu oft laufen, streiken die Tiere irgendwann. Wir wollen sie nicht verheizen.“

Neugierig, aber stets mit Zurückhaltung, beobachten die Alpakas auf Schabers Farm die Besucher.

Dass seine Alpakas eine ganz besondere Wirkung auf die Besucher haben, erlebt Ulrich Schaber immer wieder. „Jeder, der die Farm verlässt, tut das mit einem Lächeln.“ Nicht umsonst würden Alpakas auch in der Psychotherapie eingesetzt, um beispielsweise das Selbstbewusstsein von Kindern zu stärken. „Vor rund fünf Jahren war hier ein Junge zu Besuch, der Klumpfüße hatte (angeborene Fehlbildung, Anm. d. Red.). Dieser Junge ist mit den Alpakas so weit gelaufen wie nie zuvor in seinem Leben.“

Alpaka-Farm in Nürtingen: Besitzer Ulrich Schaber kennt jedes Tier mit Namen

Trotz der großen Anzahl an Tieren kennt Schaber jedes seiner Alpakas persönlich. „Jedes einzelne hat einen ganz individuellen Charakter.“ Für die Namensgebung sei seine Frau zuständig. „Die Kinder bekommen immer denselben Anfangsbuchstaben wie ihre Mutter. So können wir sie besser zuordnen.“ In der Regel erblicken auf der Farm jährlich 30 bis 35 Fohlen das Licht der Welt. Damit die Geburten nicht unkontrolliert stattfinden, trennt Schaber die Stuten von den Hengsten. Neugeborene Fohlen, die zur Herde stoßen, werden zunächst von allen beschnuppert und dann umgehend in die Gruppe aufgenommen. „Hier herrscht der reinste Friede“, so Schaber. „Wir Menschen können von den Alpakas viel lernen - bei ihnen gibt es keine Ellbogengesellschaft.“

Neben ihrer beruhigenden Art haben die Alpakas noch einen weiteren Vorteil: Aus ihrem Fell kann man wunderbar flauschige Wolle machen. Jedes Jahr im April werden die Tiere geschoren. 80 Prozent davon landet in Bettdecken, 10 Prozent in Garn und 5 Prozent in Socken. „Die Alpaka-Wolle, die zum Beispiel in Bettdecken verarbeitet wird, hilft sehr gut gegen Krankheiten wie Neurodermitis oder Rheuma“, erklärt Schaber. Besonders weich sei die Wolle der Baby-Alpakas. „Bis die Tiere zwei Jahre alt sind, ist ihre Wolle am flauschigsten. Danach wird sie etwas gröber.“

Im Hofladen der Alpaka-Farm Schaber werden allerlei Produkte aus Alpaka-Wolle von den eigenen Tieren angeboten.

Alpaka-Farm Schaber: Jedes Tier nimmt pro Tag ein Kilogramm Heu zu sich

Der Tagesablauf auf der Farm, auf der Ulrich Schaber neben drei Guides für die Touren auch drei Mitarbeiter beschäftigt, ist gut durchgetaktet. Im Winter bekommen die Tiere jeden Morgen zwischen 8 und 9 Uhr eine große Ladung Heu. Pro Tag nimmt jedes Alpaka rund ein Kilo davon zu sich. Im Sommer stehen sie bereits vom Morgen an auf der Weide und essen Gras. „Auch im Sommer bekommen die Tiere von uns neben dem Gras auch Heu. Das brauchen sie für eine gute Magen-Darm-Flora und gehört zur Grundversorgung.“

Fakten über Alpakas

Alpakas stammen ursprünglich aus den südamerikanischen Anden und werden überwiegend wegen ihrer Wolle gezüchtet. Es gibt zwei Alpaka-Typen: Die Huacayas und die eher seltenen Suris. Weltweit besteht die Alpaka-Population aus 95 Prozent Huacayas und 5 Prozent Suris. Während Huacayas eine feine, gleichmäßig gekräuselte Faser haben, bildet das Haar der Suri gelockte, geradere Strähnen, die am Tier herabhängen. Auch Schabers Farm besitzt hauptsächlich Huacayas und nur insgesamt vier Suris.

Schaber versucht stets, seinen Besuchern ein grundlegendes Verständnis über die Tiere mitzugeben. Gerade, wenn aufgedrehte Kindergruppen da seien, passiere es manchmal, dass die Alpakas Angst bekommen. „Alpakas sind eigentlich Fluchttiere“, erklärt Schaber. Ruckartige Bewegungen und schrille Laute können sie leicht verschrecken. „Einige Besucher wollen die Alpakas am Kopf streicheln. Das mögen sie aber eigentlich gar nicht. Besser ist es, sie mit dem Handrücken am Bauch und Rücken zu streicheln.“ Weitere Informationen zur Farm sowie die Möglichkeit zur Buchung von Touren finden Interessierte unter www.alpakafarm.com.

Rubriklistenbild: © Sina Alonso Garcia/BW24

Kommentare