Abenteuer im Weltall

ESA sucht Astronauten: Alexander Gerst erklärt, welche Fähigkeiten der perfekte Kandidat braucht

Personal hilft dem Besatzungsmitglied der Internationalen Raumstation (ISS), Alexander Gerst aus Deutschland, nach der Landung aus der Sojus-Raumkapsel in der Nähe der Stadt Scheskasgan.
+
Die Raumfahrtagentur ESA sucht neue Astronauten. Alexander Gerst erklärt, dass man keine „Superkräfte“ haben muss.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
    schließen

Die europäische Raumfahrtagentur ESA sucht zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder nach neuen Astronauten. Der gebürtige Baden-Württemberger und Astronaut Alexander Gerst erklärt, welche Fähigkeiten man für diesen ungewöhnlichen Job mitbringen muss.

Köln/Paris/Hohenlohekreis - Das Weltall ist aufgrund seiner grenzenlosen Dimensionen noch immer ein aufregendes Mysterium. Während Forscher und Entdecker auf unserem Planeten Erde inzwischen nahezu alle Geheimnisse entdeckt haben - obwohl es hin und wieder noch Überraschungsfunde gibt - ist das All noch weitgehend unerforscht und aufregend neu. Seit der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin am 12. April 1961 als erste Mensch einmal die Erde umrundete, waren jedoch bereits einige Männer und Frauen in zuvor unbekannten Sphären unterwegs. Darunter auch der gebürtige Baden-Württemberger Alexander Gerst, der seinen ersten Raumflug am 28. Mai 2014 startete und bis zum 10. November 2014 auf der internationalen Raumstation ISS war.

Inzwischen war Alexander Gerst, der in Künzelsau im Hohenlohekreis geboren ist, bereits zum zweiten Mal für eine längere Zeit im All und übernahm auch für mehrere Monate als erster deutscher Astronaut die Rolle des ISS-Kommandanten. Die europäische Raumfahrtagentur ESA sucht nun zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt neue Astronauten. Im Gespräch mit der Kölner Rundschau erklärte Alexander Gerst, welche Fähigkeiten der optimale Kandidat haben muss.

ESA sucht neue Astronauten: „Wir suchen keine Supermänner oder Superfrauen“

Astronaut werden, sehen viele Menschen als Ding der Unmöglichkeit an. Grund dafür ist wohl auch die Stilisierung der Raumfahrer als Helden mit außergewöhnlichen Fähigkeiten in Filmen und Serien. Dabei müsse man als Astronaut kein „Superman“ sein, sagt Alexander Gerst im Gespräch mit der Kölner Rundschau. Als er seine erste Bewerbung im Jahr 2008 an die ESA sandte, sei er jedoch selbst auch davon ausgegangen, nicht genommen zu werden. „Ich dachte, Astronauten müssten Supermänner sein - und mir war ja klar, ich hingegen bin nur ein Mensch“, so der studierte Geophysiker. „Außerdem kannte ich die Statistik. Da bewerben sich Tausende Menschen, ausgewählt werden aber nur vier bis sechs.“

Eben das ist auch der Grund, warum viele von ihrem Traum absehen und nicht mal versuchen, sich als Astronaut zu bewerben. Laut Alexander Gerst ist es jedoch wichtig, dem Traum eine Chance zu geben. Dabei seien die optimalen Kandidaten für diesen ungewöhnlichen und begehrten Job eben keine Supermänner oder Superfrauen. „Es mag komisch klingen, aber ein Bewerber oder eine Bewerberin mit durchschnittlichen Fähigkeiten in allen wichtigen Bereichen ist oft der beste Kandidat“, sagte Gerst. „Es geht nicht darum, bereits alles zu wissen oder zu können, sondern darum, wie schnell man sich Neues aneignen kann.“

Der Astronaut, der neben dem großen Verdienstkreuz und der Ehrensenatorenwürde der Universität Hamburg auch den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) erhalten hat, fing wie alle anderen bei Null an. „Um es klipp und klar zu sagen: Wir suchen keine Supermänner und Superfrauen“, sagte Alexander Gerst. „Im Gegenteil. Es bringt nicht einmal etwas, wenn man ein besonderes Supertalent hat.“ Viel wichtiger sei, dass man keine besonderen Schwächen in bestimmten Bereichen habe.“

ESA-Astronauten: Bewerbung noch bis Ende Mai möglich - „Noch nicht klar, wer mitfliegt“

Die von der ESA gesuchten neuen Astronauten müssen demnach keine Männer und Frauen mit Superkräften sein. Ganz explizit sucht die Raumfahrtagentur mit Hauptsitz in der französischen Hauptstadt Paris auch nach Kandidaten mit einem bestimmten Grad an körperlicher Behinderung. „Keiner von uns ist für das Leben in der Schwerelosigkeit gebaut. Auch Menschen mit gesunden Füßen haben dort ihre Nachteile“, sagte Alexander Gerst im Gespräch mit der Kölner Rundschau. „Warum sollte man dann nicht Menschen mitnehmen, die dieses Gefühl von der Erde kennen und damit besser umgehen können?“

Im Jahr 2022 startet ein europäischer Astronaut zu einem Erkundungsflug in Richtung Mond, die Raumschiffe werden derzeit noch gebaut. „Ein faszinierendes Abenteuer. Aber noch ist nicht klar, wer mitfliegt“, so Alexander Gerst. „Alle erfahrenen Astronauten und Astronautinnen im europäischen Korps sind dafür prädestiniert.“ Auch er stehe weiterhin für Missionen ins All zur Verfügung. Den blauen Planeten von Hunderten Kilometern Entfernung zu sehen, löst bei vielen einen besonderen Reiz aus. Für Gerst ist das jedoch nicht das Einzige, was er aktuell vermisst. „Der Blick richtet sich auf unseren blauen Planeten“, sagte er. „Aber die Perspektive umfasst auch das Bewusstsein, wo ich bin.“

Die Bewerbung als Astronaut für die ESA startet am heutigen Mittwoch, dem 31. März. Bewerbungen können noch bis zum 28. Mai online eingereicht werden, berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa). Insgesamt hat das Auswahlverfahren sechs Stufen, die neue Raumfahrt-Crew der ESA soll erst im Herbst 2022 endgültig feststehen. Alexander Gerst hat an der Universität Karlsruhe Geophysik studiert und auch die Universität Stuttgart bietet einen Studiengang an, der für einen Astronauten wohl gut geeignet sein dürfte. „Im Studium Luft- und Raumfahrttechnik dreht sich alles rund ums Fliegen, innerhalb und außerhalb der Erdatmosphäre“, heißt es auf der Seite der Universität.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare