Pistolen-Räuber aus Oppenau

Flüchtiger von Oppenau entwaffnete die vier Polizisten anscheinend mit Schreckschusspistole

Ein Mann lädt eine Schreckschusspistole mit Platzpatronen. Die Signal-Waffen sind optisch kaum von echten Pistolen zu unterscheiden.
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Ermittlungen in Oppenau: Der Täter bedrohte die Polizisten nach eigenen Angaben mit einer Schreckschusswaffe (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Tagelang fahndete die Polizei nach dem flüchtigen 31-Jährigen in Oppenau - bis sie ihn am Freitag fand. Nun kam heraus, dass er die vier Beamten mit einer Schreckschusspistole entwaffnet haben könnte.

  • Nach der Verhaftung des bewaffneten 31-Jährigen laufen die Ermittlungen in Oppenau auf Hochtouren. Der Pistolen-Räuber versteckte sich sechs Tage lang erfolgreich vor der Polizei.
  • Seit Freitag kann die kleine Gemeinde im Schwarzwald aufatmen. Der Pistolen-Räuber sitzt in Untersuchungshaft.
  • Inzwischen machte der 31-Jährige weitere Angaben gegenüber der Polizei. Die Waffe, mit der der Mann vier Polizeibeamte bedrohte, ist laut eigener Aussage eine Schreckschusspistole gewesen.

Oppenau - Nach der Verhaftung des bewaffneten 31-Jährigen laufen die Ermittlungen in Oppenau auf Hochtouren. Das beschauliche Örtchen dominierte für mehrere Tage die Schlagzeilen. Nicht nur Publikationen aus Baden-Württemberg, sondern Medien aus ganz Deutschland berichteten von der Flucht des „Schwarzwald-Rambos“. Anwohner des Ortes bezeichneten den Flüchtigen von Oppenau als „seltsame Person“. Laut Angaben der Badischen Zeitung berichtete sogar die New York Times über die ungewöhnliche Entwaffnung von vier Polizeibeamten durch einen einzelnen Mann.

Die aufsehenerregende Fahndung, die Oppenau (Ortenaukreis) weit über die Grenzen der Schwarzwaldregion hinaus bekannt machte, begann am Sonntag an einer Waldhütte. Der inzwischen inhaftierte Mann hatte die Hütte besetzt und sich häuslich eingerichtet. Der Besitzer verständigte die Polizei. Vier Beamte kontrollierten die Waldhütte bei Oppenau und konfrontierten den Verdächtigen. Im weiteren Verlauf bedrohte der 31-Jährige die Polizisten mit einer Pistole und nahm ihnen die Dienstwaffen ab. Anschließend flüchtete er in den Wald und versteckte sich für mehrere Tage erfolgreich vor den Polizeikräften. Die Ermittlungen in Oppenau dauern auch nach der Festnahme am Freitag an.

Ermittlungen in Oppenau: Zeugen und ein Polizeihund führten auf die Fährte des Flüchtigen

Laut einer Pressemitteilung der Polizei Offenburg habe sich der Flüchtige die ganze Zeit in den Wäldern um Oppenau aufgehalten. Bei der Suche nach dem bewaffneten Mann erhielt die Polizei in Oppenau sogar Unterstützung von Survival-Experten. Zu der Festnahme kam es jedoch durch zwei Zeugen und einem Polizeihund. Die Flucht des Waffenfanatikers endete am Freitag in einem Gebüsch. Die Beamten fanden den Mann mit den vier Dienstwaffen vor sich, auf seinem Schoss soll ein Beil gelegen haben.

Nach den ersten Ermittlungen in Oppenau habe der Täter keine Unterstützung von anderen Personen erhalten. Der 31-Jährige machte gegenüber der Kriminalpolizei umfassende Angaben, wie die Polizei Offenburg mitteilte. Er sagte demnach aus, dass es sich bei der Pistole, mit der er die Beamten bedroht hatte, um eine Schreckschusspistole gehandelt habe. Diese Angabe widerlegte die Polizei bislang nicht, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Sonntag nach der Festnahme berichtete.

Ermittlungen in Oppenau: Hatte der „Schwarzwald-Rambo“ gar keine echte Pistole?

Die Fahndung nach dem Mann brachte immer neue Erkenntnisse ans Licht. Die Ermittler bezeichneten den 31-Jährigen als „Waffennarr“, er selbst sieht sich als „Waldläufer“, der sich gut in den Wäldern um Oppenau auskennt. Das erklärt demnach die für mehrere Tage erfolgreiche Flucht. Für einigen Wirbel in den Medien sorgte auch die Frage, wie sich vier Polizeibeamte von einem einzelnen Mann haben entwaffnen lassen können.

Im Zuge der Fahndung gab der Polizeipräsident von Offenburg, Reinhard Renter laut der dpa zunächst bekannt, dass die Beamten bei der Konfrontation in Lebensgefahr gewesen seien. Zu dem Zeitpunkt war der Polizei nicht bekannt, dass es sich bei der Waffe um eine Schreckschusspistole handelte. Die Polizisten hätten bei der Kontrolle demnach „alles richtig gemacht“. Die Ermittlungen in Oppenau sollen nun klären, ob es sich tatsächlich um eine Signal-Waffe gehandelt habe.

Ermittlungen in Oppenau: Keine echte Waffe, aber eine echte Bedrohung

Eine Schreckschusspistole verschießt im Gegensatz zu einer normalen Waffe keine Projektile, sondern Platz- oder Reizgaspatronen, die einen lauten Knall erzeugen. Die Signal-Waffen sind optisch nahezu nicht von echten Schusswaffen zu unterscheiden. Obwohl der Täter von Oppenau nach dem bisherigen Ermittlungsstand keine echte Waffe benutzt hatte, habe sich die Bedrohung für die Polizisten durchaus echt angefühlt.

Laut Angaben der dpa konzentrieren sich die Ermittlungen in Oppenau auf das private Umfeld des Täters. Auch ein Psychiater begutachtet den Mann. Es werde geklärt, ob der 31-Jährige unter dem Einfluss von Medikamenten, Substanzen oder Rauschmitteln gestanden habe, schreibt die dpa.

Ermittlungen in Oppenau: Täter könnte bei Verurteilung für 15 Jahre ins Gefängnis kommen

Im Zuge der Ermittlungen in Oppenau sei noch unklar, ob der Mann bei seiner endgültigen Festnahme aktiven Widerstand geleistet habe, sagte Einsatzleiter Jürgen Rieger der dpa. Der Vorwurf gegen den 31-Jährigen lautet: Schwere räuberische Erpressung in Tateinheit mit vorsätzlichem unerlaubtem Besitz einer Schusswaffe, wie Polizei und Staatsanwaltschaft im Anschluss an die Verhaftung in einer Pressekonferenz mitteilten.

Die Staatsanwaltschaft klagt den Schwarzwald-Rambo nach eigenen Angaben in acht bis zwölf Wochen an. Der Prozess ist für Ende des Jahres angesetzt. Bei einer Verurteilung könne der Tatverdächtige mit einer Freiheitsstrafe zwischen drei und fünfzehn Jahren rechnen, berichtete die dpa.

Auch in der Landeshauptstadt Stuttgart führte eine unechte Waffe zu einem Polizeieinsatz. Zeugen meldeten einen Mann mit Pistole am Bahnhof im Stadtteil Bad-Cannstatt. Die Waffe war nicht das, was die Polizei erwartete. Es handelte sich nach Angaben der Polizei Stuttgart um eine Spielzeugwaffe. Auch diese Attrappen sind optisch, wie die Schreckschusspistolen, fast nicht von echten Waffen zu unterscheiden.

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