Erschütterungen am Mittwochabend

„Plötzlich hörte ich ein lautes Grollen“ - Erdbeben erschüttert Region in Baden-Württemberg

  • Anna-Lena Schüchtle
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Am Mittwochabend sorgte in der Region bei Hechingen im Zollernalbkreis ein Erdbeben für Verunsicherung bei einem Teil der Bevölkerung. 50 Personen meldeten die Erschütterungen.

  • In der Region um Hechingen ereignete sich am Mittwochabend ein schwaches Erdbeben.
  • Der Landeserdbebendienst Baden-Württemberg teilte mit, dass es sich dabei um ein Beben der Stärke 2,2 handelte.
  • Die Erschütterungen war zwar schwach, aber spürbar und sorgte bei einem Teil der Bevölkerung für Verunsicherung.

Zollernalbkreis - Baden-Württemberg und seine Landeshauptstadt Stuttgart sind im Vergleich zu anderen Ländern und Regionen dieser Welt weit weniger gefährdet, von einem Erdbeben in verheerendem Ausmaß erschüttert zu werden. Forschungen gibt es diesbezüglich dennoch. Auf dem Campus der Universität Stuttgart entsteht aktuell beispielsweise das erste adaptive Hochhaus der Welt. Der Ultraleichtbau soll sogar Erdbeben trotzen.

Dennoch gibt es auch im Südwesten immer wieder Erdbeben: Am vergangenen Mittwochabend gegen Viertel vor neun Uhr begann beispielsweise in der Umgebung von Hechingen im Zollernalbkreis auf einmal die Erde schwach, aber spürbar zu wackeln - und sorgte bei einigen Bewohnern der Region für Verunsicherung. Etwa 50 Personen meldeten die Erschütterungen dem Landeserdbebendienst Baden-Württemberg.

Erdbeben in der Region bei Hechingen: 50 Personen meldeten Landeserdbebendienst Baden-Württemberg die Erschütterungen

Die Heftigkeit von Erdbeben wird mithilfe sogenannter Seismografen gemessen. Spürbar sind Werte ab Stärke 2 auf einer Richterskala. Zu verheerender Zerstörung in einem Umkreis von Tausenden Kilometern führt dagegen eine seismische Aktivität ab Stärke 9. Das stärkste je gemessene Erdbeben seit Beginn der Aufzeichnungen ereignete sich 1960 in Chile mit einer Stärke von 9,5. Die Erschütterung verursachte eine Verschiebung der Erdachse um drei Zentimeter.

Von einem Erdbeben wie jenem damals in Chile waren die Erschütterungen im Zollernalbkreis am Mittwochabend weit jedoch entfernt. Mit einer Stärke von 2,2 auf der Richterskala, wie der Landeserdbebendienst Baden-Württemberg bekanntgab, befanden sie sich gerade mal im leicht spürbaren Bereich.

Sein Seismograf zeichnet ein Erdbeben auf. (Symbolbild)

Das Epizentrum des Bebens befand sich wenige Kilometer nordöstlich von Hechingen zwischen der B27 und Beuren. Dort kam es in einer Tiefe von circa zehn Kilometern zu zu einer ruckartigen Bewegung der Gesteinsschichten, die die Erschütterungen auslösten. Eine Bewohnerin von Belsen, etwa acht Kilometer nördlich von Hechingen, berichtete der Südwest Presse, dass sie zum Zeitpunkt des Erdbebens auf dem Sofa gesessen sei und Fernsehen geschaut habe. „Plötzlich hörte ich ein lautes Grollen. Die Katze hüpfte und schaute mich erschrocken an“, wird die Zeugin zitiert.

Auf Social Media erinnerte sich der ein oder andere in Bezug auf die schwachen Erschütterungen in Hechingen am Mittwochabend an das schwere Erdbeben auf der Schwäbischen Alb von 1978. Mit Werten auf einer Richterskala von bis zur Stärke 8 gilt dieses als eines der heftigsten Erdbeben der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland. „Ich war damals 4“, schreibt eine Kommentatorin. „Und ich habe heute noch Panik, wenn das Haus wackelt“.

Die meisten Bewohner dürften die Erschütterungen aufgrund der Schwäche jedoch gar nicht wahrgenommen haben - das bestätigt auch eine Vielzahl an Kommentaren auf Social Media zu dem Erdbeben bei Hechingen. Zur Wahrnehmung von seismischer Aktivität hat der Landeserdbebendienst Baden-Württemberg Anfang des Jahres im Übrigen eine neue Online-Plattform freigeschaltet. „Für die Auswertung eines Erdbebens sind nicht nur unsere Messungen, sondern auch die Wahrnehmungen aus der Bevölkerung wichtig“, erklärt die Behörde auf ihrer Seite.

Obwohl es unwahrscheinlich scheint, kann also auch Baden-Württemberg das Zentrum von Erdbeben werden. „Die Haupt-Erdbebengebiete in Baden-Württemberg liegen am Oberrheingraben, seinen Randgebieten und auf der Schwäbischen Alb bei Albstadt“, sagte Experte Wolfgang Brüstle vom Landeserdbebendienst 2016 dem SWR. „Der Grund für die Erdbeben sind wie überall tektonische Spannungen im Untergrund.“ Der Oberrheingraben sei durchzogen von Brüchen, die zu diesen Spannungen führen. Die Schwäbische Alb ist laut dem Experten eine sogenannte Scherzone - ein verformtes Stück der Erdkruste. „Die Albstadt-Scherzone ist seismisch sehr aktiv“, sagte Wolfgang Brüstle dem SWR.

Der Experte erklärt, dass verheerende Erdbeben der Stärke 6,6 und höher wie etwa in Italien prinzipiell auch in Baden-Württemberg möglich seien. „Allerdings sehr viel seltener und damit auch weniger wahrscheinlich als in Italien.“ Schätzungen von Schweizer Forschern zufolge würden in den dicht besiedelten Regionen in Basel und damit auch in Baden-Württemberg bei einem solchen Erdbeben ein Viertel aller Gebäude zerstört werden. Tausende Menschen könnten sterben.

Rubriklistenbild: © Google Maps /BW24

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