Brandgefahr bei Elektroautos

Hessische Feuerwehr findet Lösung für das gefährlichste Problem von E-Autos

Nachdem der Brand gelöscht ist, wird das Elektro-Auto wie in eine Tüte eingepackt. Das Wasser, das anschießend hineingepumpt wird, dringt in den Akku ein und kühlt. So wird ein erneutes Entflammen verhindert.
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Nachdem der Brand gelöscht ist, wird das Elektro-Auto wie in eine Tüte eingepackt. Das Wasser, das anschießend hineingepumpt wird, dringt in den Akku ein und kühlt. So wird ein erneutes Entflammen verhindert.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Brennende E-Autos sind für die Einsatzkräfte besonders herausfordernd. Die Feuerwehr im hessischen Hochtaunuskreis entwickelte nun ein völlig neues Löschkonzept.

Stuttgart/Bad Homburg - Batteriebetriebene Fahrzeuge gelten als die Autos der Zukunft. Deutsche Autobauer wie Daimler und Porsche fokussieren sich immer mehr auf die wegweisende Technologie und der vermeintliche Marktführer Tesla baut seit jeher nur E-Autos. Inzwischen sind bereits viele E-Autos von verschiedenen Marken auf den deutschen Straßen unterwegs. Die Kritik an den batteriebetriebenen Modellen reißt jedoch nicht ab. Ein Kritikpunkt, der aktuell besonders oft genannt wird, ist die mangelnde Sicherheit der E-Autos im Brandfall.

Eine Studie der Allianz-Versicherung ergab zwar, dass E-Autos nicht häufiger Feuer fangen als Modelle mit Verbrenner-Antrieb. Im Brandfall stellen die Stromer die Feuerwehren jedoch vor besondere Herausforderungen, wie mehrere Vorfälle in den vergangenen Monaten zeigten. Anfang des Jahres machte ein „hochgefährlicher Vorfall“ mit einem E-Mercedes an einer Ladesäule der Feuerwehr Biberach Probleme und wenig später brannten zwei elektrische Fahrzeuge der Post in Staufen ab. In Bad Homburg (Hochtaunuskreis, Hessen) entwickelte die Feuerwehr einen speziellen „Recover-E-Bag“, berichtet die Hessenschau.

E-Autos: Feuerwehr in Hessen leistet Pionierarbeit bei der Brandbekämpfung

Welche fatalen Folgen ein brennendes E-Fahrzeug haben kann, zeigte vor wenigen Wochen ein Vorfall in der Landeshauptstadt Stuttgart. Ein E-Bus verursachte einen Großbrand in einem Stuttgarter Busdepot. Für große E-Fahrzeuge wie Busse oder auch elektrische Lastwagen, wie sie von der Daimler AG gebaut werden, ist der „Recover-E-Bag“ einer Feuerwehr aus Hessen wohl nicht geeignet. Dennoch leistete die Kreisfeuerwehr Bad Homburg mit ihrer Erfindung Pionierarbeit bei der Brandbekämpfung von E-Autos.

Allein der Aufwand der Feuerwehren ist bei einem E-Auto-Brand deutlich höher als bei einem normalen Auto. „Ein normales Auto löscht man in einer Viertelstunde ab und braucht dafür 500 Liter Wasser“, sagte Peter Bachmeier, Vorsitzender des Fachausschusses Vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz der deutschen Feuerwehren laut einem Bericht. „Beim E-Auto ist die Feuerwehr hingegen oft zwei bis drei Stunden beschäftigt und braucht 10.000 Liter Wasser.“ Die Feuerwehr Bad Homburg machte sich deshalb bereits vor einem Jahr Gedanken, wie so ein Einsatz künftig schneller und effizienter durchführbar sein könnte, berichtet die Frankfurter Neue Presse* (fnp).

Plastiksack statt Container, doch mit einem vergleichbaren Prinzip

Bei dem zuvor bereits genannten Vorfall mit einem E-Auto der Daimler AG im Kreis Biberach musste die Feuerwehr das Fahrzeug vollständig in einem Container versenken. Das Problem ist nämlich, dass sich das Feuer bei einem E-Auto-Brand immer wieder neu entfachen kann. „In der Batterie kann es zu einer Kettenreaktion von Kurzschlüssen kommen“, schreibt das Auto-Portal mobile.de. Selbst wenn das Feuer gelöscht ist, kann es an anderer Stelle wieder aufflammen. Einmal in Brand gesetzt, erzeugt eine Akkuzelle einen Brand nach dem anderen, so das Portal. Doch nicht alle Feuerwehren sind mit einem solchen Container ausgestattet, weswegen die Erfindung aus Bad Homburg besonders praktisch zu sein scheint.

Die Idee kam laut Angaben eines Feuerwehrmitgliedes von dessen Tochter, die quasi dasselbe Prinzip anwendete, wie die Feuerwehr Biberach mit dem Container. „Bei einem Spiel hat sie ein Bobbycar in eine große Plastiktüte gestellt, Wasser reingeschüttet und gesagt: Das Auto ist jetzt gelöscht“, erklärte er. Der nun einsatzbereite „Revover-E-Bag“ ist im Prinzip eine große Plastikplane, die unter das Auto gelegt und dann entfaltet und festgezurrt wird. In diesen Sack wird dann so lange Wasser gepumpt, bis der Akku vollständig unter Wasser steht, wie die Feuerwehr Bad Homburg laut der fnp* auf dem eigenen Gelände demonstrierte.

Die Erfindung aus Hessen löst gleich mehrere Probleme der Brandbekämpfung von E-Autos. Zum einen sind die Anschaffungskosten im Vergleich mit einem großen Container deutlich geringer, zum anderen wird auch deutlich weniger Wasser benötigt. Zudem kann die Plane auch beim Abtransport an Ort und Stelle bleiben. Laut der Feuerwehr Bad Homburg sei die Rückmeldung der Einsatzkräfte bislang durchweg positiv. Während die Feuerwehren daran arbeiten, E-Auto-Brände besser löschen zu können, wollen Forscher erreichen, dass die Modelle gar nicht erst Feuer fangen. Wissenschaftler aus Singapur könnten das gefährliche Problem der E-Autos gelöst haben. *fnp ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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