Alternative zum Moped

Darauf fahren Jugendliche ab: Dreirad mit vier Reifen erobert Deutschland

Ein Ellenator von hinten. Besonders sind die Hinterreifen, die ganz eng zusammen liegen.
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Der Ellenator sieht auf den ersten Blick aus, als würde er hinten schweben.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Ein Auto, mit dem auch 16-Jährige fahren dürfen, erobert die Straßen. Erfunden hat es ein Tüftler aus dem Allgäu. Mittlerweile verkauft er Fahrzeuge nach ganz Deutschland.

Dösingen - Wer ein Dreirad-Auto auf der Straße sieht, dürfte erst mal perplex sein. Statt zwei Rädern links und rechts an der Hinterachse hat der „Ellenator“ hinten zwei Räder in der Mitte. Damit gilt er als Dreirad. Was recht drollig aussieht, hat jedoch einen ganz pragmatischen Hintergrund. So ist das Dreirad-Fahrzeug lediglich ein umgebautes Vier-Rad. In Kombination mit der Drosselung der Motorleistung darf ein solches „Dreirad“ bereits von Jugendlichen ab 16 Jahren mit dem Führerschein A1 gefahren werden.

Seinen Namen hat der „Ellenator“ von seinem Erfinder Wenzel Ellenrieder, ein leidenschaftlicher Tüftler aus Dösingen im Allgäu. Für seinen damals 16 Jahre alten Sohn Markus, der einen A1-Führerschein besaß, baute Ellenrieder 2015 das erste Dreirad-Auto aus einem Fiat 500. Mittlerweile erobert das Dreirad mit vier Reifen ganz Deutschland, wie merkur.de* berichtet. Die Nachfrage ist riesig: Über 1.000 Modelle hat Ellenrieder bereits verkauft.

Dreirad im Straßenverkehr: Geschwindigkeiten bis zu 90 km/h erlaubt

13.000 Stunden lang hat Wenzel Ellenrieder an seiner Erfindung getüftelt. „Ich habe gearbeitet, im Brotzeitraum geschlafen und bin direkt wieder in die Werkstatt“, sagte er gegenüber merkur.de. Beim Umbau der Fahrzeuge entfernt Ellenrieder die Hinterachse und schiebt die Hinterreifen mittig unter dem Kofferraum zusammen. Da die Räder nicht weiter als 46,5 Zentimeter auseinander sind, wertet das Gesetz sie als einen Reifen. Nach der Drosselung erreicht das Fahrzeug Geschwindigkeiten bis zu 90 Stundenkilometern.

Seit 2013 dürfen Fahrer mit einem A1-Führerschein motorisierte Dreiräder fahren, die höchsten 20 PS haben. Einige Jugendliche nutzen diese Gesetzeslage. Auch für die 17-Jährige Anouk Ayoubi aus Dösingen kam der Ellenator wie gerufen. „Mit 16 wollte ich unbedingt Motorrad fahren“, sagte sie im Gespräch mit der Bild. „Meine Eltern haben auf mich eingeredet, dass es ihnen zu gefährlich ist und ich auch im Winter irgendwie zur Arbeit kommen muss.“ Letztendlich schenkten ihre Eltern ihr zum Geburtstag den Ellenator, mit dem sie nach eigenen Angaben jetzt sogar auf der Autobahn fährt.

Ellenator: „Sicherer als Mofa, Moped, Roller und Co.“

Auch Erfinder Wenzel Ellenrieder selbst hat eine persönliche Geschichte, die ihn letztendlich auf die Idee des Dreirad-Autos brachte. „Mein Bruder ist als 17-Jähriger tödlich mit dem Motorrad verunglückt“, sagte er der Bild. „Das hat mich seitdem nie losgelassen. Als mein Sohn 16 wurde, hat das Grübeln begonnen. Es muss doch eine sichere Fortbewegungsart für Minderjährige geben als das Mofa, Moped, Roller und Co. So kam mir die Idee für den Ellenator.“

Wer sich nun überleg, einen Ellenator anzuschaffen, sollte mit bis zu 22.00 Euro Anschaffungskosten rechnen. Da ihn 16-Jährige in der Regel nur bis zu ihrem 18. Geburtstag fahren und dann auf einen Vier-Rader umsteigen, bekommt man für einen gebrauchten Ellenator immerhin noch bis zu 20.000 Euro.

Ellenator: TÜV bescheinigt Sicherheit, ADAC ist skeptisch

Laut TÜV ist der Ellenator ein sicheres Gefährt. „Der Wagen hat die Ausstattung eines Autos, das mehr als doppelt so schnell fahren kann“, betont Wenzel Ellenrieder. Dazu gehören sieben Airbags, Antiblockiersystem und ein elektronisches Stabilitätsprogramm. In einem Sicherheitstest des ADAC schnitt der Ellenator hinsichtlich Fahrstabilität im sogenannten „Ausweichtest“ jedoch weniger gut ab - nämlich mit der Note 4,6., also „ausreichend bis mangelhaft“. Muss das Fahrzeug einem Hindernis scharf ausweichen, kann das problematisch werden: „Der Ellenator droht bei 65 km/h im Ausweichtest zu kippen“, heißt es in dem ADAC-Test. „Dem umgebauten Fiat 500 wird hier die Hinterachse mit den eng zusammenstehenden Rädern zum Verhängnis.“

Insgesamt schnitt der Ellenator im Vergleich zu anderen Dreirad-Autos in Hinblick auf seine Sicherheit mit der Note 3,7 (befriedigend bis ausreichend) aber besser ab als der Renault Twizy 45 (Note 5,2) und der Aixam City Diesel (5,3). Dabei berücksichtigt wurde die Sicherheitsausstattung allgemein, die bei Unfällen zum Einsatz kommt. Diese ist beim Ellenator im Vergleich zur Konkurrenz offenbar deutlich besser. Denn er hat laut ADAC eine stabile Karosserie. Auch sein ABS, ESP und die sieben Airbags bringen bei einem Unfall entscheidende Vorteile.

Noch Kurioser als der Ellenator? Porsche wird zum Helikopter

Wer nun Lust auf mehr kuriose Tüftler-Geschichten bekommen hat, den dürfte auch die Geschichte eines Künstlers aus Baden-Württemberg interessieren, der einen Porsche zum Helikopter umgebaut hat. Nach einer Entwicklungszeit von 15 Jahren absolvierte der Prototyp des fliegenden Porsche erstmals einen Testflug am Nürburgring. *merkur.de ist ein Angebot von Ippen.Media.

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