Krise macht Klassiker zum Ladenhüter

dm-Kunden kaufen seit Corona völlig anders ein - Drogeriekette passt Sortiment und Produkte an

Eine Kundin packt ihren dm-Einkauf an der Kasse in den Einkaufskorb.
+
Dm stellt sich auf ein geändertes Einkaufsverhalten seiner Kunden ein.
  • Carolin Freytag
    vonCarolin Freytag
    schließen

Dm ist bisher vergleichsweise gut durch die Corona-Krise gekommen. Dennoch merkt die Drogeriekette aus Karlsruhe deutlich: Kunden kaufen inzwischen anders ein als früher. Das hat Folgen.

Karlsruhe - Die Drogeriekette dm aus Karlsruhe steht im Gegensatz zu anderen Einzelhändlern vergleichsweise gut da. Während das Coronavirus in Baden-Württemberg fatale Folgen für die Wirtschaft hat, kommt dm recht gut durch die Corona-Krise.

Die Drogeriekette wurde bereits im ersten Lockdown im Frühjahr 2020, als der Einzelhandel weitestgehend schließen musste, als systemrelevant eingestuft. Die Filialen konnten offen bleiben. Zudem gehören die Produkte, die dm verkauft, zum Alltag der Menschen. Beste Voraussetzungen, um gut durch die Pandemie zu kommen.

Das es einigermaßen gut läuft, zeigt sich auch an den Zahlen, die dm erst kürzlich vorlegte. Zwar ist das Umsatzwachstum der Drogeriekette im vergangenen Geschäftsjahr 2019/2020 leicht abgeflaut. Aber immerhin: 11,5 Milliarden Gesamtumsatz hat die Kette mit seinen 3.765 dm-Standorten in ganz Europa eingefahren. 8,6 Milliarden davon allein mit den knapp über 2.000 dm-Filialen in Deutschland.

dm: Wegen der Corona-Pandemie kommen die Kunden seltener in die Filiale

Drogerie-Riese dm zufolge kaufen in ganz Deutschland täglich rund 1,7 Millionen Kunden bei der Drogeriekette ein. Ihr Einkaufsverhalten hat sich allerdings seit Beginn der Corona-Pandemie deutlich verändert. Das wirkt sich auch auf die Produkte und das Sortiment der Drogeriekette aus.

„Was wir sehen, ist eine Veränderung der Einkaufsgewohnheiten im Hinblick auf die Orte, wo eingekauft wird“, sagte dm-Chef Christoph Werner bei der Jahrespressekonferenz. Während der Pandemie und vor allem in den Lockdownphasen seien die Frequenzen in den Innenstädten niedriger als man es sonst gewohnt war. Während es in Fachmarktzentren nach wie vor gut aussehe, sei die Lage in Innenstädten auch für die dm-Filialen schwieriger geworden.

„Die Menschen bleiben verstärkt zu Hause und machen sich nicht mehr so häufig auf den Weg zu ihrem Arbeitsplatz. Damit ändern sich natürlich auch die Einkaufsgewohnheiten“, so dm-Chef Werner. Was den stationären Handel angeht, zeige sich, dass Kunden seltener, aber dafür größere Mengen einkaufen.

Die Zahl der täglichen Kunden sei von 1,9 Millionen auf 1,7 Millionen gesunken, dafür würde pro Einkauf mehr Geld ausgegeben. „Das ist ein Phänomen, das man weltweit sieht, weil die Menschen anders einkaufen“, sagt Werner. Nach Ende der Pandemie könne sich das jedoch auch wieder ändern.

Onlinegeschäft von dm erlebt durch Corona einen Boom

Hinzu kommt eine weitere Veränderung im Einkaufsverhalten: Offenbar kaufen immer mehr dm-Kunden inzwischen auch im Onlineshop der Drogeriekette ein, seit die Corona-Krise Deutschland erfasst hat.

„Unser Onlineumsatz entwickelt sich dynamisch“, sagt der dm-Chef. Seit Corona habe es im Onlineshop eine Steigerung im hohen zweistelligen Bereich gegeben. Wie viel seines Umsatzes dm mit seinem Onlineshop macht, will das Karlsruher Unternehmen jedoch nicht verraten.

Der Chef der Drogeriekette geht auch davon aus, dass die Nachfrage online weiter zunehmen wird. Viele Menschen seien durch die Corona-Krise erstmals mit dem Onlineshop in Kontakt gekommen. Zudem verlören die Innenstädte zunehmend an Attraktivität. Die Menschen seien auf der Suche nach Alternativen. „Online wird dadurch an Bedeutung gewinnen“, ist Werner überzeugt.

Geändertes Einkaufsverhalten der dm-Kunden wirkt sich auch auf Sortiment aus

Aber nicht nur was die Kunden einkaufen und wo sie es einkaufen, hat sich verändert. Auch die dm-Produkte, zu denen sie greifen, sind mitunter andere geworden. „Wir haben deutliche Sortimentsverschiebungen in den Drogeriemärkten“, sagt dm-Chef Werner. Vor allem bei Haushalts- und Gesundheitsprodukten sei diese Entwicklung zu sehen. Die Produkte sind gefragt.

Haushaltsprodukte lassen sich natürlich dadurch erklären, dass die Menschen mehr zu Hause sind und deshalb mehr gereinigt wird. Die Gardinen werden mal gewaschen, die Wohnung auf Vordermann gebracht“, so Werner. Auch Gesundheitsprodukte würden verstärkt gekauft. Bioprodukte seien bei der Drogeriekette dm ebenfalls stärker gefragt seit der Corona-Krise.

Auf andere Produkte, die in normalen Zeiten bei dm ein wahrer Klassiker sind, haben dm-Kunden dagegen derzeit offenbar kaum Lust. Sie werden zu Ladenhütern. „Wir sehen, dass sich die Umsätze im Sortimentsbereich Schönheit nicht dynamisch entwickeln, vor allem bei dekorativer Kosmetik“, sagt der dm-Chef. „Ein Lippenstift zu tragen, wenn man gleichzeitig mit Mund-Nase-Schutz unterwegs ist, ergibt natürlich auch wenig Sinn.“ Dazu komme, dass die Menschen derzeit kaum Möglichkeiten haben, auszugehen.

Einen Partylook braucht derzeit niemand. Und auch im Home Office ist die Bereitschaft, morgens ein Schönheitsprogramm zu fahren, gesunken.

dm passt Sortiment an neue Nachfrage an - und baut Logistik dafür auf

An dieses geänderte Einkaufsverhalten reagiert dm. Auch mit dem Umbau des Sortiments. Dm habe sein Sortiment bereits seit dem Sommer umgestellt und die Logistik entsprechend angepasst, erklärt dm-Chef Werner. Wegen der „Erfahrungen aus der ersten Corona-Welle und in Erwartung einer möglichen zweiten Welle“ habe man das Angebot weiterentwickelt.

Nun gebe es eine breite Auswahl an Desinfektionsmitteln, unterschiedlichste Masken und reichlich Toilettenpapier. Auf eine steigende Nachfrage sei man sehr gut vorbereitet. Auch der umstrittene Corona-Antikörpertest, den dm erst vor wenigen Wochen ins Online-Sortiment aufgenommen hatte, solle für mehr Sicherheit sorgen.

Auch bei dm gab es zu Beginn der zweiten Welle einen Sturm der „Hamsterkäufer“

Von wochenlang andauernden Hamsterkäufen scheint dm bisher verschont geblieben zu sein. Im Gegensatz zum Frühjahr, wo auch in dem dm-Filialen über Wochen ein Toilettenpapier-Notstand herrschte, waren die Hamsterkäufer diesmal offenbar nur für einige Tage unterwegs.

Anfang Oktober mehrten sich die Berichte, dass in Supermärkten und Drogerien erneut Panik ausgebrochen sei. Die leeren Regale füllten sich jedoch schnell wieder. Inzwischen scheint sich der Ansturm wieder gelegt zu haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare