Verändertes Konsumverhalten

Studie entlarvt dm unerwartet als großen Verlierer der Corona-Krise - Grund sind die Produkte

Blick auf den Kassenbereich in einer Filiale der Drogeriemarktkette dm, aufgenommen am 18.10.2016 in Karlsruhe (Baden-Württemberg).
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Durch das veränderte Konsumverhalten macht dm drastische Verluste in der Corona-Krise.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Corona-Krise hat das Konsumverhalten drastisch verändert. Laut einer Studie geht ausgerechnet dm als Verlierer hervor - Grund dafür ist unter anderem das Sortiment der Konkurrenz.

Karlsruhe - Die Drogeriekette dm aus Karlsruhe betreibt die beliebtesten Märkte für Drogerieartikel in Deutschland und hat inzwischen auch Filialen in vielen europäischen Ländern. Die Kunden schätzen vor allem die gute Qualität und die vielen Eigenmarken. Zu Beginn der Krise durch das Coronavirus in Baden-Württemberg profitierte dm durch die hohe Nachfrage nach Klopapier, Desinfektionsmittel und anderen Hygieneartikeln.

Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen geht der Karlsruher Drogerieriese jedoch insgesamt als Verlierer aus der Corona-Krise hervor, wie Business Insider berichtet.

Die Drogeriekette dm führt schon seit Längerem einen Preiskampf gegen Konkurrenten wie Müller und Rossmann, konnte sich bisher aber stets als beliebtester Drogeriemarkt behaupten. In letzter Zeit mischen jedoch immer mehr Discounter mit. dm führt inzwischen einen erbitterten Krieg gegen Lidl, der eine Spirale nach unten auslöste. Grund dafür ist, dass die Discounter ebenfalls Drogerie- und Hygieneartikel anbieten - zu meistens deutlich günstigeren Preisen. Laut dem Unternehmen Nielsen ist das auch ein Grund für den großen Verlust von dm und Co. in der Corona-Krise.

dm: Kundenverhalten durch Corona geändert - Groß-Einkauf in einem einzelnen Laden bevorzugt

Das Marktforschungsunternehmen Nielsen führte eine Studie zum Einkaufsverhalten der Deutschen seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie durch, wie Business Insider berichtet. Der Nielsen-Bericht zeigt, dass vor allem Drogeriemärkte wie dm durch den Lockdown schwere Verluste erlitten. Als Hauptgrund nennt Nielsen das veränderte Einkaufsbedürfnis der Kunden. Während bislang Lebensmittel in einem Supermarkt und Drogerieartikel bei dm oder Rossmann gekauft wurden, wollen die Verbrauchen nun alle Einkäufe möglichst in einem Laden tätigen.

Laut dem Bericht der Nielsen-Analysten gaben die Verbraucher an, zum einen deutlich seltener einzukaufen, dafür aber größere Einkäufe zu tätigen. Discounter wie Rewe oder Lidl bieten seit Langem ebenfalls Drogerieartikel an, die jedoch nicht mit der Qualität von dm mithalten können. „Seife, Shampoo et cetera werden dann eher im Rahmen des großen Wocheneinkaufs im Supermarkt gekauft, auch, wenn es nicht meine präferierte Marke ist“, sagte Alexander Proske, Nielsen-Geschäftsführer für Deutschland und die Schweiz. „Hier sind die Verbraucher bereit, Abstriche zu machen, um mehrere Einkaufsstopps zu vermeiden.“

dm: Das Konsumverhalten ist nicht das einzige Problem der Drogeriekette aus Karlsruhe

Zusammengefasst lassen sich die Verluste von dm während der Corona-Krise mit Hinblick auf den Bericht von Nielsen folgendermaßen beschreiben: Die Drogeriekette dm spezialisiert sich bei seinen Produkten auf Qualität und hochwertige Eigenmarken und beschränkt ihr Sortiment größtenteils auf Drogerieartikel.

Konkurrenten wie Lidl und Rewe verkaufen inzwischen jedoch nahezu alles, daneben auch Drogerieartikel und eigene Marken. Ein Verbraucher findet bei dm für einen kompletten Wocheneinkauf wohl deutlich zu wenig Auswahl bei den Lebensmitteln, zumal die Drogeriekette auch nur ausgewählte Bioprodukte anbietet. Auf der anderen Seite finden Kunden jedoch in Supermärkten neben der großen Lebensmittelauswahl auch nahezu alle Drogerieartikel.

Das Problem von Drogerieketten wie dm und Müller ist jedoch nicht nur das veränderte Konsumverhalten. Laut dem Bericht von Nielsen gebe es immer weniger Anlässe, typische Drogerieprodukte wie beispielsweise Kosmetik zu kaufen. Seit der Einführung der Maskenpflicht im April sagten 32 Prozent der Befragten, dass sie keinen Lippenstift mehr tragen und dadurch auch keinen mehr kaufen. Dadurch, dass die Ausgaben und die Anzahl der Besuche in den Geschäften reduziert werde, bleiben die Kunden bei dm ganz weg, statt sich auf andere Kategorien zu entfallen, heißt es von Nielsen.

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