Von Karlsruhe in die Welt

dm Drogerie: Geschichte und Entwicklung eines menschlichen Unternehmens

  • Marleen van de Camp
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dm ist mit rund 3.700 Drogerie-Filialen europaweit vertreten. Der deutsche Drogeriekonzern wurde 1973 von Götz Werner in Karlsruhe gegründet.

  • dm wurde im Jahr 1973 in Karlsruhe gegründet und ist heute Marktführer in Deutschland.
  • Schon in den 1970er Jahren begann der Drogeriekonzern seine Expansion nach Österreich und später nach Osteuropa.
  • Der Drogeriemarkt dm ist unter anderem für sein Engagement im Bereich der Nachhaltigkeit und seine Zusammenarbeit mit Alnatura bekannt, deren Ende 2014 Schlagzeilen machte.

Karlsruhe - Der Drogeriemarkt dm wurde im Jahr 1973 von Götz Werner (76) in Karlsruhe gegründet. Er ist der größte Gesellschafter. Seit 1974 ist auch Werners Ruderpartner Günther Lehmann Teil der Kommanditgesellschaft dm, die bis heute nur zwei Gesellschafter hat. Die Idee des Drogeriemarktes dm bestand darin, das Discounter-Prinzip von Aldi & Co. auf die Drogeriebranche zu übertragen. Dort war bis zu diesem Zeitpunkt der Thekenverkauf in inhabergeführten Einzelhandelsunternehmen üblich.

Götz Werner wollte diesen Zwischenhandel mit seinem großen Drogeriemarkt dm umgehen. Prinzipien wie die Selbstbedienung und die gute Qualität bei recht kleinem Sortiment in einfacher Aufmachung waren in der Geschichte der Drogeriebranche neu, aber erfolgreich.

Ein Logo der Drogeriemarktkette dm, aufgenommen an einer Filiale in Karlsruhe.

dm-Drogeriemarkt: Die Geschichte beginnt mit hartem Wettbewerb

Im Jahr 1972 hatte Dirk Rossmann die gleiche Idee und bereits 1974 folgte Anton Schlecker mit seinen Märkten. Somit entstand ein harter Wettbewerb in der deutschen Drogeriebranche. Die Unternehmen Rossmann und dm sprachen sich ab, sodass dm aus Karlsruhe zunächst im Süden Deutschlands und Rossman im Norden verbreitet war. Jedoch begann Rossman in den 2000er Jahren einen Verdrängungswettbewerb, mit dem Ergebnis, dass sich beide Groß-Drogeriemärkte im ganzen Land verbreiteten.

Schon wenige Jahre nach der Gründung der Kommanditgesellschaft dm startete das Unternehmen als „dm drogerie markt GmbH“ auch in Österreich und hatte dort schon nach fünf Jahren mehr als 100 Filialen. Es folgte ab 1992 die Expansion von Karlsruhe in Richtung Osteuropa. In Südeuropa hingegen scheiterte dm, da dort eine andere Geschichte und Kultur in Bezug auf Drogeriemärkte herrscht. Auch die Überlegung, in Konkurrenz zu fielmann ein Brillengeschäft zu eröffnen, konnte nicht erfolgreich umgesetzt werden. Stattdessen konzentrierte sich dm in seiner Historie darauf, sich von anderen Drogeriemärkten abzusetzen. Ab 1984/85 arbeitete das Unternehmen eng mit dem Biomarkt Alnatura zusammen. Im Jahr 2014 trennten sich die Partner im Streit, was zu mehreren juristischen Auseinandersetzungen zwischen der Drogerie und dem Biomarkt führte.

Sohn des dm-Gründers Götz Werner übernimmt dm-Geschäftsführung

Seit 2002 hat dm einen Betriebsrat und seit 2003 auch einen mitbestimmten Aufsichtsrat, in dem acht Arbeitnehmer vertreten sind. Im Jahr 2008 übernahm Erich Harsch die Geschäftsleitung und löste damit den Gründer Götz Werner ab. Werner hat inzwischen seine Unternehmensanteile an der Drogerie in einer gemeinnützigen Stiftung angelegt. Seit 2011 ist sein Sohn Christoph Werner in der Geschäftsführung von dm aktiv und konzentriert sich auf Marketing und Online-Geschäfte. Zum 1. Januar 2020 schied Erich Harsch aus der Geschäftsführung aus und Christoph Werner übernahm.

Drogeriekonzern dm: Die Verbreitung der Kette aus Karlsruhe in Europa

Der frühe Erfolg von dm in Deutschland veranlasste Götz Werner und Günter Bauer dazu, schon kurz nach der Gründung in Karlsruhe in den 1970er Jahren über eine Expansion nachzudenken. Sie entschieden sich, in Österreich weitere Filialen aufzumachen. So wurde im November 1976 die erste dm-Filiale in Linz eröffnet. Es handelte sich um die erste Selbstbedienungsdrogerie in Österreich. Schon fünf Jahre später überschritt dm Österreich die 100-Filialen-Marke. Seit 1984 bildet das Unternehmen auch Lehrlinge aus und seit 1987 ist es in Österreich möglich, an der Frischetheke oder im dm-eigenen Kosmetikstudio einzukaufen. Das erste dm-Friseurstudio eröffnete im Jahr 1991 in der Salzburger Filiale des Drogeriemarktes.

Ab dem Jahr 1992 nutzte dm Österreich als Basis, um sich in den östlichen Nachbarländern zu etablieren. So entstanden sukzessive Filialen in Tschechien, Ungarn und Slowenien. Heute hat dm einen „Teilkonzern Central & Eastern Europe“, der zum österreichischen Unternehmen gehört. Die folgenden zehn Tochtergesellschaften sind ein wichtiger Teil der Geschichte des Drogeriemarktes und unterstehen dm Österreich:

  • dm Tschechien seit 1993
  • dm Ungarn seit 1993
  • dm Slowenien seit 1994
  • dm Slowakei seit 1995
  • dm Kroatien seit 1996
  • dm Serbien seit 2004
  • dm Bosnien und Herzegowina seit 2006
  • dm Rumänien seit 2009
  • dm Bulgarien seit 2009
  • dm Nordmazedonien seit 2003
  • dm Italien seit 2017

Entwicklung von dm: Rasanter Aufstieg seit den 1980er Jahren

Nach einem starken Start in den 1970er Jahren begann im nächsten Jahrzehnt ein noch größeres Wachstum bei dm. Dies lag unter anderem daran, dass seit 1986 erste Eigenmarken bei der Drogerie aus Karlsruhe eingeführt wurden, die sich schnell einen Namen machten. Besonders beliebt ist Balea mit seinen Produkten für Körperpflege. Inzwischen gibt es über 20 dm-eigene Marken, die etwa ein Drittel des Gesamtumsatzes machen.

Die langjährige Kooperation der mit der Naturkosmetik-Marke Alnatura weist auf einen wichtigen Bestandteil der dm-Identität hin, der wesentlich zum Erfolg der Drogerie beiträgt: dm ist an sozialen, anthroposophischen und nachhaltigen Ansätzen interessiert. Zum Beispiel finanziert dm regelmäßig Studienplätze an der anthroposophisch ausgerichteten Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, um so Managementnachwuchs zu rekrutieren. 

Laut Götz Werner ist bei dm außerdem die Mitbestimmung sehr wichtig. Dementsprechend gibt es schon seit 2002 wichtige Mitbestimmungsstrukturen und Betriebsräte in allen Filialen. Für den Gründer ist das Unternehmensklima in seiner Drogerie wichtiger als der Umsatz. Dazu gehören flache Hierarchien, eine dialogische Führung und ein großer Entscheidungsspielraum der Mitarbeiter.

Weitere wichtige Besonderheiten bei dem Drogeriekonzern dm

  • Gesundheitsmarkt: Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln, freiverkäuflichen Arzneimitteln und Kooperation mit der Rose Versandapotheke
  • Guter Beratungsservice und freundliche Grußformel für alle Kunden
  • Eigene Payback-Karte
  • dm-Kundenzeitschrift alverde mit dezenter und seriöser Produktwerbung
  • Zunehmend nachhaltige und grüne Produkte
  • Gratis Trinkwasser in vielen Filialen
  • Stillecken für Mütter in vielen Filialen

Seit 2010 setzt sich dm besonders aktiv für den Klimaschutz ein. Zum Beispiel hat der Drogeriemarkt aus Karlsruhe gemeinsam mit der deutschen UNESCO-Kommission schon mehrere Ideenwettbewerbe im Rahmen der „Ideen Initiative Zukunft“ veranstaltet und die erfolgreichen Bewerbungen mitfinanziert. Seit 2012 nutzen die dm-Märkte und die Verteilerzentren in Deutschland nur noch Energie aus erneuerbaren Quellen. Viele weitere soziale Projekte auf bundesweiter und lokaler Ebene führten dazu, dass Götz Werner im Jahr 2014 den Deutschen Gründerpreis für seine Lebensleistung als sozial verantwortlicher Unternehmer erhielt. 2019 folgte der Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg für Verdienste rund um den Wirtschaftsstandort und das kulturelle und soziale Engagement von Götz Werner. Es folgten dm-Projekte zur Reduzierung von Mikroplastik und zur Unterstützung der Kreislaufwirtschaft.

dm: Der Drogeriemarkt von Götz Werner in Deutschland

Kritik an dm gab es unter anderem für die Zusammenarbeit mit Alnatura, das im Jahr 2010 wegen seiner Niedriglöhne negative Schlagzeilen erhielt, sowie für die Zusammenarbeit mit Amazon. Im Jahr 2011 wurde eine Schleichwerbe-Kampagne in der BILD verboten. Zudem setzte dm mit seiner aggressiven Preispolitik viele lokale Einzelhändler unter Druck und muss verantworten, dass einige davon Pleite gingen. Seitdem die Drogerie auch die Entwicklung von Fotos anbietet, hat sich das Problem weiter verschärft.

Seit 2010 ist dm die größte Drogeriemarktkette in Deutschland, gemessen nach Umsatz. Schätzungen zufolge hat dm in der Bundesrepublik einen Marktanteil von 23 Prozent. Die anderen Drogeriemärkte teilen sich 17,5 Prozent, andere Drogerieartikel werden bei Discountern (27 Prozent) sowie im Lebensmitteleinzelhandel (mehr als 33 Prozent) verkauft.

Europaweit hat dm inzwischen etwa 3.000 Filialen und gilt damit als „großer Player“ auf dem europäischen Markt. Das Logistikzentrum bei Weilerswist in Deutschland mit etwa 2.000 Arbeitsplätzen zählt zu den fortschrittlichsten Logistik-Zentren. Seitdem der starke Konkurrent Schlecker nicht mehr auf dem Markt vertreten ist, hat dm ein Umsatzplus von etwa 5 Prozent verzeichnen können. In Deutschland hat dm heute über 1.400 Filialen und über 30.000 Angestellte. Von Laura von Puttkammer

Rubriklistenbild: © Uli Deck/dpa/picture alliance

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