Künstliche Intelligenz im Handel

In dm-Filialen könnten ferngesteuerte Roboter in Zukunft den Einkauf erledigen

Ein dm Drogeriemarkt, Kunden stehen an der Kasse
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Forscher haben für dm eine digitale Filiale eingerichtet, die optisch genau den Originalfilialen entspricht. Über das System können Konsumenten wie in der „echten“ Filiale einkaufen - und sich sogar mit Freunden treffen.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Ein Forschungsprojekt, an dem auch die Drogeriekette dm beteiligt ist, arbeitet daran, dass Roboter künftig per Fernsteuerung in den Filialen einkaufen.

Karlsruhe -Das Coronavirus in Baden-Württemberg verändert nicht nur das alltägliche Leben, sondern auch das Einkaufen. Im Lockdown haben viele Menschen den Online-Handel für sich entdeckt. Auch Themen wie kontaktloses Bezahlen sind jetzt stärker im Fokus als zuvor. Discounter wie Lidl testen eine völlig neue Art, Einkaufswägen zu entsperren. Anstatt eines Chips oder einer Münze wäre nach diesem Zukunftskonzept nur noch eine App für das Entsperren der Wagen nötig. Nun startet auch die Karlsruher Drogeriekette dm einen Vorstoß in Richtung Zukunftstechnologien. Gemeinsam mit der Universität Bremen arbeitet dm daran, seine Geschäfte noch besser mit dem Online-Handel zu verbinden.

Prozesse beim Einkaufen leichter machen - darauf zielt das Forschungsprojekt „Knoledge4Retail“ (K4R) von dm und der Uni Bremen ab. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) und Robotik soll das Projekt den Handel „in ein neues Zeitalter katapultieren“, wie der Informationsdienst Wissenschaft (idw) berichtet. Für die Forschung wurde sogar eine der beliebten dm-Drogeriefilialen in der Uni Bremen nachgebaut. Dort fährt der autonome Roboter „Donbot“ durch die Regalreihen. „Donbot“ ist etwa hüfthoch und scannt anhand eines integrierten Laserscanners, 3D-Kamera und Sensoren die Produkte.

dm: Online mit Freunden shoppen gehen - mithilfe von Avataren

Die Idee hinter dem Konzept: Kunden sollen im Netz ihre Drogerie vorfinden - die dort genauso aussieht wie in echt. Per App sollen die Kunden in der originalgetreuen Online-Drogerie ihre gewünschten Produkte ansteuern, in den Warenkorb legen und an der Kasse bezahlen. Parallel werden die Roboter in der „echten“ Filiale losgeschickt und holen die gewünschten Artikel aus den Regalen. Alle Produktinformationen sind in einer Wissensdatenbank hinterlegt. Das Ganze geht sogar so weit, dass man sich mit Freunden online zum Shoppen verabreden kann - mithilfe von Avataren.

In der Online-Filiale können Kunden noch mehr über die Produkte von dm in ihrer jeweiligen Filiale erfahren: Wo steht das Müsli, das meinen Diätvorschriften entspricht? Wo die Bioprodukte? Wie hoch ist der Zuckeranteil in einem Artikel? Ist in dem Shampoo Mikroplastik enthalten? „Das Potenzial für Anwendungen von Künstlicher Intelligenz im Handel ist immens“, sagt Professor Michael Beetz von der Uni Bremen, der das Projekt leitet, gegenüber dem Informationsdienst Wissenschaft. Das gelte insbesondere für den Einzelhandel, in dem Filialen bislang wenig digitalisiert sind.

dm Drogerie: Forschungsprojekt setzt auf digitale Datenbank - Roboter füllt Regale wieder auf

Shop-Manager könnten anhand des Systems für ihre Filiale Bestands- und Verkaufsdaten abfragen und ihr Sortiment auf die speziellen Wünsche der Konsumenten anpassen. Über die digitale Erfassung lässt sich genau herausfinden: Was kauft der Kunde und wann? So ist das Konzept nicht nur für den Kunden, sondern auch für den Handel selbst ein Gewinn. Zu dem Projekt gehört auch das Auffüllen der Regale durch den Roboter, der die Mitarbeiter unterstützen soll sowie ein Kühlschrank, der in der Lage ist, seinen Warenbestand selbständig zu erkennen und zu verwalten.

Das Forschungsprojekt läuft zunächst drei Jahre und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit insgesamt 12,9 Millionen Euro gefördert. In einem Wettbewerb mit 130 Ideen hat sich „Knowledge4Retail“ als eines von 16 Projekten durchgesetzt, um die Förderung zu erhalten.

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