500 Zentren in Deutschland geplant

Ich habe das erste Coronatest-Zentrum von dm ausprobiert - und würde es jederzeit wieder machen

Redakteurin Sina Alonso Garcia hat bei dm den Corona-Schnelltest selbst ausprobiert.
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Redakteurin Sina Alonso Garcia hat bei dm in Tübingen den Corona-Schnelltest im dm-Testzentrum selbst ausprobiert.
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Mega-Projekt bei der Drogeriekette dm: Bis April sollen von Baden-Württemberg aus 500 Corona-Schnelltest-Zentren ausgerollt werden. Tübingen macht den Anfang, Karlsruhe und Stuttgart folgen.

Tübingen - Ohne viel Papierkram kann sich bei der Drogerie dm bald jeder einmal die Woche kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Die Karlsruher Drogeriekette wagt einen Mega-Vorstoß und baut eigene Testzentren in ihren Filialen auf. Die Teststationen sind nicht dazu gedacht, dm-Kunden vor Betreten der Filiale zu testen. Es ist vielmehr ein allgemeines Angebot für Bürger, die ein negatives Ergebnis vorlegen müssen - etwa um im Einzelhandel einzukaufen. Oder für jeden, der sich vor dem Besuch bei den Eltern noch schnell absichern will.

„Innerhalb von 15 Minuten wird das Test-Ergebnis über die dm-App direkt aufs Handy der Getesteten geschickt. So muss keiner lange vor dem Testzentrum auf sein Ergebnis warten“, erklärte dm-Geschäftsführer Christian Harms bei der Eröffnung des deutschlandweit ersten dm-Schnelltest-Zentrums in Tübingen am vergangenen Mittwoch. Was in der Universitätsstadt seinen Anfang nimmt, soll zunächst auf 250 Filialen in Baden-Württemberg, dann auf Standorte der Drogerie dm in ganz Deutschland ausgeweitet werden, verspricht das Unternehmen.

„Mir geht es darum, dass wir öffnen können, ohne die Sicherheit zu gefährden“, sagte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer beim Eröffnungstermin. Dass dm einen mit dem Smartphone verbundenen Test anbietet, sei ein großer Fortschritt. Die Tübinger Notärztin Lisa Federle betonte vor Ort: „Viele Menschen glauben, dass durch verstärktes Testen die Inzidenz in einem Ort zunimmt. Aber das stimmt nicht: Langfristig sinken die Inzidenzen durchs Testen.“

Tübinger OB Palmer über Corona-Schnelltest-System der Stadt: „Vor allem zufriedene Menschen“

Der Meinung ist auch Christoph Werner, dm-Chef und Sohn des dm-Gründers Götz Werner: „Wenn wir nur auf Lockdown und Impfung setzen würden, würde das unsere Wirtschaft kaputtmachen. Wir schaffen hier die nötige Infrastruktur für ein flächendeckendes Testen. Ich hoffe, dass viele weitere Unternehmen und Betriebe unserem Beispiel folgen.“ Tübingen schien dm als Startpunkt für die Schnelltest-Offensive passend - nicht umsonst sind die Schwaben bundesweit für ihre Teststrategie bekannt.

Erst kürzlich wurde Tübingen zur Modellstadt für ganz Baden-Württemberg erklärt und verhängte eine Testpflicht für Shoppen, Restaurantbesuche und Co. Seither hat sich die Stimmung in der Stadt offenbar deutlich gebessert: „Ich treffe vor allem zufriedene Menschen, die sich freuen, wieder einkaufen gehen zu können“, meinte Palmer.

Etwas kritischer sieht das Ganze Sabine Hagmann, Geschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg. Sie fürchtet, dass die Menschen keine Zeit in Tests investieren wollen. „Solche Testkonzepte müssen für Kunden attraktiv sein.“ Noch sieht sie hier vielerorts Ausbaubedarf.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer und Notärztin Lisa Federle stellten gemeinsam mit dm-Vertretern das neue Schnelltest-Zentrum vor. Rund 100 Tests können hier täglich gemacht werden.

Bis Ende April sollen in ganz Deutschland 500 dm-Filialen die Corona-Test-Stationen anbieten. Freiwilliges Personal der Drogerie führt die Tests durch. Nach Tübingen eröffnete am Donnerstag, 18. März, das nächste Test-Center im dm-Drogeriemarkt am Durlach-Center in Karlsruhe, diese Woche folgen Ettlingen und die Landeshauptstadt Stuttgart (dm in der Kronprinzstraße).

Selbsttest im Corona-Schnelltest-Zentrum von dm: Es tut gar nicht weh

Wie ein solcher Test in den dm-Zentren abläuft, hat BW24-Redakteurin Sina Alonso Garcia vergangenen Mittwoch in Tübingen schon einmal ausprobiert:

Noch ist der Andrang am Mittwochmorgen überschaubar. Lediglich eine Seniorin war pünktlich zur Eröffnung da und wartet im hinteren Teil des Zelts auf ihr Ergebnis, während sich vor dem Pavillon einige Menschen unterschiedlicher Altersstufen aufreihen. Blaue Planen schirmen die Testpersonen vor neugierigen Blicken ab.

Bevor es mit dem Corona-Schnelltest losgeht, muss ich meinen Personalausweis zeigen und an einem Stehtisch schnell ein Formular ausfüllen. Name, Adresse, Telefonnummer. Später am Tag, so heißt es, wird das jedoch alles über eine App laufen. Kurz darauf sitze ich auf einem Plastikstuhl. Wie ich erfahre, wurden die Mitarbeiterinnen von dm gründlich für die neue Aufgabe geschult. Auch medizinisches Fachpersonal sowie freiwillige Helfer werden bald in den Ablauf integriert.

Eine Dame in blauer Schutzkleidung und Plexiglas-Maske erklärt mir freundlich den Vorgang - „Achtung, Niesgefahr“. Mit dem Stäbchen fährt sie je fünfmal kreisend durch jedes Nasenloch - es ziept leicht, tut aber gar nicht weh. Und schon bin ich wieder entlassen.

Corona-Schnelltest-Zentrum bei dm: In Zukunft erhält jeder das Ergebnis per E-Mail

15 Minuten warte ich draußen vor dem Zelt - was mir erstaunlich lange vorkommt. „Was mache ich, wenn der Corona-Test positiv ist?“, denke ich kurz. Um mir die Zeit zu vertreiben, tippe ich auf meinem Handy herum. Gut, dass man in Zukunft das Ergebnis per E-Mail bekommt, und nicht warten muss, denke ich. Und dann ist die Zeit auch schon abgelaufen. Ich erhalte einen Ausdruck - laut Zertifikat ist mein Corona-Test negativ.

Auf dem Zertifikat steht der Name der dm-Mitarbeiterin sowie der Hersteller des Antigentests, der hier und in allen anderen Testzentren verwendet wird: Nano Repro. Seine Sensitivität beträgt circa 97 Prozent, er identifiziert somit 97 von 100 Infektionen. Alles in allem war der Ablauf schnell und einfach. Ich würde mich dort jederzeit wieder testen lassen.

Corona-Schnelltest-Zentren bei dm: Erstattung läuft über den Bund

Um Wartezeiten oder Menschenansammlungen vor den Testzelten in Zukunft zu vermeiden, läuft ab sofort aber alles digital. Auf der dm-Website buchen Testwillige ein Zeitfenster für ihren Termin und erhalten einen QR-Code, den sie beim Eintritt in das dm-Testzentrum vorzeigen.

Nach ihrem Test müssen die Getesteten nicht erst warten, sondern bekommen das Testergebnis samt Zertifikat innerhalb einer Viertelstunde direkt per E-Mail auf ihr Handy geschickt. Fällt der Test positiv aus, wird das örtliche Gesundheitsamt informiert. Zusätzlich ist dann ein Labortest nach der PCR-Methode notwendig.

Abgerechnet werden die Tests über das Land, die Erstattung läuft über den Bund. „Wir rechnen über die kassenärztliche Vereinigung ab, so wie Apotheken und andere Testzentren“, erklärte dm-Geschäftsführer Christian Harms. Etwaige Standortmieten seien als Kostenfaktor jedoch nicht einkalkuliert.

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