Coronatests in Filialen

dm-Chef fordert Händler auf, in der Coronakrise „anzupacken“

Eine Radfahrerin mit Mundschutz fährt an einem dm-Markt vorbei
+
Drogeriekette dm bietet bereits Corona-Schnelltests in zahlreichen Filialen an.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
    schließen

Der Chef der Drogeriekette dm, Christoph Werner, hat eine klare Meinung zur Corona-Politik in Deutschland - und sieht sich auch selbst in der Verantwortung.

Karlsruhe - Die Drogerie dm leistet aktuell einen wichtigen Beitrag in der Corona-Pandemie. Indem die Drogeriekette Corona-Testzentren bei ihren Filialen hochzieht, unterstützt sie die Politik bei der Schnelltest-Offensive. 15 Teststationen der Drogerie sind bereits aktiv, bald sollen es bis zu 1.000 in ganz Deutschland sein.

Dm-Chef Christoph Werner sieht sich in der Pflicht, der Regierung unter die Arme zu greifen. Und hat eine ganz eindeutige Sicht auf die Situation: „Die öffentliche Meinung in Deutschland geht davon aus, dass der Staat alles regeln muss“, sagte er in einem Interview mit der Lebensmittelzeitung. „Es gibt eine tief verankerte, sehr etatische Grundhaltung. Und diese wird durch die Medien auch noch permanent gefördert.“

Dm-Chef Christoph Werner: Schnelltest-Zentren „wären auch anderswo im Einzelhandel zu leisten“

Da Werner nicht glaubt, dass allein die Politik die Ausbreitung des Coronavirus stoppen kann, sei er „dafür, dass sich die Wirtschaft einbringen und mit anpacken muss“. Wer sich zurücklehne, komme nicht weiter. „Natürlich können wir nicht das ganze Land testen“, so Werner. „Dafür haben wir nicht ausreichend Kapazitäten. In dm-Testzentren sind maximal 120 Tests am Tag möglich. Aber die Nachfrage nach Terminen auf unserer App ist enorm.“

In den Worten des dm-Chefs klingt durch, an wen sich sein Appell richtet - der Eindruck bestätigt sich: Was dm aktuell tue, „wäre auch anderswo im filialisierten Einzelhandel zu leisten“. Seiner Meinung nach könnten Lebensmitteleinzelhändler wie Rewe, Edeka, Aldi oder Lidl ebenfalls Schnelltests durchführen. „Wir Einzelhändler haben die logistischen Strukturen, das könnte einfach mitlaufen“, sagte Werner der Lebensmittelzeitung.

Eine Mithilfe der Wirtschaft in der Krise hält Werner auch vor allem deshalb für notwendig, da die „Ministerialbürokratie manchmal etwas starr“ sei. „In Zeiten einer Pandemie verhindert diese Starrheit schnelles und situatives Agieren“, sagte er der Lebensmittelzeitung. Dennoch erlebe er im Kontakt mit der Landesregierung ehrliches Bemühen. Mit Politikern steht er im Austausch. Erst kürzlich eröffnete der dm-Chef gemeinsam mit Oberbürgermeister Boris Palmer das erste Coronatest-Zentrum von dm in Tübingen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare