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Diskriminierung oder Propaganda: Russische Botschaft meldet Anstieg von Angriffen auf Russen

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Von: Nadja Pohr

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Menschen verbrennen eine russische Flagge auf der Straße.
Attacken auf russische Institutionen häufen sich seit dem Angriff auf die Ukraine. Die russische Botschaft in Berlin veröffentlicht regelmäßig diskriminierenden Vorfälle aus Deutschland (Symbolbild). © IMAGO / Ukrinform

Die russische Botschaft führt eine Liste, in der Diskriminierungen gegenüber Russen aufgeführt werden - auch aus Baden-Württemberg. Die Fälle nehmen demnach zu.

Stuttgart/Berlin - Nachdem Russland die Ukraine mit Raketen angegriffen hat und inzwischen Tausende Zivilisten gestorben sind, gab es für den Aggressor viele Konsequenzen. Zahlreiche Unternehmen aus der Wirtschaft in Baden-Württemberg*, wie etwa Mercedes-Benz, kündigten ihre Geschäfte mit Russland. Sämtliche Lebensmittelhändler nahmen sogar russisches Produkte aus dem Sortiment. Der schwäbische Schokoladenhersteller Ritter Sport hingegen liefert weiter in den Osten und erntete einen Shitstorm*.

In gewisser Weise ist eine Abneigung gegen Russland in Deutschland spürbar. Die russische Botschaft in Berlin spricht nun aber auch von einem regelrechten Mobbing gegen gebürtige Russen in unserem Land, das als „Russophobie“ bezeichnet wird. Dabei ist jedoch fraglich, ob tatsächlich viele Fälle gemeldet werden und es hierzulande ein Problem gibt oder ob es sich dabei um reine Propaganda handelt.

Diskriminierung von Russen soll auch in Baden-Württemberg zunehmen

Die russische Botschaft führt in einer Liste sämtliche Diskriminierungsvorfälle auf, von denen sich einige auch in Baden-Württemberg* abgespielt haben sollen. Beispielsweise sollen russischsprachige Familien in Stuttgart, Baden-Baden und Ostfildern bedroht und gehetzt worden sein. In Backnang wurden Kinder mit russischen Wurzeln angeblich „beleidigt, öffentlich gedemütigt und haben Angst, zur Schule zu gehen“. Weiter wird von einem Mann aus Ostfildern berichtet, der von seinem Nachbarn als Mörder beschimpft worden sein soll.

Ob diese Fälle tatsächlich so stattgefunden haben, lässt sich nicht überprüfen. Die russische Botschaft habe die Berichte über Diskriminierung und Mobbing jedoch längst für Propagandazwecke entdeckt, berichtet die Stuttgarter Zeitung. Die „Russophobie“ wäre demnach ein großes Problem in Deutschland und im gesamten Westen. Außerdem werde die internationale Lage falsch und einseitig dargestellt und so nicht nur gegen Russland, sondern auch gegen die Menschen gehetzt, argumentiert die Botschaft. Einige Fälle in der Liste seien jedoch auf die momentan geltenden Sanktionsregeln zurückzuführen und nicht auf böswillige Absichten.

Russischer Honorarkonsul in Stuttgart fällt Streich zum Opfer

Der russische Honorarkonsul Klaus Mangold aus Stuttgart hingegen wurde zum Opfer eines Streichs. Unbekannte hatten in seinen Briefkasten rohe Eier gestopft, die natürlich zu Bruch gingen und so eine ordentliche Sauerei verursachten. Ebenso war das Vorgehen eines Restaurantbetreibers aus Bietigheim (Kreis Rastatt) eher diskriminierend als vorbildlich: Gäste mit russischem Pass sollten keinen Zutritt mehr bekommen*.

Die Antidiskriminierungsstelle des Landes Baden-Württemberg möchte sich dennoch nicht klar dazu äußern, ob sich gezielte Angriffe auf russische Menschen und Institutionen häufen. Dennoch registrierte man seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs einen Anstieg an „Beratungsanfragen, die antirussische Diskriminierung betreffen“, bestätigte eine Sprecherin. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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