Asiatische Tigermücke

„Tödlichstes Tier der Welt“ wird in 10 Jahren ganz Baden-Württemberg erobern - „Knochenbrecherfieber“ droht

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Der Klimawandel stellt auch Baden-Württemberg vor Herausforderungen. Er hilft dem „gefährlichsten Tier der Welt“, der Asiatischen Tigermücke, sich hierzulande zu etablieren. Forscher sind alarmiert.

Stuttgart/Hamburg - Der Klimawandel und die damit verbundenen Gefahren für die Menschen beruhen auf einem breiten wissenschaftlichem Konsens. Die globale Veränderung kann sich aber regional ganz unterschiedlich auswirken, beispielsweise in Baden-Württemberg.

Im Südwesten wird es zusehends wärmer, ein Wetterexperte prophezeit Stuttgart künftig „ein Klima wie in Rom“. Das hört sich zunächst nach mehr lauen Sommernächten im Biergarten an, hat aber ernstzunehmende Folgen. Denn höhere Temperaturen locken nicht nur Menschen an die frische Luft. Dank des Klimawandels kann sich das „tödlichste Tier der Welt“ in Baden-Württemberg ausbreiten. So hat zumindest Microsoft-Gründer Bill Gates die Asiatische Tigermücke genannt, die im Südwesten bereits heute vereinzelt vorkommt. In Zukunft wird sie das ganze Bundesland beanspruchen - und immer wahrscheinlicher tödliche Krankheiten übertragen.

„Tödlichstes Tier der Welt“ in Baden-Württemberg: Tigermücke breitet sich rasant aus

Eigentlich kommt die Asiatische Tigermücke aus den Subtropen. Doch die Globalisierung verhalf dem stechenden Insekt im Ei-Stadium auf Schiffen nach Europa - beispielsweise in kleinen Pfützen im Innern von Altreifen. Wie die Zeit berichtet, wurde die Asiatische Tigermücke dann 2007 erstmals in Deutschland entdeckt, auf einem Rastplatz in Baden-Württemberg.

Inzwischen häufen sich die Nachweise der Stechmücke, das „gefährlichste Tier der Welt“ wurde unter anderem in Heilbronn nachgewiesen. Noch vor einigen Jahren wäre das nicht möglich gewesen, weil die Winter in Deutschland zu hart waren. Doch die Eier der Asiatischen Tigermücke überstehen auch längeren Frost - die zusehends milden Winter hierzulande sind da gar kein Problem mehr.

Klein, aber tödlich: Die Asiatische Tigermücke erobert Baden-Württemberg. Sie kann lebensbedrohliche Krankheiten übertragen.

Die Bedingungen für die Asiatische Tigermücke werden immer besser. Das hat die Universität Bayreuth herausgefunden. Schon jetzt ist das Klima entlang des Oberrheingrabens in Baden-Württemberg gut genug, dass sich das „tödlichste Tier der Welt“ hier dauerhaft etablieren kann. In etwa zehn Jahren werde das durch den Klimawandel praktisch in ganz Baden-Württemberg der Fall sein - und in vielen anderen Bundesländern Deutschlands, so die Forscher. Im Jahr 2030 wird das Risiko, von einer Asiatischen Tigermücke gestochen zu werden, in baden-württembergischen Städten wie Mannheim, Heidelberg oder Karlsruhe am höchsten sein.

Asiatische Tigermücke erobert Baden-Württemberg: Auch Krankheiten auf dem Vormarsch

Nun könnte man sich denken, dass eine Stechmückenart mehr kein großes Problem für Baden-Württemberg darstellt. „Früher brauchte man vor Mückenstichen keine Angst zu haben“, erklärt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut im Hamburg gegenüber der Zeit. Er warnt allerdings: „Künftig könnte man dadurch schwer erkranken – und im Extremfall möglicherweise sterben.“

Denn Asiatische Tigermücken übertragen beispielsweise das Dengue-Fieber, wegen damit einhergender Gliederschmerzen umgangssprachlich „Knochenbrecherfieber“ genannt. Pro Jahr sterben daran weltweit 20.000 bis 25.000 Menschen. Bislang wird das Dengue-Fieber nur von Urlaubsreisenden aus Risikoländern eingeschleppt. Doch auch das Dengue-Virus überlebt in wärmeren Regionen besser - die wir dank Klimawandel auch in Deutschland bekommen. Mehr Asiatische Tigermücken in Kombination mit mehr Dengue-Viren bedeuten also eine häufigere Übertragung auf den Menschen.

Am Rhein geht man deshalb schon länger gegen die Asiatische Tigermücke vor. Dort werden Tabletten verteilt, die in stehenden Gewässern - und seien es nur Gießkannen oder Friedhofsvasen - aufgelöst werden und die Mückenlarven töten. Auch im Kreis Ludwigsburg wird das „tödlichste Tier der Welt“ jetzt mit Bakterien-Tabletten bekämpft. Der ehemalige Direktor der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) am Rhein macht sich aber keine Illusionen, was den Siegeszug der Asiatischen Tigermücke angeht. „Ganz loswerden werden wir die nicht.“

Rubriklistenbild: © DPA Deutsche Presseagentur

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