Pilotprojekt mit Wasserstoff

Züge mit revolutionärer Technologie fahren bald durch Baden-Württemberg

  • Valentin Betz
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Die Bahn gilt als umweltfreundliche Alternative zum Auto. Doch auch Züge tanken bisher Diesel. In Tübingen soll deshalb bald eine neue Technik erprobt werden.

Tübingen/Stuttgart - Um das Projekt Stuttgart 21 und den Bahnverkehr in Baden-Württemberg ist es durch das Coronavirus ruhig geworden. Obendrein geht es beim Thema Klimawandel hauptsächlich um die Automobilindustrie. Die Deutsche Bahn steht daneben meist als klimaschonendere Alternative da.

Im Vergleich zum aktuellen CO2-Ausstoß des Individualverkehrs ist sie das auch. Allerdings gibt es auch auf der Schiene Optimierungsbedarf. Zuletzt kündigte die Deutsche Bahn in Stuttgart ein einzigartiges Testprojekt an - der neue Hauptbahnhof soll der erste digitale Bahnknoten Deutschlands werden.

Doch auch die Loks selbst sollen moderner werden - viele werden auch heute noch mit Diesel betrieben. Dafür will die Deutsche Bahn jetzt in Tübingen einen Testlauf mit einer neuen, revolutionären Technologie für Züge starten, die bereits das Interesse der Fahrzeughersteller geweckt hat.

Diesel und Strom: Antrieb der Deutschen Bahn ist noch nicht komplett klimaneutral

Dieselloks kommen überall dort zum Einsatz, wo die Deutsche Bahn noch keine Oberleitungen hat - das sind laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) immerhin 13.000 Kilometer Schiene in Deutschland und damit 39 Prozent des Netzes.

Die Elektrifizierung der Strecken geht allerdings nur langsam voran, oft sind die Abschnitte ohne Stromanschluss auch nicht besonders stark befahren. Obendrein gilt beim E-Antrieb: Auf die Quelle kommt es an. Der Ökostrom-Anteil bei der Bahn liegt laut dpa momentan bei 60 Prozent. Bis 2038 strebt die Deutsche Bahn 100 Prozent an - bis dahin sind auch elektrisch betriebene Züge nicht ganz klimaneutral.

Wasserstoff statt Diesel: Die Deutsche Bahn testet ab 2024 die neuen Züge von Siemens, um klimaneutraler zu werden.

Deshalb plant die Deutsche Bahn jetzt in Tübingen eine neue Technologie zu testen. Zwischen Tübingen, Horb und Pforzheim kommt ab 2024 ein Wasserstoffzug zum Einsatz. Er ersetzt einen klassischen Dieseltriebwagen und soll 330 Tonnen Kohlendioxid im Jahr einsparen.

Deutsche Bahn macht es den Autobauern gleich: Zug soll mit Wasserstoff statt Diesel fahren

Die Idee eines Wasserstoff-Antriebs ist dabei eigentlich nicht neu. Die Automobilindustrie hatte sich die Technik bereits angeschaut, bis sie von der Elektromobilität verdrängt wurde. Inzwischen entwickelt aber auch die Daimler AG die längst vergessene Alternative zum E-Auto weiter. Daimler möchte seine Trucks mit Wasserstoff betreiben, besonders für die Langstrecke. Porsche brachte die Alternative zum E-Auto sogar für seine Sportwagen ins Spiel.

Auch der Deutschen Bahn ist es mit dem Probebetrieb in Tübingen ernst. Der Wasserstoffzug soll eine Reichweite von 600 Kilometern haben. Insgesamt müssen in Zukunft 1.300 Dieseltriebanzüge ersetzt werden. Für den Test wird das Instandhaltungswerk Ulm umgebaut und eine mobile Wasserstofftankstelle eingerichtet.

Der Wasserstoff für die Lok in Tübingen soll dann nur mit Ökostrom hergestellt werden. Für die strecken ohne Oberleitung denkt die Deutsche Bahn außerdem an Hybrid-Loks mit Diesel und Batterie, reine Batteriezüge und Öko-Diesel aus Altfetten. „Die klimafreundliche Verkehrswende ist möglich“, erklärte Bahn-Vorstandsmitglied Sabina Jeschke der dpa.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

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