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„Der Schein trügt“: Polizei Baden-Württemberg setzt auf neue Praktik, die viele falsch verstehen könnten

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Von: Sina Alonso Garcia

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Wer nach einem Unfall einen Polizisten beobachtet, der konzentriert in sein Smartphone tippt, sollte sich künftig nicht wundern: Die Unfallaufnahme der Beamten erfolgt inzwischen digital.

Weil am Rhein - „Der Schein trügt“: Wenn ein Polizist nach einem Unfall plötzlich minutenlang Texte in sein Smartphone tippt, bedeutet das keineswegs, dass er sich nicht für das Geschehen interessiert. Wie die Polizei Baden-Württemberg auf ihrem Instagram-Kanal mitteilt, handelt es sich dabei um eine neue Praktik der Unfallaufnahme.

„Die Cops spielen mit dem Smartphone“, witzelt die Landespolizei in ihrem Post auf Instagram. „Dieses Bild könnte man vermittelt bekommen, wenn man uns bei der Unfallaufnahme beobachtet.“ Die Beamten klären das Missverständnis auf: „Wir nehmen mittlerweile viele Sachverhalte, wie zum Beispiel einfach gelagerte Unfälle, komplett am Smartphone auf.“ Wie die Landespolizei weiter mitteilt, spare das neue Vorgehen Papier und Zeit.

Smartphones zur Unfallaufnahme bei der Polizei in Baden-Württemberg: Potenzielle Gefahren minimieren

Im Einsatz ist die App zur Unfallaufnahme bereits seit Anfang 2021. „Mit der App können Unfallstellen deutlich schneller geräumt werden“, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), als die Anwendung an den Start ging. „Das ist sehr wichtig für die Verkehrssicherheit, denn jede Unfallstelle ist eine potenzielle Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer.“ Durch die App würden Unfallstellen schneller erfasst und längere Staus vermieden.

Während das Posting bei einigen Followern des Instagram-Kanals Anklang findet – immerhin gefällt er inzwischen mehr als 5.800 Personen (Stand: 16. Januar, 16.38 Uhr) und die Praktik wird als „effizient“ und „vorbildlich“ gelobt – bemängeln andere die neue Vorgehensweise. „Das soll schnell gehen?“, fragt sich etwa ein Nutzer. „Aber nicht, wenn man dicke Finger oder kalte Hände hat.“ Besser geeignet wäre laut des Users ein Tablet. „Außerdem leidet für mich persönlich die Eigensicherung, wenn man so stark auf den Minibildschirm fokussiert ist.“ Dafür erhält der User allerdings umgehend Widerspruch: „Und der Blick auf ein Blatt Papier lenkt einen nicht ab?“, gibt etwa ein anderer Nutzer zu Bedenken. „Ein Tablet ist im Stehen schlechter zu bedienen als ein Smartphone.“

Polizei Baden-Württemberg: App zur Unfallaufnahme laut Innenminister Strobl keine Zukunftsmusik mehr

Für den baden-württembergischen Innenminister Thomas Strobl (CDU) ist die digitale Polizeiarbeit zwischenzeitlich keine Zukunftsmusik mehr, sondern tägliche Praxis. „Bereits seit 2020 nutzt die Polizei eine App zur mobilen Sachbearbeitung“, sagte er. Durch die Unfallaufnahme per App sei man noch einen Schritt weiter gegangen. „Wir nutzen die Chancen der Digitalisierung, um die polizeiliche Arbeit zu vereinfachen, zu beschleunigen und gleichzeitig zu verbessern“, so Strobl weiter.

Möglich gemacht wurde die digitale Maßnahme durch die Unterstützung des Verkehrsministeriums, das die Entwicklung der entsprechenden App mit knapp 250.000 Euro aus dem Maßnahmenpaket für Staureduktion und Luftqualität förderte. Das Innenministerium übernahm die praktische Umsetzung und Einführung der App. Seit 2022 ist auf polizeilichen Smartphones auch die App „mFoto“ verfügbar, die es ermöglicht, Fotos und Videos etwa von der Unfallstelle aufzunehmen. Diese werden dann direkt in die polizeiliche Infrastruktur übertragen. Das Innenministerium und das Verkehrsministerium arbeiten Hand in Hand, um neue Möglichkeiten im Sinne der Verkehrssicherheit zu nutzen, teilten Innenminister Strobl und Verkehrsminister Hermann mit.

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