„Lasst uns Kinder in Ruhe“

11-Jährige vergleicht sich auf Corona-Demo mit Anne Frank - Konsequenzen sollen jedoch ausbleiben

Demonstranten gegen die Corona-Verordnungen halten Schilder hoch. Ein Schild hat die Aufschrift „Maske macht frei“.
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Bei Corona-Demos werden auch immer wieder Kinder instrumentalisiert (Symbolfoto)
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    vonJulian Baumann
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Eine 11-Jährige zog bei einer Querdenken-Demo in Karlsruhe einen kontroversen Vergleich - die Staatsanwaltschaft kündigte ein Strafverfahren an, verzichtet jetzt jedoch überraschend darauf.

Update vom 18. November, 10:05 Uhr: Ein 11-jähriges Mädchen zog bei einer Corona-Demonstration einen fragwürdigen Vergleich, der zu Empörung führte. Das Kind sagte auf einer Bühne in Karlsruhe, sie habe sich bei einem heimlich gefeierten Geburtstag gefühlt wie Anne Frank, die „mucksmäuschenstill sein musste“. Das jüdische Mädchen Anne Frank musste sich wegen der Judenverfolgung mehrere Jahre in einem Hinterhaus in Amsterdam vor den Nationalsozialisten verstecken. Dort schrieb sie auch ihr weltbekanntes, posthum veröffentlichtes Tagebuch. Nach dem Vergleich der 11-Jährigen kündigte die Staatsanwaltschaft Konsequenzen an, die nun jedoch ausbleiben, wie die dpa am Dienstag berichtete.

Laut der Staatsanwaltschaft habe es nach einer Prüfung keine hinreichenden Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten gegeben, sagte ein Sprecher der Behörde in Karlsruhe nach Angaben der dpa. Die Prüfung war darauf ausgerichtet, festzustellen, ob durch die Aussage des Mädchens ein Tatbestand der Leugnung des Holocaust vorlag und richtete sich gegen die Eltern des Kindes. Abgesehen davon, dass die 11-Jährige selbst nicht strafmündig sei, werde auch auf ein Ermittlungsverfahren gegen die Eltern verzichtet, sagte der Sprecher.

Update vom 17. November, 14:00 Uhr: Der kontroverse Vergleich einer 11-Jährigen auf einer Corona-Demonstration in Karlsruhe hat für Empörung gesorgt. Der Redebeitrag des Mädchens, das mutmaßlich von seinen Eltern instrumentalisiert wurde, könnte nun harte Konsequenzen haben. Der Vorfall ist laut dem Antisemitismusbeauftragten des Landes Baden-Württemberg ein Indiz für eine besorgniserregende Entwicklung.

NS-Vergleiche habe es die ganze Zeit bei Anti-Corona-Protesten gegeben, sagte Michael Blume laut Angaben der dpa. „Neu ist, dass Kinder in offensive Rollen und zum Mitmachen gedrängt werden. Der Antisemitismus greift jetzt gezielt nach Kindern und setzt Kinder ein, um Tabus zu brechen“.

Karlsruhe: Anne-Frank-Vergleich der 11-Jährigen sei „ungeheure Verharmlosung von Nazi-Verbrechen“

Die 11-Jährige hatte bei der Corona-Demo in ihrer Rede beklagt, dass sie ihren Geburtstag heimlich hätte feiern müssen - aus Angst, von den Nachbarn „verpfiffen“ zu werden. Sie verglich sich mit Anne Frank, die sich im Dritten Reich vor den Nazis verstecken musste.

Mittlerweile hat sich auch die Polizei Karlsruhe eingeschaltet. Sie übergab den Fall der Staatsanwaltschaft. Laut einem Polizeisprecher müsse die nun prüfen, ob ein Strafbestand,wie die Leugnung des Holocaust vorliege.

Die Stadt Pforzheim, in der das Mädchen lebt, kündigte an, über das Jugendamt das Gespräch mit den Eltern zu suchen, wie die dpa berichtet. Auch die Karlsruher SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast verurteilte den Vergleich und bezeichnete ihn als „ungeheure Verharmlosung der Verbrechen Nazi-Deutschlands“, wie die dpa weiter berichtet.

Erstmeldung vom 16. November: Karlsruhe - Aktuell wird täglich eine hohe Zahl an neuen Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg gemeldet. Um die Lage unter Kontrolle zu bringen, verschärfte die Landesregierung die Verordnungen wieder deutlich. Zunächst galt eine Maskenpflicht in den Innenstädten, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Seit zwei Wochen befindet sich Baden-Württemberg nun bereits in einem Teil-Lockdown. Die Pandemie hält nun bereits seit zehn Monaten an, es gibt jedoch nach wie vor Gegner der Maßnahmen und Personengruppen, die das Virus verharmlosen oder sogar seine Existenz leugnen.

Die Initiative Querdenken 711 aus der Landeshauptstadt Stuttgart organisierte eine große Anzahl an Demonstrationen gegen die Corona-Regeln in ganz Deutschland. Inzwischen gibt es überall Ableger der Stuttgarter Initiative. Eine Corona-Demonstration in Karlsruhe wurde von dem Ableger „Querdenken 721“ veranstaltet. Ein Redebeitrag eines 11-jährigen Mädchens führte nach der Veranstaltung zu empörten Reaktionen - vor allem aufgrund eines fragwürdigen Vergleichs.

Querdenken-Demo: 11-Jährige vergleicht sich in Karlsruhe mit Anne Frank

Seit dem Ausbruch des Coronavirus gibt es immer wieder Proteste und Demonstrationen gegen die Verordnungen zum Infektionsschutz. Die Corona-Gegner scheuen auch nicht davor, die Maßnahmen als Einschnitte in die persönliche Freiheit oder als Verletzung der Menschenrechte darzustellen. Ein 11-jähriges Mädchen zog auf der Querdenken-Demo in Karlsruhe jedoch einen Vergleich, der die Gemüter erhitzte. Sie verglich sich und ihren gezwungenermaßen heimlich gefeierten Geburtstag mit der Situation von Anne Frank während der Zeit des Nationalsozialismus.

Nach Angaben von rtl.de musste das 11-jährige Mädchen wegen der Corona-Maßnahmen ihren diesjährigen Geburtstag heimlich feiern. „Wir mussten die ganze Zeit leise sein, weil wir sonst vielleicht von unseren Nachbarn verpetzt worden wären“, sagte das Mädchen auf der Bühne der Corona-Demonstration in Karlsruhe. Sie verglich ihre Situation mit der von Anne Frank, die in ihrem Versteck „mucksmäuschenstill sein musste“, wie rtl.de berichtete.

Anne Frank war ein jüdisches Mädchen, das von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Bergen-Belsen (heutiges Niedersachsen) ermordet wurde. In ihrem posthum veröffentlichten „Tagebuch der Anne Frank“ beschrieb sie, wie sie sich jahrelang in einem Hinterhaus verstecken musste.

Querdenken-Demo: Anne Frank Vergleich - haben Eltern das Mädchen „instrumentalisiert“?

Auf der Querdenken-Demo in Karlsruhe sagte das 11-jährige Mädchen weiterhin, sie sei froh, dass ihre Eltern verstehen, dass „nur weil die Regierung es sagt, es nicht gleich bedeutet, dass es wirklich richtig ist“, wie rtl.de berichtet. Die 11-Jährige habe von einem Zettel abgelesen und richtete ihre Worte auch an die Politik. „Ihr seid doch die Risikogruppe. Dann tragt doch eure bescheuerten Masken und lasst uns Kinder damit in Ruhe.“ Ein Video der Rede verbreitetet sich im Internet und wurde heftig diskutiert. Viele Nutzer vermuteten, die Eltern des Kindes hätten das Mädchen „instrumentalisiert“. Andere User warfen den Eltern durch die Aussage der 11-Jährigen Antisemitismus und Verharmlosung des Holocausts vor.

Bereits in der Vergangenheit verwendeten Corona-Gegner fragwürdige Vergleiche für ihre Proteste. Bei einer ekelhaften Praxis bei einer Corona-Demo in Stuttgart involvierten Teilnehmer ebenfalls Kinder. Sie demonstrierten in Anzügen, die an die der KZ-Häftlinge zur Zeit des Nationalsozialismus erinnerten.

Während der Querdenken-Demo in Karlsruhe berichtete auch die Polizei von dem Geschehen vor Ort. „Beim Zulauf der Demoteilnehmer wurden über 200 Verstöße gegen die Maskenpflicht, das Ansammlungsverbot und das Abstandsgebot festgestellt“, schrieb die Polizei Karlsruhe auf Twitter.

Nach einem Hinweis eines Nutzers äußerten sich die Beamten auch direkt zu dem Vergleich des Mädchens mit Anne Frank. „Der Sachverhalt ist uns bekannt und ein solcher Vergleich ist natürlich völlig unangebracht und geschmacklos. Wir prüfen daher eine strafrechtliche Relevanz“, schrieb die Polizei.

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