Expansion in Süddeutschland

„Wie Ikea“: Discounter sagt Adidas und Nike mit 140 Filialen in Deutschland den Kampf an

Ein Mitarbeiter von Decathlon steht in einer Filiale in Herne (Nordrhein-Westfalen) vor einem Regal mit Fußbällen.
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Decathlon: Der Sport-Discounter will Adidas und Nike die Stirn bieten.
  • Julian Baumann
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Der Sportartikel-Discounter Decathlon plant eine groß angelegte Expansion in Süddeutschland. Auch in Baden-Württemberg sollen neue Läden eröffnet werden.

Plochingen - Der Sportartikelhändler Decathlon aus dem französischen Villeneuve d‘Ascq ist einer der größten Discounter für Sportartikel weltweit. Seinen deutschen Hauptsitz hat das Unternehmen in Plochingen (Kreis Esslingen) etwa 20 Kilometer südöstlich der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart. Bereits Anfang Oktober gab das Unternehmen bekannt, die Zahl der Filialen in Deutschland deutlich erhöhen zu wollen. Der Discounter expandiert massiv in Deutschland und bedroht Adidas und Nike. Trotz der aktuell schwierigen Lage durch das Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland macht der Konzern - im Gegensatz zu der Konkurrenz - Gewinn. Auch in Baden-Württemberg sollen mehrere neue Märkte eröffnet werden.

In einem Interview mit dem Südkurier sprach Manager Stefan Kaiser über die Pläne von Decathlon. Kaiser organisiert die Expansion des Sportartikel-Discounters in Süddeutschland, deutschlandweit sollen 140 Filialen entstehen. Durch die Umstrukturierung sollen jedoch nicht nur neue Filialen in Süddeutschland entstehen, sondern auch kleinere zugunsten von großen Ladenbereichen weichen.

Decathlon: Discounter plant massive Expansion in Süddeutschland - neue Filialen auch in Baden-Württemberg

Während viele Händler aktuell durch die Corona-Maßnahmen und dem Teil-Lockdown mit Problemen zu kämpfen haben, expandiert Decathlon im großen Stil. „Unser übergeordnetes Ziel ist es, so vielen Menschen wie möglich den Zugang zum Sport zu ermöglichen“, sagte Kaiser im Interview mit dem Südkurier. Süddeutschland sei vor allem durch seine Nähe zu den Alpen und den vielen Seen besonders interessant für den Sportartikel-Konzern. „Mehr Sport als hier geht ja fast nicht mehr“, so Kaiser.

Auch in Baden-Württemberg sollen neue Filialen entstehen, in Singen ist beispielsweise ein Markt mit einer Verkaufsfläche von 1600 Quadratmetern geplant. Auf die Frage des Südkuriers, warum sich Decathlon gerade Singen ausgesucht habe, antwortete Kaiser: „Wir setzen hier auf die sportbegeisterte Bevölkerung, die in einer Region mit unzähligen Freizeitmöglichkeiten lebt.“ Bislang habe Decathlon keine Märkte am Bodensee und auch nicht auf der gegenüberliegenden Seite der Schweiz. „Auch die Nähe zur Schweiz ist ein Faktor, der für Singen als Standort spricht“, erklärt Kaiser im Interview.

Decathlon: Konzern will auch in Deutschland der klare Marktführer werden

In einigen Ländern ist Decathlon bereits der erfolgreichste Anbieter von Sportartikeln, das soll laut Stefan Kaiser auch in Deutschland erreicht werden. „In Frankreich sind wir mit über 300 Filialen der klare Marktführer“, erklärt er im Interview mit dem Südkurier und gibt zu bedenken: „Decathlon war in Deutschland anfangs völlig unbekannt. Das Konzept musste auf dem deutschen Textilmarkt erst bekannt werden.“ Man wolle die „weißen Flecken“ auf der Landkarte schließen und eine Gesamtabdeckung erreichen.

Die Expansion von Decathlon in Deutschland stellt auch eine massive Bedrohung für Konkurrenten wie Adidas aus der Nähe von Nürnberg (Bayern) und Nike aus den USA dar. Die bisherigen Platzhirsche hatten deutlich mehr unter der Corona-Pandemie zu leiden als der Discounter mit deutschem Sitz in Plochingen. Decathlon habe durch die Krise sogar dazugelernt, sagte Kaiser im Interview mit dem Südkurier. „Die Corona-Krise hat nochmal aufgezeigt, wie wichtig es ist, unsere Kunden auf mehreren Kanälen zu begleiten“, sagte der Manager der Decathlon-Expansion. „Hier spielt der boomende Onlinehandel und die daraus resultierende On- und Offline-Fusion weiterhin eine Rolle“.

Decathlon: Discounter plant auch Filialen zu schließen - für das „Store-Portfolio“

Bereits Anfang Oktober wurde bekannt, dass Decathlon neben der Eröffnung von neuen Filialen auch mehrere kleinere Märkte schließen will. „Neben der Expansion passen wir auch weiter unser Store-Portfolio an“, bestätigt Kaiser im Interview mit dem Südkurier. „Zum Jahresende werden wir deshalb fünf kleinere Filialen schließen“. Man plane große Märkte von rund 2.000 Quadratmetern Größe an Top-Standorten zu eröffnen. Zu diesen Standorten zählen beispielsweise München und Frankfurt. Insgesamt betreibt Decathlon momentan 83 Filialen in Deutschland, darunter auch mehrere in Baden-Württemberg wie etwa in EsslingenBöblingen und am deutschen Hauptsitz in Plochingen und ist damit ein wichtiger Teil der Wirtschaft in Esslingen.

Mit der bisherigen Expansion in Deutschland ist man im Hause Decathlon durchaus zufrieden, wie Stefan Kaiser im Interview mit dem Südkurier sagte. Mit dem Ruf als „Aldi der Sportartikler“ ist man dagegen weniger einverstanden. „Aldi ist erfolgreich und uns vom Preis-Leistungsverhältnis ähnlich“, präzisiert Kaiser. „Was uns, neben einer ganzen Reihe anderer Dinge, ganz klar unterscheidet, ist die Fachberatung, die Decathlon bietet.“ Man sehe sich selbst eher wie ein „Ikea des Sports“ und weniger wie ein Aldi oder Lidl.

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