Durchstarter im Lebensmittelsegment

Ex-Daimler-Manager gründet eigenes Unternehmen, das heute Millionen wert ist

Jan Bredack, der Vorstandsvorsitzende Veganz Group AG.
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Jan Bredack, der Vorstandsvorsitzende Veganz Group AG, steht vor dem Börsengang des Berliner Herstellers von veganen Lebensmitteln traditionsgemäß an der Skulptur des Bullen.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Nach einem Burn-out änderte der ehemalige Daimler-Manager Jan Bredack sein Leben radikal. Nun leitet er ein millionenschweres veganes Unternehmen.

Berlin - Lebenskrisen eröffnen mitunter neue Chancen und können Menschen dazu bringen, sich komplett neu zu orientieren. So ging es offenbar auch Jan Bredack, Ex-Manager bei Daimler, der vor rund zehn Jahren einen Burn-out erlitt. Nachdem er ein halbes Jahr bei dem Großkonzern freigestellt war, krempelte er sein Leben komplett um. 2011 gründete er die Firma „Veganz“, die sich mittlerweile zu einem riesigen Player im Bereich vegane Lebensmittel entwickelt hat.

„Der Burn-out war für mich der Auslöser, die ganze Welt infrage zu stellen“, erklärt Bredack gegenüber der Süddeutschen Zeitung. In der Zeit, in der er bei Daimler freigestellt war, sei er durch Europa gereist, habe sich von seiner Frau getrennt und eine neue Liebe kennengelernt. „Meine neue Frau hat mich auf das Thema Ernährung gebracht“, so Bredack. „Außerdem hat mir die Psychotherapie gezeigt: Ich war ein Egoist, der sich nur für seine Karriere bei Daimler interessiert. Meine Frau, meine Kinder spielten keine Rolle. Mein gesamtes Wertesystem hing von der Stellung in der Firma ab.“

Veganz-Gründer: „Durch die neue Ernährung sah ich die Welt in einem anderen Licht“

Nach seinem Lebenswandel startete Bredack mit der Firma „Veganz“ auf dem Markt der pflanzlich basierten Produkte durch. Neben drei eigenen Märkten in Berlin vertreiben auch große Händler wie Lidl oder die Drogerie dm diverse „Veganz“-Artikel. Zum Angebot gehören Fleisch- und Wurstalternativen, pflanzliche Käsealternativen sowie vegane Alternativen zu Lachs, Sushi oder Bacon. Bei den Verbrauchern kommt das offensichtlich an: Im Jahr 2020 stieg der Umsatz der Firma Veganz um knapp 13 Prozent auf 30 Millionen Euro. Nun hat Bredack seine Lebensmittelmarke sogar an die Börse gebracht.

Als Vorstandsvorsitzender seines veganen Imperiums steht Bredack voll und ganz hinter seiner Firmenphilosophie. „Als ich begonnen habe, mich vegan zu ernähren, sah ich die Welt plötzlich in einem völlig anderen Licht und wollte alle von den Vorteilen überzeugen, Veganer zu werden“, erklärt er im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung.

Mittlerweile hat sich seine Einstellung dazu jedoch geändert. „Aber das ist Unsinn, jeder muss da seinen eigenen Weg finden“, sagt er. „Unsere Mitarbeiter sind meist keine Veganer, wenn sie bei uns anfangen. Erst durch die Arbeit kommen sie dem Thema näher. Zu 80 bis 90 Prozent sind sie dann irgendwann auch vegan. Aber nicht, weil ich sie zwinge, sondern weil sie von sich aus sagen, das hat Sinn.“

Bezug zu Ernährung in Deutschland: „Essen wird hierzulande wenig wertgeschätzt“

Die Esskultur der Deutschen nimmt Bredack eher negativ wahr. „In Deutschland wird Essen sehr verramscht“, sagt er. Wegen einer „Geiz-ist-geil“-Kultur werde das Essen hierzulande wenig wertgeschätzt, so der Firmengründer. Mit seiner Firma, mit der er aktuell den Sprung an die Börse geschafft hat, möchte Bredack das Bewusstsein in der Gesellschaft für das Thema Ernährung ändern. „Wir wollen die Menschen zu einer pflanzlichen Ernährung und einem verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt motivieren. Das ist unsere Vision“, so Bredack.

Statt mit dem Finger auf Fleischesser zu zeigen, wolle er ein „freundliches Angebot“ machen, so Bredack. „Wir wollen niemanden zum Veganer erziehen“, sagt er gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Er selbst habe 35 Jahre lang Fleisch gegessen, bevor er 2008 Vegetarier und 2009 schließlich Veganer wurde. Es sei ihm lediglich wichtig, Alternativen zur fleischhaltigen Ernährung zu schaffen, die preislich nicht „absurd weit weg“ sind. Neben einer großen Palette von Produkten in Supermärkten bietet „Veganz“ mittlerweile auch Alternativen zur Stadion-Wurst oder dem Schnitzel im Fußballstadion an.

Jan Bredack: Vom Daimler-Manager zum Geschäftsführer bei „Veganz“

Der gelernte Kfz-Mechaniker Jan Bredack fing nach seinem Abitur bei Daimler an und studierte nebenbei. Er leitete den Kundendienst und die Vertriebsservice-Nutzfahrzeuge, in Russland baute er als Geschäftsführer ein Werk auf. 2011 gründete er Veganz und ist seitdem Vorstandschef. Seit 2015 hat das Unternehmen laut eigenen Angaben rund 470 Artikel entwickelt. Das Sortiment reicht von Süßwaren und Snacks über vegane Fleisch-, Fisch- und Käsealternativen bis hin zu Pizza.

Ein wichtiges Anliegen ist dem „Veganz“-Gründer auch, zu betonen, dass vegane Ernährung seiner Erfahrung nach nicht krank mache. „Fünf meiner sieben Kinder sind seit ihrer Geburt komplett vegan“, sagt er. „Da gibt es keinerlei Mangel-Erscheinungen in irgendeiner Hinsicht. Man muss nur auf genügend B12 achten. Aber das mischen wir bei.“

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