Gegen Tesla, Uber und Lyft

Daimler und BMW verbünden sich: Das steckt hinter der Kooperation

  • Marleen van de Camp
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Mit einer Kooperation wollen Daimler und BMW die Herausforderungen der Entwicklung der Mobilität von Morgen meistern und gegen die Konkurrenz aus den USA und China zu bestehen.

  • Daimler und BMW bündeln ihre Kräfte bei der Entwicklung von Mobilitätsdiensten.
  • Die Automobilkonzerne aus Stuttgart und München wollen gemeinsam das Autonome Fahren schon ab 2024 ermöglichen.
  • Ihre Kooperation beim Carsharing soll Kunden von der ausländischen Konkurrenz fernhalten 

Stuttgart/München - Im Februar 2019 kündigten die Konzernspitzen der Daimler AG und der BMW AG der Öffentlichkeit ihre neue Kooperation an. Beide Fahrzeughersteller legen ihre Kompetenzen zusammen, um gemeinsam die Mobilität von Morgen zu entwickeln. Dabei sei nur der Himmel das Limit für die Partnerschaft, wie der damalige Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche (66) sagte.

Die Initiatoren der Kooperation: Dieter Zetsche, damaliger Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, und Harald Krüger, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der BMW AG, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Jahr 2019.

Daimler und BMW: Kooperation im Carsharing unter dem Namen Share now

Beide Konzerne fusionierten ihre Carsharing-Töchter „Drive now“ und „Car2go“. Die daraus entstandene „Share now“-App soll aber noch mehr können. Die neue Mobilitäts-App vermittelt Taxis, Mitfahrdienste und sucht freie Parkplätze sowie Ladestationen. Ziel ist es, der Konkurrenz von Uber, Lyft und Wettbewerbern aus China Paroli bieten zu können. 

Ein BMW i3 von DriveNow und ein Smart Fortwo von Car2Go stehen in einer Ausstellung im Mercedes-Benz-Museum neben einem Schild mit der Aufschrift «We are Share Now». Die Autobauer BMW und Daimler wollen von ihrem gemeinsamen Carsharing-Unternehmen Share Now allmählich Gewinne sehen.

Dafür entwickeln die Konzerne aus Stuttgart und München gemeinsam neue Lösungen für das autonome Fahren. In den Chefetagen von Daimler und BMW reifte die Einsicht, dass das am besten gemeinsam gelingt. Die Fahrzeughersteller holten sich für ihre Kooperation weitere Partner ins Boot, beispielsweise den größten Autozulieferer der Welt, Bosch.

Daimler und BMW: Kooperation beim autonomen Fahren

Die Fortschritte von Wettbewerbern wie Tesla haben Daimler und BMW bewogen, ihre Ressourcen zu bündeln. Die Kooperation sieht vor, zusammen an Lösungen für das autonome Fahren zu arbeiten. Ziel sei ein Sprung in eine neue Technologiegeneration. Sie beinhaltet Fahrassistenzsysteme, das automatisierte Fahren auf der Autobahn sowie Parklösungen. Entwicklungsschritte im autonomen Fahren werden über SAE-Level (SAE =Society of Automotive Engineers) definiert. Die gemeinsame Entwicklung von Daimler und BMW soll dem SAE Level 4 entsprechen. Aktuell werden Autos in Level SAE 2 hergestellt. Die SAE-Level im Überblick:

Level 0Der Fahrer macht alles allein, keine technische Unterstützung
Level 1Assistenzsysteme wie Anfahrhilfe am Berg oder Spurhaltehilfe auf Autobahnen
Level 2Teilautomatisiertes Fahren: Es beinhaltet Hilfen wie automatisches Einparken und einen Stauassistenten
Level 3Die ständige Überwachung durch den Fahrer ist nicht mehr nötig, das System kann den Fahrer aber zur Übernehme der Kontrolle auffordern
Level 4Im Normalbetrieb ist das Eingreifen des Fahrers nicht mehr nötig - nur in wenigen Situationen übergibt das System die Kontrolle an den Menschen.
Level 5Der Mensch ist Passagier

Kooperation von Daimler und BMW: Vollautomatisches Fahren ab 2024

In einer zweiten Phase sieht die Kooperation von Daimler und BMW den Ausbau auf höhere Automatisierungsstufen vor. So sollen Autos von Daimler und BMW auch für das autonome Fahren für den urbanen Raum fit werden. Für diese Fahrzeuge erfolgen die gemeinsame Entwicklung und Produktion nötiger technischer Komponenten.

Dabei betonen die Fahrzeughersteller aus Stuttgart und München, dass ihre Kooperation nicht exklusiv ist. Daimler und BMW laden ausdrücklich weitere Partner zur Zusammenarbeit ein. Das Ziel der Partnerschaft ist eine schnelle Markteinführung. Erste Autos für private Kunden sollen bereits 2024 in den Vertrieb gehen. Dafür werden 1.200 Ingenieure auch in gemischten Teams zusammenarbeiten. Genutzt werden für die gemeinsame Forschung die vorhandenen Standorte der Daimler AG und BMW AG:

  • Mercedes‑Benz Technology Center in Sindelfingen
  • BMW Group Autonomous Driving Campus in Unterschleißheim
  • Daimler Prüf- und Technologiezentrum in Immendingen

Durch die Kooperation von Daimler und BMW soll eine neue Generation von Assistenzsystemen und die dazu notwendigen Sensoren entstehen. Daimler und BWM betreiben dafür ein gemeinsames Rechenzentrum. Erfahrung bei der Entwicklung von hochautomatisiertem Fahren haben beide Unternehmen. BMW forscht bereits seit 2006 mit verschiedenen Partnern an der Zukunft des Autos. Daimler besitzt ebenfalls langjährige Erfahrungen. 2019 testete Mercedes-Benz selbstfahrende Autos in den USA erstmals im urbanen Gelände. Vorteilhaft ist in diesem Zusammenhang, dass Daimler die gesamte Fahrzeugpalette vom Pkw über Van und Bus bis hin zum Lkw im Portfolio hält.

Kooperation von Daimler und BMW: Kampf gegen die digitale Konkurrenz

Das autonome Fahren ist nicht die einzige Kooperation der Fahrzeughersteller aus Stuttgart und München. Um der kapitalstarken digitalen Konkurrenz zu trotzen, bündeln Daimler und BMW ihre Ressourcen auch im Bereich Carsharing. Dazu fusionierten das Daimler-Angebot car2go und der BMW-Anbieter Drive Now zu Share Now. Die Idee war, die gemeinsamen Kunden mit einer Mobilitäts-App zu binden. Das Unternehmen startete an 31 Standorten mit 20.000 Fahrzeugen. Damit konzentriert sich Share Now auf den europäischen Kernmarkt. Die Standorte befinden sich in städtischen Gebieten von zehn Ländern. Die Standorte von Share Now:

  • Berlin
  • Frankfurt/Main
  • Hamburg
  • München
  • Stuttgart
  • Amsterdam
  • Budapest
  • Helsinki
  • Kopenhagen
  • Lissabon
  • Madrid
  • Rom
  • Mailand
  • Turin
  • Paris
  • Wien

Die Stuttgarter Daimler AG hat auch eine Kooperation mit dem Lieferdienst DPD. Die Daimler AG hat nämlich einen Weg gefunden, um Pakete schneller zu liefern. Das funktioniert durch die Technologie eines Start-Ups, an dem Daimler Anteile hält. Auch mit Volvo hat Daimler sich verbündet. Der Fahrzeughersteller aus Göteborg und die Daimler AG investieren jeweils mehr als 100 Millionen Euro in eine vergessene Alternative zum E-Auto.

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa/picture alliance

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